5 Skandhas oder was ist das Ego?

Die Grundlage von Leiden ist die Identifizierung mit diesem so genannten Ego. Aber was ist das eigentlich genau und woraus besteht es?

 

Hast Du Dich jemals gefragt, was Du genau meinst, wenn Du von „ich“ sprichst? Den ganzen Tag lang sprechen wir über dieses „ich“, aber kaum jemand hinterfragt, was es damit auf sich hat.

 

 


Die 5 Skandhas oder Anhäufungen, bestehend aus der Form, also dem Körper, Wahrnehmung, Gefühlen, Gedanken und Bewusstsein bilden in ihrem Zusammenspiel das, was wir im Allgemeinen als „ich“ bezeichnen.

 

Da existiert ja gar kein Wagen

 

Doch wie ein Wagen, der aus Rädern, Achsen, Karosserie, Sitzen etc. besteht und all diese Einzelteile wieder aus verschiedenen Materialen zusammengesetzt sind, existiert dieses „ich“ nicht wirklich. Es hat keine aus sich selbst heraus existierende Grundlage.

 

Betrachten wir die einzelnen Skandhas, und das ist einer der wesentlichen Punkte während Zazen, können wir erkennen, dass auch die einzelnen Bestandteile nicht aus sich selbst heraus existieren und bedingt sind, durch viele verschiedene andere Umstände.

 

Alles ist bedingtes Dasein

 

Der Körper ist bedingt durch den Geschlechtsakt der Eltern, die Persönlichkeit bedingt durch Erziehung, Gedanken abhängig und bedingt durch die Wirklichkeit, in der Du scheinbar lebst usw.

 

In Wahrheit gibt es da kein „ich“, das aus sich selbst heraus existiert und einen festen Wesenskern hat. Alles ist immer nur durch wechselseitige Abhängigkeit entstehendes Auftauchen und Verschwinden – ein kommen und gehen wie die Gedanken während Zazen.

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Frieden finden durch Akzeptanz

Alles zu akzeptieren bedeutet auch die Nicht-Akzeptanz zu akzeptieren. Was sich anhört wie ein Wortspiel, ist in Wahrheit tiefe Weisheit, die wir durch Zazen verwirklichen können.

 

Zen und die Akzeptanz von allem bedeuten wiederum nicht, dass wir lethargisch werden und einfach nur zusehen, wie die Dinge um uns herum geschehen.

 


Vielmehr können wir im Zen durch die Akzeptanz in jeder Situation völlig frei und aktiv handeln. Zen ist ein zutieft lebensbejahender und aktiver Weg, das eigene Leben weniger egoistisch zu gestalten und durch die Praxis von Zazen Mitgefühl mit allen Wesen zu entwickeln.

 

Mit statt gegen die Strömung schwimmen

 

Wenn wir in einer Situation die Dinge nicht annehmen und nicht akzeptieren können und uns gleichzeitig selbst verurteilen, dann kostet das unglaublich viel Energie. Das Festhalten an dem gedanklichen Konstrukt von "Ich" und "Mein" trägt dazu bei, dass wir nicht akzeptieren sondern unter den Umständen leiden.

 

Völliges Akzeptieren muss daher auch die Nicht-Akzeptanz akzeptieren. Erst dann sind wir frei und können in jeder Situation natürlich und spontan handeln zum Wohle aller Wesen. Ohne diese völlige Akzeptanz wie es nun einmal ist, verbrauchen wir die notwendige Energie weil wir gegen die Strömung anschwimmen.

 

Doch wenn wir akzeptieren, können wir zunächst mit der Strömung mit fließen, um dann an das andere Ufer zu gelangen. Gegen den Strom anzukämpfen kostet uns Energie und Kraft. Voller Vertrauen mit dem Fluss des Lebens zu fließen und zum Wohl aller Wesen zu handeln, ist einer der wesentlichen Punkte des Zen.

 

Die drei goldenen Gebote des Zen

 

Wenn wir uns selbst und die Situation unseres Lebens vollständig akzeptieren und uns gleichzeitig an den drei goldenen Geboten orientieren, wird unser Handeln spontan und natürlich. Mitgefühl ist nicht länger ein Konzept aus Moral und Benehmen, sondern gelebte Spontanität des Zen im Augenblick hier und jetzt.

 

Die drei Gebote lauten:

  1. Hör auf Schlechtes zu tun
  2. Tue nur noch Gutes
  3. Tue Gutes für die anderen

Kann rechtes Handeln, dass ja einer der Pfade des edlen achtfachen Pfades ist, so einfach sein? Aufhören Schlechtes zu tun und das eigene Handeln auf Gutes für sich selbst und die anderen auszurichten. Im Alltag ist es nicht immer leicht, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.

 

Doch wenn wir uns selbst und unserer Intuition vertrauen, können wir die gelebte und natürliche Spontanität durch die Akzeptanz von allem praktizieren und uns auf dem Weg des Zen hier in dieser phänomenalen Welt weiterentwickeln.

 

 

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Zen studieren bedeutet sich selbst studieren

Zen zu studieren heißt, sich selbst studieren. Sich selbst studieren heißt, sich selbst vergessen. Sich selbst vergessen heißt, von den zehntausend Dingen bezeugt werden.

 

Von den zehntausend Dingen bezeugt werden heißt, Körper und Geist von sich selbst und den anderen fallen lassen.

 


Die Spuren des Erwachens lösen sich auf, und die aufgelösten Spuren des Erwachens führen endlos fort.

 

Shobogenzo Genjokoan

Meister Dogen Zenji (1200 - 1253)

 

Wenn wir Zen studieren wollen, gibt es da keine Lehre die in Worte gefasst werden kann. Es bedeutet uns selbst zu studieren und herauszufinden, was dieses "ich" ist, von dem wir alle den ganzen Tag sprechen. Das "ich" oder "Ego" wird im Buddhismus durch die 5 Skandhas erklärt, aus denen es zusammen gesetzt ist: Körper, Sinneswahrnehmung, Gefühle, Gedanken und persönliches Bewusstsein (Siehe auch dieses Video: https://youtu.be/Sm5SZIu5IxI)

 

Ein werden mit den 10.000 Dingen

 

Sich selbst zu studieren und erkennen, dass es da kein aus sich selbst heraus existierendes Ego gibt, bedeutet eins zu werden mit allem was ist, weil wir die Buddhanatur, das Prinzip wechselseitiger Abhängigkeit in allem erkennen. So werden wir eins mit den 10.000 Dingen.

 

Von dieser Erkenntnis durchdrungen zu sein, es also nicht intellektuell sondern durch spontane eigene intuitive Einsicht zu erfahren, lässt keinen Erfahrenden zurück. Es ist Erfahrung ohne einen Erfahrenden. So fallen Körper und Geist, vielmehr die Identifikation mit dem Körper-Geist-System ab und damit auch Körper und Geist aller anderen.

 

Wie können wir das verwirklichen?

 

Du kannst das gar nicht verwirklichen oder machen. Es ist wie mit dem Einschlafen. Du kannst Einschlafen nicht machen. Je mehr Du versuchst etwas zu tun um einzuschlafen, desto weniger wird es Dir gelingen. Du kannst Einschlafen nur zulassen und geschehen lassen. Eine gute Vorbereitung dazu ist aber scheinbar trotzdem die Praxis von Zazen.

 

Wer lässt Körper und Geist fallen?

 

Die Formulierung "Körper und Geist fallen lassen" suggeriert, dass es da eine Instanz geben muss, die das tun kann. Aber so ist es nicht. Es ist mehr ein "Auflösen von Identifikation" und es bleibt niemand übrig, der davon weiß oder es bezeugen kann.

 

Es ist ein Auflösen in den formlosen Raum unbegrenzten Friedens. Doch selbst diese Vorstellung kann noch beobachtet und gesehen/gefühlt werden. So kann der letzte Schritt nicht bewusst gemacht sondern nur zugelassen werden. Nenne es Gnade oder Schicksal. Aber lass die Idee los, dass Du etwas tun könntest.

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Brahman, Dharmakaya und Buddha

"Das was der Buddhismus (spez. Mahayana) als Buddhanatur oder Dharmakaya erklärt, hat doch starke Ähnlichkeit mit Brahman? Entweder erklärt ein Hindu die Anatta Lehre falsch, oder ein Buddhist versteht die Darlegung des Brahman nicht. Wie siehst du es, wenn man als Praktizierender Buddhist sich mit Yoga befasst?"

 

In der Erfahrung des Einen gibt es kein zweites. Ob wir es nun Buddha, Buddhanatur (ist in meinem Verständnis das Prinzip der Leerheit von aus sich selbst heraus existierendem sein; wechselseitige Abhängigkeit), Dharmakaya, Tao, Brahman, Gott, Allah oder Bewusstheit nennen, spielt keine Rolle.

 

Alles Mind-Bullshit

 

Ich bin kein Hindu und sehe mich auch nicht als Buddhisten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die unterschiedlichen Traditionen von unterschiedlichen Dingen sprechen, wenn sie über das sprechen, was nicht mit Worten ausgedrückt werden kann.

 

Die Unterschiede entstammen den verrückten Gedanken des Verstandes: "Aber mein Religionsstifter ist besser als Deiner." oder "Aber mein spirituelles Konzept ist wahrer als Deines". Wenn Du mich fragst:

Alles Mind-Bullshit. Aber das ist nun mal das äußere Gerüst, die Hülle und sichtbare Erscheinung in Form von Worten, Ritualen, Praktiken, Gewändern etc.

 

Zen-Praktizierende werden mich lünschen

 

Orthodoxe Zen-Meister und Praktizierende werden mich verdammen, aber zwischen Buddha, Dharmakaya und Brahman etc. ist kein Unterschied. Alles ist der eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Es ist das, was ich die Wahrheit des Seins nenne.

 

Es gibt Buddhisten, die an die Wiedergeburt der Person als individuelle Seele glauben. Es gibt Christen, die an ein Leben nach dem Tod, als individuelle Seele an der Seite Gottes glauben. Es gibt Hindus die glauben, dass Atman als individuelle Seele in Brahman bestehen bleibt.

 

Aber in der Erfahrung von Zazen kennen ich niemanden, der so etwas wie einen individuellen und aus sich selbst heraus existierenden Wesenskern gefunden hat!

 

Das was im Nicht-Finden entdeckt werden kann ist, dass das was Du bist keine Form und keine Größe, keine Eigenschaften und keine Merkmale aufweist. Aus diesem Grund ist es ewiges Seins ohne Sein zu sein oder sich selbst bewusst zu sein.

 

Bezüglich der Frage zum Thema Zen und Yoga:

 

Warum sollte man als Buddhist kein Yoga praktizieren? Wenn man die Zeit hat und die Asanas zusätzlich oder vor dem Zazen praktizieren möchte ist das völlig ok. Ich achte ja auch auf eine gesunde Ernährung, treibe Sport, habe Sex und all die anderen Dinge.

 

Bezogen auf den spirituellen Weg macht es unter Umständen Sinn, sich zunächst auf einen Weg zu konzentrieren, um sich nicht in all den unterschiedlichen Konzepten zu verlaufen. Zen allein bietet bei weitem schon genug Irrwege dazu.

 

Das Wesen des Wassers ergründen

 

Nur wenn wir einen Weg bis in die Tiefen ausloten, erkennen wir die Gemeinsamkeiten zu allen anderen spirituellen Schulen und Wegen.

 

Es ist als wollten wir 10 Gläser mit Wasser füllen, um das wahre Wesen des Wassers zu ergründen:

Wenn wir immer nur einen Tropfen in jedes Glas füllen, dauert es lange, bis alle Gläser gefüllt sind. Wenn wir ein Glas bis zum Rand füllen, können wir trinken und erfahren die Wahrheit des Wassers. Benötigen wir dazu mehrere Gläser?

 

 

Ich selbst habe erst nach dem ersten Erleuchtungserlebnis (an dieser Stelle sei gesagt, dass ich kein Erleuchteter oder so genannter Erwachter bin!) angefangen nach Gemeinsamkeiten dieser Erfahrung in unterschiedlichen spirituellen Richtungen zu forschen. Alle Wege beschreiben schlussendlich ein und die selbe Erfahrung.

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Zazen - Erleuchtung und Erwachen im Zen

Erleuchtung und Erwachen im Zen-Buddhismus durch die Praxis von Zazen ist schlussendlich nicht durch Worte zu beschreiben.

 

So wie Fahrradfahren nur durch das eigene tun und erfahren gemeistert werden kann, so kann Zen nicht durch Worte erklärt werden. 


Und doch sagt man im Zen, dass der Finger, der auf den Mond deutet, nicht der Mond selbst ist aber einen Hinweis auf die Richtung gibt, in die wir während Zazen schauen sollen. Vielmehr können wir während der stillen Meditation auf dem Kissen erfahren, von wo aus wir schon immer gesucht haben.

 

Erleuchtungserlebnisse auf dem Kissen

 

Ja, es gibt sie. Diese Drogentrip ähnlichen Erfahrungen, von denen schon Kodo Sawaki dem Wortlaut nach sagte: "Wenn es euch um diese Art von Erfahrungen geht, dann könnt ihr genauso gut Drogen nehmen." Und Recht hat er, der alte Landstreicher.

 

Diese Erfahrungen auf dem Kissen sind wunder voll und mystisch. Bisher nicht medizinisch erforscht scheinen diese Erfahrungen wie ein Riss im Vorhang unseres Verstandes, durch den wir die Welt sehen können, wie sie ist. Wir erkennen uns selbst als Teil, vielmehr noch als ein Ganzes und sind durchdrungen von einem Gefühl von spiritueller Freude, Liebe und Glückseeligkeit.

 

Erwachen hat damit rein gar nichts zu tun

 

Doch diese Erfahrungen, hervorgerufen durch intensive Praxis und sensorische Deprivation, sind nicht Ziel der Zen Praxis und haben mit der eigentlichen Befreiung nichts zu tun. Vielmehr noch können uns diese Erfahrungen, vor allem ohne einen fähigen Meister, der uns sofort alle Flausen aus dem Kopf treibt, zu Illusion und Leiden führen. Es ist als würden wir auf die eine Illusion, eine zweite Illusion packen. Das ist eine schwere Zen Krankheit, die vor allem Anfänger ohne fähigen Lehrer, die für sich allein zu Hause meditieren heimsuchen kann.

 

Befreiung ist viel einfacher

 

Schlussendlich ist das, was ich Befreiung nenne, viel simpler und einfacher. Es ist wie die Frage, ob Wasser nass werden kann oder ob Feuer brennen kann. Du kannst nicht werden, was Du bereits bist. Doch so wie sich eine Hand nicht selbst ergreifen kann und eine Waage nicht ihr eigenes Gewicht wiegen kann, kann sich das Eine nicht sich selbst bewusst werden, da es sonst wieder zwei gibt.

 

Sei einfach wie Du bist. Tue die Dinge, die getan werden müssen. Die drei goldenen Gebote mögen Dir Wegweiser und Leitfaden sein: 

  1. Hör auf Schlechtes zu tun.
  2. Tue nur noch Gutes.
  3. Tue Gutes für die anderen.
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Erleuchtung hat nichts mit Dir zu tun

Der folgende Text stammt aus dem kleinen Büchlein "Die Wahrheit des Seins", dass im Epubli-Verlag erschienen ist:

 

Erleuchtung ist nicht mehr als ein biochemischer Prozess im Gehirn, der durch intensive Mediationspraxis oder Deprivation ausgelöst werden kann. Diese Erfahrung ist nicht mit Worten zu beschreiben.

 

Dennoch hat sie einen Anfang und somit auch ein Ende. Erwachen bedeutet nicht mehr als zu realisieren, dass es da niemanden gibt der Erleuchtung erfahren oder das Erwachen verwirklichen kann.

 

Beide Vorstellungen sind nicht mehr als ein Produkt des denkenden Verstandes und gehören somit nicht zur Wahrheit des Seins. Es gibt wohl kaum ein Wort, das mehr Vorstellungen und Illusionen erzeugt, wie das Wort „Erleuchtung“.

 

Für die meisten Suchenden ist Erleuchtung einfach nur ein weiteres Ziel, ein weiterer Wunsch, eine weitere Illusion. Es gab noch nie eine Person, die erleuchtet oder zu einem so genannten „Erwachten“ wurde. Es ist ja gerade die Abwesenheit der Person bzw. das Durchschauen der Idee einer aus sich selbst heraus existierenden Person mit einem freien Willen in Raum und Zeit, das die Erleuchtungserfahrung kennzeichnet.

 

Nicht dass es innerhalb des Traums nicht wundervolle Zustände und tiefe Erfahrungen von „Ich-losigkeit“ geben kann. Doch im Grunde erfährt das jeder Mensch mindestens einmal alle 24 Stunden. Nämlich immer dann, wenn sich das Körper-Geist-System in der traumlosen Tiefschlafphase befindet.

 

Doch niemand ist sich dieser Abwesenheit der Person bewusst, da die Person nun einmal abwesend ist. In Wahrheit hat die Person nie existiert. Es waren nur Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen und Bewusstsein innerhalb eines Körpers, dessen Lebendigkeit von Augenblick zu Augenblick geschieht, ohne einen Jemanden der irgendetwas davon macht.

 

Wie gesagt geschieht diese Erfahrung von "Ich-losigkeit" jede Nacht während der traumlosen Tiefschlafphase. Auf einmal gibt es da kein „ich“ mehr und wir lieben diesen Zu-stand: kein Schmerz, keine Gedanken, keine Schuld, kein Erlangen wollen von Erleuchtung oder sonst einem oberflächlichen Wunsch des Verstandes!

 

Doch während der Traumphasen scheint es jemanden geben zu müssen, der träumt und erneut kann Identifikation geschehen. Für die meisten Suchenden hat der Verstand ein wundervolles Bild der Erleuchtung konstruiert: da gibt es nie wieder Kummer, keine Sorgen, keine Gedanken, völlige Stille und absolutes dauerhaftes Wohlbefinden der Person.

 

 

Bilder von weiß gekleideten, immer lächelnden, Strohsandalen tragenden Men-schen, meist Inder, mit weißen Haaren und einem langen weißen Bart, in schwarz gekleidete Japaner mit ernstem Gesichtsausdruck und Glatze oder in Orange gekleidete, fröhlich lächelnde Tibeter, sind keine Seltenheit. Grundsätzlich werden Gurus wie Pop-Stars immer nur lächelnd und in Pose fotografiert.

 

Seltsamerweise nie, wenn sich der Guru gerade den Hintern abwischt oder sich auf Grund einer Magen-Darm-Grippe über die Kloschüssel hängt, denn dies würde die Illusion von Heiligkeit schlagartig zerstören. Doch in Wahrheit ist es so, dass die scheinbare Person, in einer Welt der Vergänglichkeit, niemals dauerhafte Zufriedenheit erfahren kann.

 

Das was nach Erleuchtung sucht, wird niemals erleuchtet werden. Das was Erleuchtung finden kann, war schon immer erleuchtet. Die persönliche Erfahrung der Erleuchtung ist einem Drogenrausch vergleichbar und hat nichts zu tun mit wirklicher Befreiung.

 

Man kann sogar sagen, dass diese persönliche Erleuchtung eine der letzten Waffen des Verstandes ist, bevor die Identifikation gänzlich durchschaut wird bzw. die Identifikation mit dem Ego-Verstand kollabiert. Befreiung hat rein gar nichts zu tun mit irgendeiner Form der Spiritualität, mit Ritualen oder Reinigungszeremonien.

 

Es reicht das Erkennen, das Du bereits das bist, was der Verstand Dir glauben machen möchte, dass Du noch nicht bist. Und doch gibt es in den meisten, so genannten spirituellen Wegen, eine Form von Praxis. Dies können Meditation, Tanz, Gebet oder andere Formen und Rituale sein.

 

Dazu werden entsprechende Gewänder, Gegen-stände, Klänge oder Räucherwerk benutzt, um die eine Illusion durch eine andere Illusion auszutauschen. Wirkliche Befreiung hat nichts mit all dem oder der Person, die nach Befreiung sucht, zu tun.

 

Aus dem Buch "Die Wahrheit des Seins - Neuauflage 2018" hier bestellen: https://amzn.to/2MQv8OW

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Zen - Die Leerheit allen Seins

Im Hannya Shingyo, einem der am meisten rezitierten Sutras in den Zen-Dojos und -Klöstern, lautet das zentrale Thema: "Form ist Leerheit und Leerheit ist Form."

 

Das dieses Sutra einen besonderen Stellenwert im Zen einnimmt zeigt, dass hierin ein wesentlicher Punkt, wenn nicht sogar der wesentliche Punkt, betrachtet wird. Was aber ist Form und Leerheit?

 


Form (Shiki)

 

Auch übersetzt als Erscheinungen, Phänomene oder bedingtes Dasein, steht Form (Shiki) für den Blickwinkel aus der relativen Wirklichkeit. Die Dinge scheinen aus sich selbst heraus zu existieren, sind getrennt und unabhängig voneinander.

 

Es gibt Geburt und Tod, Erscheinen und Verschwinden sowie die gesamte Wahrnehmung der Dualität von hell und dunkel, schön und hässlich, Gut und Böse etc.

 

Im Grunde kann man sagen, dass es die dualistische Wahrnehmung der Welt ist, wie sie von den meisten Menschen wahrgenommen wird.

 

Leerheit (Ku)

 

Dieser Begriff ist schon etwas schwerer mit Worten zu beschreiben. Im Grunde sollte der Begriff nicht substantiviert werden, indem wir von „der Leerheit“ sprechen. Leerheit bedeutet, dass die Dinge leer sind von einem aus sich selbst heraus existierenden Sein.

 

Nichts in der Welt kann aus sich selbst heraus, das heißt ohne Ursachen, existieren. Alles ist wechselseitig voneinander abhängig und beeinflusst sich gegenseitig.

 

Das war einer der wesentlichen Punkte, zu denen Shakyamuni Buddha erwachte, als er still in Zazen saß. Er erkannte, dass wenn „Dieses“ vergeht, auch „Jenes“ vergeht. Wenn „Dieses“ entsteht, auch „Jenes“ entsteht.

 

Er erkannte, dass alle Dinge leer sind von Eigenexistenz und nicht aus sich selbst heraus existieren können. Das bedeutet nicht, dass sie nicht existieren. Es ist Existenz ohne Eigenexistenz.

 

So sind Shiki und Ku lediglich zwei verschiedene Blickwinkel auf ein und dieselbe Wirklichkeit und können nicht voneinander getrennt werden. So wie die Vorderseite eines Blatt Papiers nicht von der Rückseite getrennt werden kann.

 

Unsere Persönlichkeit ist wie ein Auto.

 

Ein Auto besteht grob gesagt aus Reifen, Achsen, Karosserie, Sitzen und Motor. Doch all diese Dinge bestehen für sich selbst aus bestimmten anderen Dingen. Diese wiederum haben ihr eigenen Ursachen usw.

 

Die Reifen als Beispiel bestehen aus der Felge, dem Schlauch, dem Luftventil, den Schraumen und dem Reifenmantel. Und woraus genau besteht das Luftventil?

 

Im Grunde gibt es da kein Auto, sondern lediglich ein Zusammenwirken von vielen anderen Dingen, die wiederum selbst aus vielen anderen Dingen bestehen. Zwecks der zwischenmenschlichen Konversation jedoch benutzen wir das Wort „Auto“.

 

Aber Worte können niemals die Sache selbst sein. Das Wort „Messer“ schneidet nicht und das Wort „Brot“ macht nicht satt.

 

Die Person, für die wir uns halten, besteht grob gesagt aus Körper, Sinneswahrnehmung, Gefühlen, Gedanken und Bewusstsein. Oder buddhistisch ausgedrückt den 5 Skandhas.

 

Während Zazen können wir diese 5 Skandhas beobachten und wahrnehmen, dass sie auf der einen Seiten nicht aus sich selbst heraus existieren und wir auf der anderen Seite nichts zu tun brauchen, damit diese ablaufen und geschehen.

 

Wir sprechen von einer Person, aber im Grunde gibt es da keine Person. Genauso wenig, wie es da ein Auto gibt, da es lediglich der Zusammenschluss vieler anderer Elemente ist, die wiederum selbst nicht ohne Ursache und lediglich wechselseitig bedingt sind.

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Die 3 Dharmasiegel

Einer der wesentlichen Punkte, die Shakyamuni Buddha durch sein Erwachen verwirklichte war die Tatsache, dass die Welt und alle Phänomene drei Dharmasiegel oder besser Daseinsmerkmale aufweisen. Durch das klare Verstehen dieser drei Merkmale erkennen wir die Wirklichkeit wie sie ist:

 

Anicca

 


Die Vergänglichkeit (Anicca) besagt, dass alle Dinge unbeständig und der vergänglich sind. Das können wir in der Natur an den Jahreszeiten erkennen. Selbst ein massiver Berg ist mit einem Blickwinkel von mehreren Millionen Jahren der Vergänglichkeit und der Veränderung unterworfen.

 

Natürlich ist auch das Körper-Geist-System vergänglich und verändert sich unablässig von Augenblick zu Augenblick. Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und all die anderen inneren Phänomene können während Zazen beobachtet und ihre vergängliche Existenz wahrgenommen werden.

 

Dukkha

 

Oft unzureichend als Leiden (Dukkha) übersetzt, finden wir dieses Merkmal bereits in den 4 edlen Wahrheit die Buddha in seiner ersten Predigt weitergegeben hat. Doch Dukkha ist nicht nur Leiden, sondern kann besser mit Unzulänglichkeit, Unvollkommenheit, Bedingtheit übersetzt werden.

 

Wir erleben Unvollkommenheit und ein subtiles Gefühl eines Mangels (Leiden) durch Krankheit, Alter und Tot. Wenn wir mit dem vereint sind, was wir nicht wollen oder erkennen, dass wir nicht festhalten können, was wir lieben und ergreifen wollen, ist das leidvoll oder unzulänglich.

 

Durch die Vergänglichkeit allen Daseins und das Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit (bedingtes Dasein) entsteht Dukkha.

 

Anatta

 

In der indischen Spiritualität zur Zeit Shakyamunis herrschte der Glaube vor, dass das Selbst nur etwas sein kann, was unvergänglich und unentstanden (ungeboren) ist. Durch seine Erfahrung des Zazen, erkannte Shakyamuni, dass in dieser phänomenalen Welt des Daseins alles das Merkmal des Nicht-Selbst aufweist.

 

Nicht-Selbst bedeutet, dass nicht einen eigenen, aus sich selbst heraus existierenden Wesenskern aufweist, der unveränderlich und unvergänglich wäre. Alles entsteht durch ein multidimensionales Ursache-Wirkungs-Prinzip, das auch als wechselseitige Abhängigkeit bekannt ist.

 

Fazit

 

Nehmen wir nun diese drei Daseinsmerkmale und betrachten aus diesem Blickwinkel die Welt und das Körper-Geist-System (die Person für die wir uns halten), sehen wir, dass alles die selbst Buddhanatur aufweist und Teil eines großen Ganzen ist.

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ZEN - Erleuchtung im Ruderboot

Die Zen Geschichte vom leeren Ruderboot ist eine Geschichte aus dem Zen-Buch „Zen im Alltag“ von Charlotte Joko Beck und bringt die Erkenntnis des Zazen, der Zen-Meditation in Stille, auf den Punkt.

Stell dir vor du liegt in einem Ruderboot mitten auf einem großen See und genießt den Augenblick. Plötzlich rammt dich ein anderes Boot von der Seite. Du erschrickst und wirst wütend:


„Welcher Depp rammt mich da mit seinem Boot? Kann der nicht aufpassen?“ Du richtest Dich in Deinem Boot auf und suchst nach dem Verursacher. Aber was ist das?

 

Das andere Boot ist leer. Niemand ist im Boot. Was passiert jetzt mit Deiner Wut und Deiner Verärgerung? Richtig, in einem einzigen Augenblick kannst du sie fallen lassen und loslassen.

 

Ist es nicht interessant, dass so lange wir glauben, dass da ein „Jemand“ verantwortlich für etwas ist, wir wütend und verärgert sein können, doch in dem Augenblick, wenn wir realisieren, dass da niemand ist, unsere Verärgerung keine Grundlage mehr hat?

 

Alle Phänomene leer sind von Eigenexistenz

 

Aber was bedeutet das konkret? Oft wird dieses Prinzip substantiviert indem von Leere oder Leerheit gesprochen wird. Besser wäre jedoch, wenn man den Begriff der Leerheit durch „leer sein von Eigenexistenz“ oder „leer von einem aus sich selbst heraus existierenden Wesenskern“ sprechen würde.

 

Leerheit basiert auf dem Prinzip der wechselseitigen Abhängigkeit und sagt, dass kein Ding auf der Welt aus sich selbst heraus existieren kann. Alle Phänomene sind unbeständig und existieren nur durch ein multidimensionales Netz aus Ursache und Wirkung.

 

Mein Lieblingsbeispiel ist das Feuer. Feuer kann nicht aus sich selbst heraus existieren, da es mindestens Luft und einen Brennstoff wie Holz benötigt. Feuer kann nicht aus sich selbst heraus brennen. Doch Luft oder Holz existieren ebenfalls nicht aus sich selbst heraus. Holz benötigt einen Baum, der Baum benötigt Erde, Regen und Sonnenlicht. Auch diese drei existieren lediglich durch bestimmte Ursachen usw.

 

Dein eigenes Boot ist ebenfalls leer

 

Kommen wir noch einmal zu dieser Geschichte mit dem Ruderboot auf dem See zurück. Durch die Erkenntnis, dass das andere Boot leer ist, verlieren Wut und Verärgerung ihre Grundlage. Doch was wäre, wenn auch Dein eigenes Boot leer ist?

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Zazen - Meditation für Anfänger

„Zazen bringt Dir überhaupt nichts. Doch bis das endlich in eure Schädel eindringt und ihr das Zazen praktiziert, dass euch nichts bringt, bis dahin bringt euch Zazen echt nichts.“ sagte einst Kodo Sawaki

 

Der alte Landstreicher hatte Recht und sein Buch „Zen ist die größte Lüge aller Zeiten“ ist eine wahre Schatzkammer des Dharma. Und dennoch praktizieren wir täglich auf dem Kissen oder zumindest ein paar Mal die Woche im Dojo. Doch gerade Anfänger tun sich manchmal schwer.

 

Was der Anfänger wissen sollte

 

Als ich vor über 20 Jahren mit Zazen anfing, sah ich einmal eine Grafik, die die Praxis auf dem Kissen und das übende Erweisen sehr gut auf den Punkt bringt. Es war eine Linie von der nach oben grafisch dargestellt Gedanken ausgingen und nach unten der Dämmerzustand bildlich dargestellt war.

Wenn Du schon einmal Zazen praktiziert hast, weißt Du, dass von Augenblick zu Augenblick Gedanken, Erinnerungen, Bilder, Ideen und Vorstellungen auftauchen. Manchmal gibt es auch Abschnitte der Stille, aber meist ist richtig „Kirmes im Kopf“.

 

Hier geht´s zum Video "Zazen für Anfänger - Anleitung für Zen-Meditation"

 

Einfach nur sitzen - Shikantaza

 

Während Zazen geht es nur darum zu sitzen und zu beobachten, was da von Augenblick zu Augenblick geschieht. Doch gerade zu Beginn der Praxis kann es geschehen, dass uns diese inneren Phänomene manchmal mit wie eine mächtige Welle im Meer mitreißen und wir uns völlig in den Gedanken verheddern.

 

Im Grunde ist genau das der Grund warum Leiden geschieht, aber das ist ein anderes Thema.

Wie ein wilder Affe springt unser Geist von einem Gedanken zum nächsten. So lange wir uns mit den Gedanken des Ego-Verstandes identifizieren und sagen „Das sind meine Gedanken“, wird unsere Aufmerksamkeit mitgerissen und wir fallen aus dem Augenblick hier und jetzt.

 

Hier geht´s zum Video "Zazen für Anfänger - Anleitung für Zen-Meditation"

 

Wenn uns das auffällt, kehren wir mit unserer Aufmerksamkeit wieder zurück zur Haltung und zur Atmung. Dabei spielt es für den Anfänger keine Rolle, ob er das Auftauchen der Gedanken gleich zu Beginn bemerkt oder bereits völlig im Denken verstrickt ist.

 

Gutes und schlechtes Zazen

 

Zazen ist nicht schlechter, wenn wir viele Gedanken wahrnehmen und nicht besser, wenn einmal wenige Gedanken da sind. Zazen ist Zazen. Wir praktizieren lediglich „Sitzen“ und können wahrnehmen, was von Augenblick zu Augenblick kommt und geht.

 

Manchmal können wir auch Müdigkeit wahrnehmen und der Geist dämmert vor sich hin. Auch dann führen wir die Aufmerksamkeit wieder zurück zur Praxis.

 

Durch dieses Üben wird unser aufgeregter oder schläfriger Geist ruhig und friedlich. Immer klarer und deutlicher nehmen wir wahr, dass auch wenn wir uns vornehmen „nur zu sitzen“ – Shikantaza – von Moment zu Moment Leben geschieht. Wir können erwachen aus dem Traum des Denkers und Handelnden zur Freiheit des Seins.

 

Hier geht´s zum Video "Zazen für Anfänger - Anleitung für Zen-Meditation"

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Zen Geist - Anfänger Geist

Im Zen wird der so genannte Anfänger Geist als sehr wichtig erachtet. Früher glaubte ich, dass es um die persönliche innere Einstellung des Anfängers geht, der noch keine Konzepte über Zen oder Zazen im Kopf hat.

 

Der Anfänger weiß nichts und kann sich aus diesem Grund auch weniger Illusionen über Zen machen, als der Fortgeschrittene.

 


Heute sage ich, dass es genau umgekehrt ist. Gerade der Anfänger ist angefüllt mit Täuschungen und Illusionen über den Weg und die Lehre des Zen. Meist sind diese Missverständnisse auf falschen oder undeutlichen Aussagen einiger Bücher oder Menschen zurückzuführen.

 

Doch was ist der Anfänger Geist wirklich?

 

Statt Anfänger Geist möchte ich lieber vom Geist am Anfang oder noch besser dem Gewahrsein an der Quelle oder Wurzel sprechen. Warum?

 

Weil mit Anfänger Geist nie der persönliche Ego-Verstand gemeint war. Es geht um den Geist, das Gewahrsein, die Bewusstheit der Quelle, lange bevor die Dinge Namen bekommen haben.

 

Wenn Du während Zazen einen Gedanken beobachtest, der auftaucht und vorüberzieht, dann ist der Anfänger Geist das, was da beobachtet und nicht der Denker selbst.

 

Wenn Du für einen Augenblick den Fokus um 180 Grad drehst und auf Dich selbst richtet, auf das was während Zazen all das kommen und gehen der inneren Phänomene beobachtet, dann scheint da eine Art formloser Raum stiller Zufriedenheit zu existieren. Ist dieser formlose Raum der Anfänger Geist? Nein!

 

Den selbst dieser formlose Raum wird wahrgenommen. Es besteht Gewahrsein über diesen formlosen Raum. Was ist sich all dieser Dinge gewahr, ohne sich selbst jemals gewahr sein zu können?

 

Was kann sich selbst nicht erkennen, da es eins ist? So wie sich ein Messer nicht selbst schneiden kann oder ein Finger sich selbst nicht berühren kann! Das ist was ich Anfänger Geist oder das Gewahrsein an der Quelle allen Gewahrseins nenne.

 

Willst Du Dich selbst ergründen?

 

Dogen Zenji sagte: „Zen zu ergründen bedeutet, dich selbst zu ergründen.“ und genau dazu möchte ich Dich einladen und willkommen heißen.

 

Hier die nächsten Termine zum Zen-Tag oder Zen-Retreat (Sesshin) im neuen Jahr:

 

Zazen Tag / Zen Intensive

4. November 2018 von 9 Uhr bis 18 Uhr

Hier geht´s zur Anmeldung: https://www.heisan-zen.de/veranstaltungen/anmeldung/

 

Zazen Tag / Zen Intensive

2. Dezember 2018 von 9 Uhr bis 18 Uhr

Hier geht´s zur Anmeldung: https://www.heisan-zen.de/veranstaltungen/anmeldung/

 

Frühjahrs-Retreat Nähe Kassel/Göttingen

Anreise Donnerstag, 31.01. ab 15 Uhr

Sesshin von Freitag, 01.02. bis Sonntag, 03.02.

Hier geht´s zur Anmeldung: https://www.heisan-zen.de/veranstaltungen/parimal/

 

Zazen Tag / Zen Intensive

3. März 2019 von 9 Uhr bis 18 Uhr

Hier geht´s zur Anmeldung: https://www.heisan-zen.de/veranstaltungen/anmeldung/

 

Frühjahrs-Retreat Nähe Hamburg

Anreise Donnerstag, 4. April ab 15 Uhr

Sesshin von Freitag, 5. April bis Sonntag, 7. April

Hier geht´s zur Anmeldung: https://www.heisan-zen.de/veranstaltungen/haus-ohlenbusch/

 

Ich freue mich, Dich bei einem der Termine begrüßen zu können und gemeinsam mit Dir zu praktizieren. Neben der Praxis auf dem Kissen liegt mir der Austausch im Mondo besonders am Herzen.

Wie sagte ein weiser Mann einmal:

 

“Worte ohne Praxis sind genauso wenig wert, wie Praxis ohne Worte. Beides führt zu Missverständnissen und Verwirrung.”

 

In diesem Sinne allzeit eine gute Praxis und bis bald.

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Schmerzen während Zazen Teil 2

Grundsätzlich ist es von Mensch zu Mensch und der jeweiligen Situation abhängig, ob Schmerzen während Zazen physisch oder psychisch bedingt sind. Ich selbst habe über Jahre auf Sesshins starke Schmerzen gehabt. Das lag aber vor allem an einem viel zu niedrigen Zafu (Meditationskissen) und einer sehr harten Haltung, da ich den Ausspruch "Sitzen wie ein Berg" missverstanden hatte.

 

Relaxed sterben in Zazen

 

Aber ich habe die Zähne zusammen gebissen und versucht irgendwie durchzuhalten. In einer solchen Situation die Antwort von einem "Meister" zu erhalten die sagt: "Einfach weiter sitzen und die Schmerzen ignorieren." führt doch eher dazu, dass ich nicht nach meiner Haltung oder Zafuhöhe schaue, sondern versuche (!) während Zazen "relaxed zu sterben" wie es manchmal ausgedrückt wird.

 

Doch allein die Idee etwas tun oder machen zu müssen, um die Schmerzen besser aushalten zu können (Zitat Muho, Abt des Antaiji in Japan: "Die Schmerzen sind zwar dann nicht weg, aber sie stören nicht mehr so, weil Du bereit bist zu sterben" https://youtu.be/bk7JRHNX19A) ist fehlerhaft oder kann zumindest zu der Idee führen, dass ich etwas tun kann, damit die Schmerzen nicht mehr spürbar sind bzw. nicht mehr so stören.

 

In meinem Verständnis geht es im Zen nicht darum einen wie auch immer gearteten Sitzdogmatismus zu praktizieren. Es geht nicht darum Grenzerfahrungen zu machen oder sich auf andere Weise in veränderte Bewusstseinszustände zu bringen.

 

Es ist doch so offensichtlich...

 

"Shikantaza - nur sitzen" bedeutet nicht, dass unsere Praxis das stundenlange sitzen auf einem Kissen ist. Shikantaza ist das Koan des Soto-Zen und bedeutet nicht weniger, als einfach nur zu sitzen.

 

Ich bekomme also die Aufgabe "nur zu sitzen". Doch was passiert da...?

 

Ich nehme mir vor nur zu sitzen aber die Lebendigkeit dieses Körpers inklusive der Funktion der inneren Organe, Zellversorgung, Wachtums- und Alterungsprozess funktioniert weiter... all das geschieht ganz ohne mich. Ich muss rein gar nichts tun, damit Lebendigkeit dieses Körpers in diesem Augenblick geschieht.

 

Das ist ziemlich offensichtlich, muss aber trotzdem zu Deiner intimen und ganz vertrauten Erfahrung werden. Es reicht nicht, das zu wissen. Du musst es während Zazen klar erkennen und durchdrungen sein von dieser offensichtlichen Wahrheit. Vielleicht ist zu Beginn der Übung daher die Entwicklung von Konzentration wichtig, vielleicht aber auch nicht. Denn dann kannst Du weiter schauen. Was passiert noch?

 

Obwohl ich mir vornehme wirklich nur zu sitzen geschieht Wahrnehmung über die Sinne. Ich tue rein gar nichts, damit hören geschieht oder sehen...

 

Schallwellen dringen an das Ohr und werden im Gehirn irgendwie von Worten in Sätze und von Tönen in Melodien übertragen ohne dass ich irgendwas mache.

 

Selbst wenn die Augen geschlossen sind geschieht Sehen der Dunkelheit hinter den Lidern. Ich kann nicht nicht sehen. Es ist wie mit dem Herzschlag oder der Verdauung. Es geschieht ganz ohne mich.

 

Fühlen geschieht... das Gefühl auf dem Zazu zu sitzen habe ich nicht gemacht. Das Gefühl der Kleidung auf der Haut habe ich nicht produziert oder hergestellt. Ich muss rein gar nichts tun, damit Wahrnehmung geschieht. Das läuft völlig ohne mich...

 

Was geschieht noch?

 

Jeder der schon einmal längere Zeit Zazen praktiziert hat, kann beobachten, dass Denken geschieht. Ohne dass ich das Geringste zu tun brauche, geschieht von Augenblick zu Augenblick denken. Manchmal mit kurzen oder auch langen Phasen der Stille. Aber spätestens nach Zazen läuft die Kiste da oben wieder an... Und auch Denken geschieht, ohne dass ich das Geringste zu tun brauche.

 

Zugegeben, das Denken ist wohl mit das subtilste Empfinden und im Alltag kann es sich, da wir es über Jahre nicht anders erfahren haben, tatsächlich so anfühlen, als ob ich der Denker wäre.

 

Aber wie machst Du das konkret, wenn Du denkst? Denkst Du vorher darüber nach, welchen Gedanken Du als nächstes denkst? Plane nur mal 5 Minuten Deine Gedanken und dann halte Dich für 5 Minuten genau an die Abfolge der Gedanken, die Du Dir vorgenommen hast.

 

All diese inneren Phänomene, all das taucht im persönlichen Bewusstsein auf und dieser Wandel und die Vergänglichkeit können beobachtet werden. Das persönliche Bewusstsein kann beobachtet werden, genau wie die Lebendigkeit des Körpers, die Wahrnehmungen, die Gefühle und die Gedanken. Doch all das geschieht völlig ohne mich (so wie gerade das Schreiben dieser Zeilen).

 

Auch das Empfinden dieses Körper-Geist-System zu sein, dass scheinbar nur durch die wechselseitige Abhängigkeit geschieht, taucht auf und kann beobachtet werden.

 

Die Frage ist doch: Wer ist dieser Beobachter? Was ist diese letzte Instanz von Gefahrsein, die nicht personifiziert werden kann? Kann der Beobachter sich selbst beobachten?

 

Diese zugleich geheimnisvolle und doch offensichtliche Wahrheit ist für mich das größte Geschenk, dass Dir Zazen machen kann.

 

Doch es nimmt Dir gleichzeitig alles, was Du glaubst erreicht oder verwirklicht zu haben. Denn es warst nie Du, der irgendwas getan hat. Du glaubst Du wärst der Denker und Handelnde... aber bei genauerer Betrachtung durch die Praxis von Shikantaza ist es doch offensichtlich, dass Du nicht dieses Körper-Geist-System sein kannst, oder?

 

Was wäre, wenn die Praxis von Shikantaza als Impuls zu sehen ist, dass Du nicht einmal sitzen machst, aber diese Aufforderung über Jahre falsch weitergegeben worden ist in Form eines "Du sollst ganz viel und ganz intensiv sitzen, damit Du zur Wahrheit durchdringst".

 

Was wäre, wenn Du das ganze Konstrukt Zen mit all den Zeremonien, Gewändern, Traditionen, Räucherwerk und Klimbim in einem Augenblick restlos aufgeben müsstest?

 

Was wäre da bei Dir los?

 

Ich freue mich auf Deine Antwort: info@heisan-zen.de oder in den Kommentaren.

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Schmerzen während Zazen Teil 1

Wohl alle, die schon einmal über einen längeren Zeitraum oder intensiv Zazen praktiziert haben kennen die folgende Situation:

 

Schmerzen in den Knie- oder Hüftgelenken, Verspannungen in den Schultern oder im Rücken.

Meist haben diese Schmerzen mit einer falschen Sitzhaltung, einem zu niedrigen oder zu hohen Zafu oder ähnlichem zu tun.

 

Aber niemals geht es im Zazen darum, Schmerzen auszuhalten oder zu lernen das „Dagegen-ankämpfen“ los zu lassen, um die Schmerzen auf diese Weise zu benutzen um irgendwelche „Erleuchtungserlebnisse“ hervorzurufen.

 

Gestern habe ich mal wieder einen Meister auf diese Weise die Frage eines Schülers beantworten hören und konnte es kaum glauben.

 

Ja, durch diese Form der Praxis können tief spirituelle Erfahrungen ausgelöst werden. Das passiert eben, wenn das Gehirn auf Grund eines andauernden Schmerzes eine gewaltige Ladung Serotonin durch die Blutbahn jagt.

 

„Wenn es um diese Erfahrungen beim Zazen ginge, währe es einfacher Drogen zu nehmen“ sagte Kodo Sawaki in ähnlichen Worten seinerzeit.

 

Und ja, wir sollten nicht auf den kleinsten Schmerzimpuls des Verstandes reagieren, der uns von der eigentlichen Erkenntnis abzulenken versucht.

 

Aber wenn es im ZEN um diese Drogentrip ähnliche Erfahrung gehen würde, hätte dann Buddha bei seiner ersten Predigt seinen Asketenfreunden nicht gesagt:

 

„Hey Leute, ihr müsst einfach so lange sitzen, bis ihr die Schmerzen kaum noch aushalten könnt. Und dann müsst ihr einfach weiter sitzen und „relaxed sterben“ (wie es gestern der Meister ausdrückte) und über den psychologischen Schmerz hinausgehen.“

 

Nein, das hat Buddha nicht gesagt. In seiner ersten Predigt nach seinem eigenen Erwachen sprach er von den 4 edlen Wahrheiten und brachte seine Erkenntnis (nicht seine Erfahrung) damit auf den Punkt:

 

1. Alles bedingte Dasein ist Dukkha (also leidvoll)

 

Hey, einen Moment!? Diese Drogentrip ähnlichen Erfahrungen, hervorgerufen durch Schmerzen in den Knien, die manche Satori oder Kencho nennen, sind durch die intensive Praxis bedingt. Ups, gehören diese Erfahrungen dann vielleicht wie alles andere in die Welt des Samsara?!

 

2. Dukkha hat eine Ursache

 

Und zwar durch Unwissenheit hervorgerufene Tendenzen von Gier und Hass (Anhaftung der Dinge, die der Verstand haben will und Ablehnung der Dinge, die er nicht will). Aber die Unwissenheit bezogen auf unsere wahre Natur, unsere wahre Existenz ist die Grundlage der anderen.

 

3. Ohne Ursache kein Dukkha

 

Geschieht Erkenntnis darüber, dass die Identifikation mit diesem Körper-Geist-System die Grundlage, die Basis aller anderen Identifikationen mit den Sinnen, den Gefühlen, den Gedanken und dem Bewusstsein, ist, geschieht in einem Augenblick Erkenntnis über unsere wahre Natur und die Rückkehr zum Normalzustand wie es Deshimaru nannte oder zum ursprünglichen Geist, zur Quelle unseres Gewahrseins oder zur Wahrheit des Seins, wie ich es nenne.

 

4. Es gibt einen Weg

 

Die letzte der vier edlen Wahrheiten war Buddhas Finte für all diejenigen, die noch im Traum des Denkers und Handelnden irren. Er gab ihnen den edlen achtfachen Pfad, damit ihr Ego-Verstand etwas zu tun hat. In Wirklichkeit aber drehte er nur eine Blume zwischen den Fingern.

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ZEN - Erleuchtung ist vergänglich

Wenn wir an den beiden äußeren Enden bleiben, wie können wir dann das Ganze verstehen? Konzentriert man sich nicht auf das Ursprüngliche, gehen die Vorzüge der beiden äußeren Enden verloren. Wenn wir nur die Existenz anerkennen, fallen wir in diese Existenz. Wenn wir nur ku folgen, wenden wir uns gegen ku. Selbst wenn unsere Worte genau und unsere Gedanken richtig sind, entsprechen sie doch nicht der Wahrheit. Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. Wer Sprache und Denken nicht zurücklassen kann, wie kann der den Weg verstehen?

 

aus dem Hsin Hsin Ming von Seng-ts'an

 

Dienstag, 27. November 2012

 

Der Weg liegt unter Deinen Füßen und nicht unter denen eines anderen. Niemand kann Dir Deinen Weg mit Worten erklären, geschweige denn ihn für Dich gehen.

 

Aber wie gibt man etwas weiter ohne Worte zu benutzen? Wie erreicht man die Menschen? Wie motiviert man sie? Erleuchtung ist möglich, auch wenn man nur wenig darüber aussagen kann. Vielleicht kann man über diesen besonderen Bewusstseinszustand auch überhaupt nicht sprechen, ohne die Menschen, die es noch nicht erfahren haben, zu verwirren.

 

Und ja, es mag sein, dass es Menschen gibt, die dauerhaft in diesem Zustand verweilen, weil sie sich in irgendeine Höhle im Himalaya zurück ziehen und dort von morgens bis abends nur sitzen. Aber das kann es nicht sein, oder?

Erleuchtung ist, meiner bescheidenen Meinung nach, ein Bewusstseinszustand, eine andere Wahrnehmung ein und derselben Wirklichkeit.

 

Alles Bedingte, und dieser Zustand ist bedingt durch Zazen, ist vergänglich und gehört zur Welt der relativen Wirklichkeit. Selbst wenn wir durch diese Erfahrung einen Blick auf die letzte Wirklichkeit werfen können.

 

Das heißt die Erfahrung der Erleuchtung ist genauso Samsara, wie alle anderen Formen in der phänomenalen Welt. Aus der Sicht von Ku, aus dem Blickwinkel der wesenhaften Welt, dem allem zu Grunde liegenden Wesenskern, Leerheit, großem Geist, Tao, Gott etc. ist alles eins und es gibt keine Trennung.

 

So gibt es sowohl Vielheit als auch Einheit in ein und demselben Augenblick. Doch nur eine dieser Betrachtungsweisen für sich zu nehmen ist falsch. Es ist immer, wirklich immer beides gleichzeitig da.

 

So wie die Vorderseite nur mit der Rückseite und die Oberfläche des Meeres nur durch die Tiefe existieren kann. Im Grunde muss aber gesagt werden, dass die Erfahrung des Erwachens meist überschätzt wird.

 

Die Erfahrung an sich ist unbeschreiblich und ihr Ausdruck ist reinste Freude und Glückseligkeit. Aber es ist, zumindest meiner Erfahrung nach und dem ein oder anderen Bericht, den ich darüber lesen durfte, kein bleibender Zustand. Wie auch? Alles ist im stetigen Wandel und bleibender Veränderung.

 

Wie könnte da eine Erfahrung oder ein Zustand wie der der Erleuchtung anhaltend und dauerhaft sein? Die höchste Wahrheit ist dauerhaft und beständig, denn ihr Wesen liegt in der Unbeständigkeit. Durch die Erfahrung und die Gnade des Erwachens verändert sich aber unsere Sichtweise der Welt.

 

Wir erkennen, dass nur durch ein eigenes selbstloses Handeln zum Wohle aller Wesen, wir selbst Frieden und Freiheit erfahren können. Und in dem Begriff „alle Wesen“ sind wir selbst selbstverständlich eingeschlossen.

Die moderne Hirnforschung und das mentale Training bestätigen dies. Hier wird vom „Gesetz der Resonanz“ gesprochen oder wie der Volksmund sagt: „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.“

 

Die drei Gebote buddhistischen Verhaltens lauten: Hör auf Schlechtes zu tun. Tu nur Gutes. Tu Gutes für die Anderen.

 

Es geht mir persönlich nicht mehr darum die Erfahrung des Erwachens zu wiederholen oder tiefere Ebenen dieser Erfahrung kennenzulernen. Dies kommt zur richtigen Zeit und bei richtiger Praxis irgendwann ganz von allein.

Wir können es nicht beeinflussen. Aber mein Verhalten im Alltag, dass den Wesen hilft und mich gleichzeitig glücklicher macht, das kann ich in jedem Augenblick beeinflussen.

 

Ich kann darauf achten, dass mich mein denkender Verstand nicht an der Nase herum führt und mir ein X für ein U verkauft. Die Welt ist wie sie ist. Was ich daraus mache und wie ich die Welt sehe, liegt in meiner eigenen Verantwortung. Ich kann eine Situation als Problem oder als Herausforderung sehen. Beides ist richtig.

 

Aus dem Buch "ZEN - Erleuchtung und andere Missverständnisse" gratis Download auf www.heisan-zen.de

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Warum wir nach Erleuchtung suchen

Die Wahrheit ist wirklich völlig banal und einfach! Wenn Erkenntnis (Erleuchtung) geschehen ist, ändert sich nichts und alles. Weder rennst Du danach dauergrinsend und angstbefreit durch die Gegend, noch wird aus Dir ein Heiliger!

 

Das was erkannt werden kann ist, dass alles was Du für Dich gehalten hast ein Film wie im Kino ist!

 

Du bist der Zuschauer, sitzt in der ersten Reihe, aber der Film Namens "Mein Leben" fasziniert Dich so sehr, dass Du Dich mit dem Hauptdarsteller identifiziert hast! Über die Jahre ist diese Identifikation so stark geworden, das Du einfach vergessen hast, dass Du im Kino sitzt und in Wahrheit nicht der Darsteller bist!

 

Zwei Punkte müssen klar sein:

 

Jedes Ding entsteht aus einem ineinander verwobenen Zusammenspiel aus Ursache und Wirkung! Feuer z. B. kann nicht aus sich selbst heraus brennen... Es braucht Luft und Holz! Ohne Luft und einen Brennstoff kann Feuer nicht existieren. Ein Baum kann nicht aus sich selbst heraus existieren... Er benötigt Wasser, Sonnenstrahlen und einen guten Boden!

 

Du, dieses Körper-Geist-System, existierst nicht aus sich selbst heraus... Dein Körper wurde gezeugt, Dein Verstand konditioniert, Gefühle und Gedanken entstehen und vergehen... Alles hat Ursachen!

 

Die Ursachen haben auch Ursachen! Die Ursachen der Ursachen dieser Ursachen sind auch ursächlich bedingt! Kein Anfang, kein Ende! Ewigkeit!

 

Doch obwohl alles eine Verkettung von Ursachen ist, gibt es etwas, dass nicht ursächlich bedingt ist! Etwas konstantes, unvergängliches, unbewegtes, unentstandenes... die Quelle allen Seins!

 

Alles was entsteht und vergeht, kann nicht die Wahrheit sein! Wer aber nimmt Entstehen und Vergehen wahr? Wer nimmt das kommen und gehen der Gedanken wahr? Kann es etwas anderes sein als Du selbst? Das "ich", als Zusammenspiel von Körper, Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmung und Bewusstsein, für das Du dich gehalten hast, ist nur ein Film, entstehend aus dem Zusammenspiel von Ursache und Wirkung!

 

Der Beobachter ist die Konstante, die sich all der Bewegung, der Vergänglichkeit und des Films namens "Meine Geschichte" gewahr ist!

 

Gleichzeitig kann der Beobachter aber nicht sich selbst beobachten! Er IST! Aber er sieht sich nicht... Alles was wahrgenommen wird, ist deshalb zwangsläufig nicht DAS! Nicht DU!

 

Das war's! Das Leben läuft weiter im freien Fall! So wie vorher auch! Nur ist dieser Drang weg, irgendwas anders oder besser haben zu wollen. Du übergibst Dich voller Vertrauen an das Leben! Nicht mein Wille sondern Dein Wille geschehe! Völliges Loslassen und Geschehen lassen können was da kommt oder nicht kommt!

 

Du lebst nicht mit dieser Wahrheit. Du bist diese Wahrheit! Durch das Erkennen, dass es da kein substanzhaftes, aus sich selbst heraus existierendes Ego gibt, geschieht Auflösung der Identifikation ganz natürlich. Niemand da, der irgendwas löst!

 

Nichts passiert aus dem Ego! Weder vorher noch nachher! Die Illusion besteht darin, dass Du Dich/das Ego für den Handelnden hältst! Aber in Wahrheit geschieht alles von Augenblick zu Augenblick im freien Fall. Vielleicht könnte man sagen, dass alles aus der Quelle selbst heraus geschieht.

 

Der Wunsch ES zu erreichen ist gleichzeitig der Grund damit ES geschehen kann und der Grund warum es nicht geschieht!

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Die Tränen der Erleuchteten

Einst antwortete ein Erleuchteter, als er von einem Schüler gefragt wurde, ob er denn noch Wünsche hätte:

 

"Nein" und lachte 3 Tage lang über die Frage.

Der Schüler erzählte dies seinen Schülern und einer seiner Schüler ging in die Welt und lehrte seinen Schülern: "Ihr dürft nicht wünschen, denn dies ist der Weg zur Erleuchtung."

 

Seitdem verurteilen sich Unmengen von Menschen für ihre Wünsche, reissen sich die Haare einzeln aus und sagen: "Du böser, böser Wunsch, verschwinde!" und schlagen sich die Wünsche aus dem Kopf.

 

Und wenn sie an ihren erschlagenen Wünschen noch nicht gestorben sind und im Kampf gegen das formwandelnde Ego nicht gefallen, dann wundern sie sich wahrscheinlich darüber wie wunschlos unglücklich sie sind.

 

Dann gibt es da aber noch erschwerte Fälle, die sich im Zwiespalt befinden, denn einerseits verurteilen sie sich für die Wünsche, die sie ja nicht haben dürfen, hatten aber das Pech einem Schüler eines anderen Lehrers begegnet zu sein, der ihnen erklärte, dass sie sich keinesfalls verurteilen dürfen, worauf sie sich verurteilen, dass sie sich verurteilen und sich wünschen sich nie etwas gewünscht zu haben, bis sie die Erlösung im "Du musst verzeihen" finden.

 

Und wenn sie das nicht können, dann fühlen sie sich als Versager, unwert zu leben und unwert jeglicher Erleuchtung, bis sie den nächsten Schüler treffen, der ihnen sagt, sie müssten sich lieben, genau so wie sie seien usw.

 

Als ich das Dilemma sah, beschloss ich den Erleuchteten aufzusuchen, ihm eine unvollständige Liste der sogenannten Ge- und Verbote, die ich gesammelt hatte, vorzulegen, um ihn nach der Richtigkeit zu fragen.

 

Schon bei den ersten Worten begann es leise in seinem Gesicht zu zucken, und es schien mir, als bekäme er einen Lachanfall, doch siehe da, er weinte, deutete schluchzend noch auf einen Baum und sagte. "Siehe, ich bin der ich bin."

 

Vom Baum aber fiel in dem Moment ein Apfel mir direkt auf den Kopf. "Strafst du mich nun für meine Fragen, Meister?" fragte ich ihn. Er aber schüttelte nur sein Haupt und weinte noch mehr.

 

Unbekannter Autor

 

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Warum ich Zen praktiziere

Die Antwort auf die Frage "Warum ich Zen praktiziere" ist genau die selbe Antwort wie auf die Frage "Was bringt mir Zen?" In letzter Instanz ging es nie darum, etwas zu erhalten oder durch die Meditation zu erlangen. Vielmehr geht es um die Frage was Zen nimmt und was Dich schlussendlich laut auflachen lässt, da es nie etwas zum festhalten gab. 

 

Natürlich kann man das nach 20 Jahren Zen Praxis leicht sagen. Zunächst fangen wir alle mit Zen an, weil wir etwas erwarten. Der eine sehnt sich nach besserer Gesundheit oder Konzentration, der andere möchte seinem Leben einen spirituellen Anstrich geben. Und wieder andere suchen nach der großen Erleuchtung, wie sie einst Buddha erlebt haben soll. Ich gehörte ganz klar zur letzten Gruppe.

 

Heute nach fast 20 Jahren Zen Praxis auf dem Kissen und im Alltag fällt es mir schwer, mich in die Person hinein zu versetzen, die ich damals war. Ganz klar war, dass irgendetwas in meinem Leben fehlte. Da war so ein unbestimmtes Gefühl von Mangel, dass sich auch im späteren Berufsleben durch materielle Gegenstände oder die Gründung mehrerer Firmen nicht reduzieren ließ. Ganz tief innen drin war ein sehnen nach der Wahrheit, was auch immer das sein soll.

 

Manchmal erinnere ich mich an die Metapher von Gott, der angefangen hat mit sich selbst verstecken zu spielen. Gott hat dieses Spiel so gut gemacht, dass er vergessen hat, dass er nur spielt. Und so hat er sich selbst vergessen. Was ist eigentlich dieses "Ich" von dem wir alle täglich sprechen? Wer oder was hört, wenn draußen die Vögel zwitschern. Wer oder was sieht den Sonnenaufgang? Wer fühlt das Gefühl des Sitzens auf diesem Stuhl, während die Finger über die Tastatur tanzen?

 

Zen ist in erster Linie ein Weg zu uns selbst und lehrt uns einen bewussten und achtsamen Umgang mit dem Leben. Die Verbundenheit durch das göttliche Prinzip des wechselseitigen Entstehens führt zu einem tief empfundenen Frieden und Mitgefühl mit allen Wesen. Doch so wie sich die Augen nicht selbst sehen und nur mit Hilfe eines Spiegels betrachtet werden können, so benötigen wir die stillen Momente der Achtsamkeit, um uns selbst besser kennen zu lernen.

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Was ist ZEN?

Wenn es eine Wahrheit gibt, die für jeden Menschen gilt, dann ist es die Wahrheit, dass wir alle Leiden vermeiden und Zufriedenheit sowie persönliche Erfüllung erhalten wollen.

 

Doch wir alle suchen in Wirklichkeit nach etwas, dass wir nie verloren haben. Denn wie könnte man etwas verlieren, das man selbst ist? Wenn die Illusion „Ich“ durchschaut wird, werden alle leidschaffenden Illusionen durchschaut und der Mensch erkennt sein wahre Natur deren Ausdruck im Körper-Geist-System die alles umfassende Liebe, dauerhafter Frieden und unbegrenzte Freude ist.

 

Alle Vorstellungen davon, dass es da jemanden gibt, der eine freie Wahl hat oder etwas tun muss um glücklich zu sein, verhindern das Erkennen der wahren Natur unseres Seins.

 

Die Frage ist weniger wo Du suchen musst, sondern vielmehr eine Frage von wo aus Du schon immer gesucht hast. Was Du als „Ich“ bezeichnest, ist nur ein gedankliches Konstrukt.

 

Doch so wie der Herzschlag, der Stoffwechsel und die Verdauung von Augenblick zu Augenblick geschehen, ohne das Du etwas tun musst, geschieht auch Denken ganz ohne einen Jemanden, der etwas tut. Diese Erkenntnis ist Befreiung.

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Mumons ZEN Warnungen

Regeln und Vorschriften befolgen heißt, sich selber binden ohne Strick. Spontan und schrankenlos handeln ist teuflisch und ketzerisch. Nur auf das Innere zu achten, um es zu reinigen und in der Stille zu verschwinden, ist das falsche Zen des stummen Leuchtens. Wer ursächliche Zusammenhänge willkürlich ignoriert, gerät in eine tiefe Fallgrube. In der absoluten Klarheit ohne jede Dunkelheit zu verweilen, heißt ein Joch mit Ketten tragen. An Gutes oder Böses denken, heißt in Himmel und Hölle sein. Vorstellungen über Buddha oder Dharma hegen, heißt in zwei eisernen Bergen gefangen sitzen. Des aufkommenden Bewusstseins sofort innewerden, heißt die Geisteskraft verplempern. Im stillen Sitzen bloß Konzentration zu üben, ist Teufelswerk. Wer strebsam vorwärts geht, verfehlt den Kern der Sache. Wer rückwärts geht, veruntreut den Zen-Geist. Wer weder vorwärts noch rückwärts geht, ist ein atmender Leichnam. Nun sagt mir, was ihr tun wollt! Bemüht euch mit letzter Kraft, in diesem Leben vollkommene Erleuchtung zu erlangen! Und bleibt nicht ewig in eurem Unglück hocken!

 

Mumons Zen-Warnungen (Zitat Mumonkan, Kösel Verlag)

 

Welch erheiternde Worte der Warnung

treffsicher und mitten ins Ziel.

Hat der alte Schelm am Ende

doch noch mal Verwirrung gestiftet.

Wer die Oberfläche durchstößt

spricht nicht mehr von Erlangen,

noch von Glück oder Unglück.

 

Hei San

 

"Ein Donnerschlag bei klarem, blauem Himmel.

Alle Wesen auf Erden haben ihre Augen geöffnet.

Aller Welten Dinge haben sich sogleich verneigt.

Und der Berg Sumeru springt auf und tanzt."

 

www.mumon.de

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Was ist das wesentliche Koan des Zen?

Mit dreiundzwanzig Jahren begegnete Wanshi ZEN-Meister Tanka Shijun. Dieser Meister fragte ihn:

 

„Was ist dein wahres Ich vor dem Kalpa der Leere?“ Das bedeutet: Was ist die Essenz deiner Existenz jenseits deines beschränkten Egos?

Diese Frage wurde offensichtlich nicht nur Wanshi gestellt. Sie ist das wesentliche Koan unserer Praxis. Wanshi antwortete:

 

„Ein Frosch am Grund des Brunnens verschluckt den Mond. Um Mitternacht leihe ich keine Laterne aus.“ Tanka schlug ihn, während er erwiderte: „Du sagst, dass du nicht ausleihst?“ Und Wanshi erwachte.

 

Tanka fragte: „Warum sagst du nichts?“ Wanshi antwortete: „Heute habe ich Geld verloren und ich wurde bestraft.“ Tanka schloss: „Ich habe keine Zeit, um dich zu schlagen.“

 

Das bedeutet: Ich brauche dich nicht mehr schlagen. Später erhielt Wanshi das Shiho von Meister Tanka. Er ließ sich im Kloster des Tendo-Bergs nieder, Tendo San, wo Meister Dogen ein Jahrhundert später Meister Nyojo traf.

 

Der Frosch am Grund des Brunnens seid ihr und ich hier und jetzt. Wie kann er den Mond verschlucken?

Logisch betrachtet ist dies nicht möglich, aber wenn wir den Geist aufgeben, der Trennungen schafft, der sich als klein ansieht, wo der Mond doch so groß ist, der sich hier sieht, wo der Mond dort ist, der denkt, dass die Buddha-Natur etwas ganz anderes als man selbst sei, wenn wir diesen Geist aufgeben, dann brauchen wir nicht einmal mehr den Mond verschlucken, wir brauchen ihn nicht ergreifen zu wollen, weil er es ist, der auf uns zu kommt.

 

Jeder muss dies selber realisieren. Selbst wenn wir die Laterne von jemand anderen borgen, muss am Ende jeder selber in der Lage sein, sein eigenes Leben zu erhellen, genauso wie Tokusan, dessen Laterne Ryutan löschte, als er sie ihm zeigte.

 

Obwohl die Essenz des Zen in unserer Zazen-Praxis vollständig enthalten ist, helfen uns das Beispiel und die Unterweisung der alten Meister den wahren Sinn unserer Praxis zu offenbaren.

 

Selbst wenn wir uns zeitweise von ihnen ihre Laternen borgen, haben wir es doch nicht nötig, irgendetwas auszuleihen, wenn wir zur Erfahrung, die sie weitergegeben haben, zurückkehren.

 

Und selbst wenn man Geld verliert, ist man dennoch nicht arm.

 

ZEN-Meister Roland Yuno Rech

 

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Das höchste Ziel

Der Sinn des Lebens

Das höchste Ziel des Menschseins, ist die stille Zufriedenheit des Seins. Was meine ich damit? 

Egal welche Ziele ein Mensch verfolgt, ob es sich dabei um materielle oder spirituelle Ziele handelt, schlussendlich geht es immer nur um eine Sache: 

Er möchte inneren Frieden und Freude erfahren. Nehmen wir zum Beispiel meinen besten Freund, der selbst nicht Zen oder einen ähnlichen spirituellen Weg praktiziert. 

Vor kurzem erzählte er mir, dass er sein Abendstudium zum Betriebswirt beendet und nun in der Firma so richtig Gas geben will. Ich fragte ihn aus welchem Grund er das wolle und ob es ihm, wie allen Menschen, doch schlussendlich nicht um das eine große Ziel des Menschen in Form des inneren Friedens oder der inneren Zufriedenheit gehen würde. 

Er antwortete mir, dass er viel Geld verdienen und reich werden wolle. Ich ließ nicht locker und fragte weiter, warum er viel Geld verdienen und reich werden wolle. So kamen wir von „dann kann ich mir einen teuren Sportwagen leisten“ zu „dann kann ich richtig schnell damit fahren“ zu „das gibt mir einen richtigen Kick“ zu „dann fühle ich mich richtig frei“ zu „Ich möchte Zufriedenheit und Freude erleben“. 

Also, das höchste Ziel eines jeden Menschen ist innere Zufriedenheit. Das phantastische daran ist, dass wir dieser Frieden bereits sind. 

Es ist als wäre die Suche nach diesem Frieden, der wir sind, in unserem System angelegt. Jeder Mensch sucht danach, was er in Wirklichkeit schon ist. 

Es ist, als gehörte diese Sehnsucht zum göttlichen Plan, damit wir alle zurück finden zu dem, was wir schon immer waren. Wie eine Art inneres Navigationssystem, dass uns zurück ruft. 

Doch aus irgendeinem Grund, fing der Verstand an diese Sehnsucht mit allerlei Wünschen zu interpretieren. 

Doch jeder Wunsch, den wir an der Oberfläche wahrnehmen, lässt sich in der Tiefe bis zu dieser Sehnsucht nach Zufriedenheit zurückverfolgen. 

Wenn der Mensch dies erkennt, kann er aufhören, den oberflächlichen Wünschen nachzujagen. Stattdessen reicht es aus, zu erkennen, dass wir schon sind was wir suchen. 

Auf diese Weise können wir das Leben in Gelassenheit, Ruhe und Gleichmut leben. Und sollte uns langweilig werden, können wir noch immer dem ein oder anderen Wunsch hinterherlaufen. Nur so zum Spaß. 

Aus dem Buch "ZEN - Erleuchtung und andere Missverständnisse

Kostenloser Download auf www.heisan-zen.de
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Auf dem Rummelmarkt

Das Karussel (Karl Renz)

 

Willkommen! Willkommen auf dem Jahrmarkt! Wie ich sehe, sitzt du schon auf dem Karussel! Toll, wie du fährst! Du hast einen schnittigen Wagen. Du hast ein Gaspedal. Du kannst sogar bremsen. Aber vor allem hast du ein Lenkrad. Damit kannst du mächtig kurbeln, und das tust du auch. 

 

Komischerweise geht es immer nur im Kreis. Du lenkst nach links und nach rechts und bremst und tust, aber es geht immer nur in eine Richtung.

 

So lenkt dein Ich. Das sogenannte Ego. 

 

Es lenkt nach links, es lenkt nach rechts, und ist nicht immer ganz zufriedenmit dem Ergebnis. "Ich sehe mal nach den anderen", denkt es. "Wie fahren denn die? Wie stellt der da drüben sich an?" 

 

Der legt sich entschieden mehr in die Kurve. Das machst du nun auch. Aber es geht weiter im Kreis. Ab und zu hält das Karussell. Kurze Pause. Die Tibeter nennen es " Bardo". Dann suchst du dir ein anderes Fahrzeug. "Vielleicht nehme ich auch mal das Pferd. Jetzt reite ich mal `ne Ecke. 

 

Wahrscheinlich ist das meine Bestimmung!" Sehr klug von dir. Oder richtig weise: Du nimmst den kleinen Roller, weil du nach all den ermüdenden Runden voller Demut und Bescheidenheit bist. 

 

Ja, dein Ich ist bei all der Kurbelei mächtig gereift. Und wenn du mal zufällig in die gleiche Richtung lenkst, wie das Karussell fährt, kannst du endlich triumphieren: "Wow, das habe ich aber gut gemacht! Ich glaube, jetzt habe ich es raus!" 

 

Nun hast du entdeckt, wie die ganze Sache funktioniert. "Ich habe voll die Kontrolle, seht mal her!" Du befindest dich in Harmonie mit dem Kosmos, in Übereinstimmung mit der Schöpfung. Ein derartig stimmiges Ich lenkt genau so, wie das Karussell fährt. "Seht doch mal, wie ich lenken kann! Das ganze Karussell bewegt sich, weil ich so lenke! Hier, ich, hierher sehen!" 

 

Wenn du die Kunst so unvergleichlich beherrscht, kannst du sogar den anderen sagen, wie sie fahren müssen. "So müßt ihr`s machen! Wie ich!" Jetzt bist du ein voll erwachter Fahrer. "Ihm nach", rufen ein paar andere begeistert. Am besten, du übernimmst gleich den Bus: "Alle bei mir einsteigen und hinter mich setzen! Ich bin eins mit dem Karussell!" 

 

Dann bist du ein Guru. Wenn du mehr im Stillen wirken willst, kannst du natürlich auch andere wichtige Aufgaben übernehmen, zum Beispiel das Feuerwehrauto fahren. Oder den Krankenwagen. Oder du fährst einfach hinter dem Krankenwagen her, sicherheitshalber.

 

Wichtig bei alledem ist nur, daß du den Überblick behältst. Dass du im richtigen Moment Gas gibst und im richtigen Moment bremst. Und vor allem, dass du mit größtem Gechick lenkst. 

 

Das hilft allen. So hältst du nicht nur dein Fahrzeug perfekt auf dem Weg. Du trägst zur gelungenen Fahrt des gesamten Karussells bei! Wenn nur jeder so fahren würde! Du hast alles im Griff.

 

Bis du einmal versehentlich den Lenker loslässt. Nanu! Jetzt wunderst du dich. Es geht ja auch von allein! Das Ding fährt von selbst! Stimmt. 

 

Es fährt selbst. Das Selbst fährt. Du brauchst dich nicht anzustrengen. Du kannst dich zurücklehnen und genießen.

Es geht immer direkt ins Glück.

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Hannya Shingyo Teil 6

Der letzte Abschnitt des Hannya Shingyo beschreibt, wie wichtig diese Lehre für den Suchenden ist und wie sie angewendet wird: 

 

„Man muss daher verstehen, dass diese Weisheit die große universale Lehre ist, die große, glänzende, höchste und unübertreffliche aller Lehren, die unvergleichliche Lehre, die alles Leiden beendet, denn in der echten Wahrheit gibt es keinen Irrtum. Und deshalb besagt die Lehre von der Höchsten Weisheit: “Lasst uns darüber hinaus gehen, alle gemeinsam, darüber hinaus und noch jenseits des Darüber-Hinaus, an das Ufer des Satori.” 

 

Wie wird jemand zum Suchenden? In unserer Kindheit leben und spielen wir von Augenblick zu Augenblick. Es gibt keine Gedanken, die uns beeinflussen oder hindern! Die Identifikation mit dem denkenden Verstand, hat sich noch nicht so verfestigt. 

 

Wenn wir Hunger haben schreien wir, wenn wir spielen, spielen wir. Es besteht nicht die Notwendigkeit nach irgendetwas zu suchen, da wir in der natürlichen Nicht-Getrenntheit leben. 

 

Dann irgendwann erkennen wir in unserer Bezugsperson, im Regelfall Mutter und Vater, ein anderes Individuum und erkennen uns selbst plötzlich als getrennt von allem anderen. 

 

Aus dieser Erkenntnis entwickelt sich das scheinbare Ego, das verletzt werden kann und das beschützt werden muss. Wir handeln plötzlich im Begreifen von „Ich“ und „Mein“ und die leidvolle Täuschung in Form der Identifikation beginnt. 

Je älter wir werden, desto stärker wird das Gefühl getrennt zu sein und diesen „Jemand“, für den wir uns halten, beschützen zu müssen. 

 

Doch diese Illusion der Trennung muss zwangsläufig Leiden nach sich ziehen. Denn selbst wenn es uns so richtig gut geht, wollen wir diesen Zustand behalten und haben unterschwellig Angst das positive Gefühl, den Partner oder was auch immer, wieder zu verlieren. 

 

So begeben wir uns auf die Suche nach der Einheit. Zunächst vielleicht noch im materiellen oder immateriellen Bereich, wie zum Beispiel ein teures Auto oder Erfolg im Beruf. 

 

Doch wenn wir erkennen, dass uns diese Dinge niemals dauerhaft befriedigen können, suchen wir im religiösen, esoterischen oder spirituellen Bereich nach der Lösung für das Leiden, das darin besteht, dass wir uns getrennt fühlen. 

Doch erkennen viele Menschen das Leiden gar nicht als Leiden. Sie haben aufgegeben und denken, dass das leidvolle und unbefriedigende Dasein nun einmal das Leben ist. 

 

Es gibt aber einige wenige, die sich damit nicht zufrieden geben wollen und einen Weg suchen, dauerhaften Frieden, den sie glauben verloren zu haben, wieder zu finden. 

 

Aber: dieser Frieden und die freudige Gelassenheit sind immer gegenwärtig. Wenn wir aufhören zu suchen, zeigen sie sich ganz von allein als unsere wahre Natur. 

 

Ganz still und leise sind sie, weshalb wir sie im Alltag, durch die uns umgebenden Ablenkungen, völlig überhören. Jedoch kann uns der konditionierte Verstand, mit all seinen Vorstellungen, Meinungen und Denkgewohnheiten, nicht helfen unser wahres Selbst zu finden! 

 

Denn die Identifikation mit diesem, sich verselbständigendem Ego-Verstand, ist es ja gerade, die uns in der Trennung und damit im Leiden hält. So sagt das Mantra oder die Affirmation am Ende dieses Textes: „Lasst uns darüber hinaus gehen, alle gemeinsam, darüber hinaus und noch jenseits des Darüber-Hinaus, an das Ufer des Satori.” 

 

Wir müssen über alle Erkenntnisse, die wir glauben gemacht zu haben, hinaus gehen, um das Satori zu verwirklichen. Sobald wir glauben etwas verstanden zu haben, können wir mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass es „das“ nicht ist! 

 

Erst wenn wir erkennen, dass es da kein Gefängnis und rein gar nichts zum festhalten gibt, geschieht Loslassen ganz von allein. 

 

Wir gehen an das Ufer des Satori, da wir von da an einfach mit dem Fluss der Leerheit und des Satori mit fließen. Wir können aufhören zu tun und zu machen und die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lassen. 

 

Selbstverständlich heißt das nicht, sich nicht zu engagieren oder sein Mitgefühl mit allen Wesen auszudrücken. Der nihilistische Gedanke „Dann hat ja alles gar keinen Sinn!“ ist nur ein vom Ego-Verstand produzierter Gedanke und hat mit unserem wahren Sein nichts zu tun. 

 

Wir müssen darüber hinaus gehen und erkennen, dass wir, egal wer wir sind, unseren Platz in diesem göttlichen Spiel haben. Wir müssen endlich ganz und gar erwachsen und selbstständig werden und mit Hilfe unserer Intuition uns dem Leben völlig anvertrauen. 

 

Wir springen in den Fluss des Satori und es bleibt kein „Jemand“ mehr übrig, der etwas für sich selbst tut. Alles geschieht, wenn es geschieht, weil es geschieht. Es gibt nichts zu tun und niemanden der etwas tun könnte. Und doch gibt es die scheinbare Sebstverantwortung und das Mitgefühl mit allen Wesen, die durch die Illusion und Täuschung noch in Ihrem Leiden gefangen sind. 

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Ein Zen Gedicht

Der Erfahrung der höchsten Wahrheit anzuhaften oder die Identifikation mit der durchschauten Täuschung aufrecht zu halten, beides führt zu Illusion und Leiden. 

 

Den Verstand mit dem Verstand verstehen zu wollen ist wie der Versuch, Feuer mit Feuer zu löschen oder das Meer mit Wasser zu trocknen.

 

Das Messer kann sich selbst nicht schneiden und die Waage sich selbst nicht wiegen. Doch die Augen können sich selbst in einem Spiegel sehen und erkennen. 

 

Ryokan schrieb keine Gedichte, Dogen kam von China nie zurück. Geleitet durch das Unbeschreibare, geht jedes Phänomen seinen Weg. 

 

Die Pflaume ist vom Baum gefallen, da sie schon lange reif war. Aber die Verbundenheit mit den Wurzeln bleibt bestehen. 

 

Der Fluss des Lebens verzweigt sich in viele Nebenflüsse bis er ins Meer fließt. Aber die reine Quelle strömt im ewigen Augenblick. 

 

Kehre zurück zur Quelle und lass Dich nicht von Bächen und Tümpeln in die Irre führen. Bedenke die Wurzel, wenn

im Herbst die Blätter von den Zweigen fallen. 

 

Wenn auch nur einer unter Tausend die Tiefe hinter den Worten versteht, sind die Verdienste unermesslich. Wenn sich nur einer befreit, sind alle Wesen frei. 

 

Der Weg des Zen, ist ein Weg zu Dir selbst

 

Die Erfahrung der höchsten Wahrheit ist das Erkennen, dass es so etwas wie ein aus sich selbst heraus existierendes „Ich“ nicht gibt. Es gibt Gedanken, Gefühle und Wahrnehmung, aber all diese Dinge geschehen, wie die Verdauung und der Herzschlag, ganz ohne ein „Ich“, das etwas tun müsste damit es geschieht. 

 

Wenn wir uns aber nach einer solchen Erfahrung wieder auf das Spiel der Gedanken einlassen, findet erneut eine Identifikation mit dem Ego-Verstand statt. Wir können niemals wissen was wir sind. Wir können nur tief erfahren, was wir nicht sind. 

 

Die Identifikation mit dem Ego-Verstand und diesem Körper-Geist-System ist die Wurzel aller Täuschung. Das was wir sind, ist die Quelle des Sein, der Stille Beobachter hinter allem Wandel. Doch kann sich Gewahrsein nicht selbst gewahr sein, so wie sich ein Messer nicht selbst schneiden kann, weil es eins ist.

 

Ryokan war ein berühmter Zen-Meister, dessen Gedichte auch schon zu Lebzeiten hoch geachtet und anerkannt waren. Zen-Meister Dogen war es, der im Jahr 1227 von Japan nach China reiste, um den wahren Buddhismus zu suchen. Dort stieß er auf das Chan, das nach seiner Rückkehr nach Japan, den Namen Zen bekam. 

 

Doch das gehört zur Ebene der relativen Wirklichkeit, in der die Dinge getrennt und unterschiedlich zu sein scheinen, der Ebene von Shiki. 

 

Aus der Sicht der höchsten Wahrheit, aus der Sicht von Ku, geschehen alle Dinge nur durch wechselseitige Abhängigkeit und es gab niemanden, der Gedichte schrieb oder eine Reise nach China unternommen hat. 

 

Das ganze Universum hat Anteil an den Gedichten Ryokans und der gesamte Kosmos begab sich auf eine Reise. Vom Standpunkt der höchsten Weisheit aus gesehen, gibt es keine Trennung. 

 

So kann auch die Pflaume niemals die Verbundenheit mit der wahren Wurzel allen Seins verlieren. Die Pflaume fällt vom Baum, wenn die Zeit dafür reif ist. Die Reife der Pflaume zeigt sich in Ihrer ewigen Vollkommenheit. 

 

In der Einleitung zu diesem kleinen Büchlein, bin ich bereits auf die Geschichte von Baso und Daibai eingegangen. „Die Pflaume ist reif!“ bedeutet, dass Daibai sein wahres Wesen geschaut und die Identifikation mit der Täuschung aufgegeben hat. 

 

Er hat seine eigene Natur gefunden und selbst wenn sein Lehrer seine Lehre ändert, bleibt Daibai bei der von ihm erkannten Wahrheit seines eigenen Wesens. 

 

Diese Wesensnatur, ist das Wesen aller Menschen. Es gibt in jedem Phänomen den Aspekt von Form und Wesens. Ein Fluss kann viele verschiedene Formen annehmen bevor er ins Meer fließt: mal fließt er schnell, mal fließt er langsam, mal rechts herum, dann links herum, mal breit, mal schmal. Doch sein Wesen ist das Wasser. 

 

Das Wesen des Wassers ist Leerheit. Das ist die reine Quelle von der alles ausgeht. Zu dieser Quelle zurück zu kehren bedeutet, die Nebenflüsse, Tümpel und Bäche als den Ausdruck der Quelle, aber nicht als die Quelle selbst zu erkennen. 

 

Und doch gibt es keine Trennung zwischen Quelle und Fluss, zwischen Fluss und Wolken, zwischen Wolken und Regen usw. Wer zu dieser Erkenntnis durchdringt, sieht die Welt mit anderen Augen. 

 

Es ist ihm nicht mehr möglich, nicht in allem was ist, Gott zu erkennen. Selbst in den Dingen, die unser Verstand nicht mag und ablehnt, erkennen wir die eine höchste Wahrheit des Seins. 

 

Wir erkennen die Wurzel allen Seins in dem göttlichen Prinzip der Leerheit. Im Zen sagt man, dass nur einer unter Tausend Schülern das Erwachen verwirklichen kann. 

 

Das liegt vermutlich daran, dass nur einer unter Tausend die tiefe Sehnsucht nach wirklicher Befreiung in sich trägt. 

 

Wer wirklich frei sein will und bereit ist dafür zu sterben, wird die Erleuchtung verwirklichen. Aber was stirbt, ist die Identifikation mit etwas, das wir nicht sind und nie waren. 

 

Was stirbt ist die Illusion unseres Verstandes, irgendetwas tun zu müssen, um tiefen Frieden und stille Freude zu erfahren. Wenn einer unter Tausend erwacht, bedeutet das aber auch, dass der Weg weiter gegeben wird wie es schon seit über 2.500 Jahren geschieht. 

 

Aus diesem Grund jubelt das Universum wenn ein Mensch das Erwachen verwirklicht und bereit ist, es mit allen Wesen zu teilen. Das Erwachen geschieht niemals allein. 

 

Gemeinsam mit allen Wesen verwirklichte Buddha das Erwachen als er den Morgenstern erblickte. Das Gefühl des unbegrenzten Friedens und der Solidarität mit allem was ist, ist der Ausdruck unseres wahren Wesens, auf der Ebene der relativen Wirklichkeit. 

 

Aber wir dürfen diesen Ausdruck nicht mit unserem wahren Selbst verwechseln und anfangen uns an diesen Frieden zu klammern. 

 

Wir müssen ein für allemal erkennen, dass wir diesen Frieden niemals erlangen können. Denn wir sind bereits dieser Frieden. Es gibt nicht uns und diesen formlosen Raum des Friedens, in den wir eintauchen. Wir sind dieser Raum unbegrenzten Friedens. Wir können diesen Frieden niemals verlieren, weil wir selbst dieser Frieden sind! 

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Hannya Shingyo Teil 5

Im fünften Teil des Hannya Shingyo geht es nicht um das Ziel der Praxis, sondern darum, was hier und jetzt innerhalb der Praxis verwirklicht werden kann: 

 

 

„Dank dieser Weisheit, die über all dies hinausführt, gibt es für den Bodhisattva weder Angst noch Furcht. Alle Illusionen und jegliches Haften und Festhalten sind beseitigt, und er kann das höchste Ziel des Lebens, das Nirvana, erreichen. 

 

Alle Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erlangen durch diese Lehre das Verständnis der höchsten Weisheit, das höchste Satori.“ 

 

Der Mensch, als Gefangener seiner Illusion, ein von den anderen getrenntes und unabhängiges „Ich“ zu sein, verliert jede Angst vor seiner Vergänglichkeit und erkennt sein wahres Selbst, das ungeboren und unsterblich ist. 

 

Wer könnte etwas gewinnen oder verlieren, wenn das vermeintliche „Ich“ nur eine Täuschung ist? Das nicht mehr Anhaften müssen an angenehmen und das Ablehnen von unangenehmen Umständen, führt zur Freiheit gegenüber dem Ego-Verstand mit dem wir uns identifizieren. 

 

Buddha ist, wer diese Wahrheit erkannt und im Leben integriert hat. Alle Buddhas erfahren das Erwachen durch diese, im Grunde simple Erkenntnis. 

 

Doch bis zu diesem Erwachen, bleibt die Wahrheit komplex und paradox, da der Ego-Verstand versucht, sie in ein Konzept zu packen. 

 

Doch wir sind nicht der Ego-Verstand. Das was wir sind, können wir allerdings auch nicht wahrnehmen und müssen es auch nicht. Denn das Messer kann sich selbst nicht schneiden und eine Waage nicht ihr eigenes Gewicht wiegen. 

 

Die Augen aber, die alle möglichen Dinge sehen können außer sich selbst, können sich in einem Spiegel sehen und erkennen. 

 

Dieser Spiegel ist, für unser Bewusstwerden über die wirkliche Natur der Dinge, die stille Praxis der Achtsamkeit wie sie seit 2500 Jahren von Meister zu Schüler, von Mensch zu Mensch und von Herz zu Herz weitergegeben wird. 

 

Aus dem Buch „Der Geschmack des Schattens einer Pflaume“

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Wie wir Leiden transformieren

Warum leiden wir?

 

Wenn hier von Leiden gesprochen wird, ist nicht die Rede von Schmerzen oder Krankheit. 

 

Buddha sprach vom Leiden als einem Zustand, indem wir getrennt sind von dem was wir wollen oder vereint sind mit dem was wir nicht wollen. 

 

Er nannte die drei Geistesgifte "Gier, Hass und Verblendung" als Ursache des Leidens. Im übertragenen Sinne Anhaftung an das, was wir wollen, Ablehnung von dem, was wir nicht wollen und die Identifikation mit dem Körper-Geist-System als Grundlage der erstgenannten.

 

Woran wir aber in Wahrheit leiden ist nicht die Sache an sich. Es ist immer nur die Idee oder Vorstellung, dass die Situation, der körperliche oder geistige Zustand in dem wir uns befinden anders, schöner, irgendwie besser sein sollte, als er ist. 

 

Durch die Spannung zwischen dem wie es ist und der Vorstellung des Ego-Verstandes wie es sein sollte, entsteht Leiden. Könnten wir die Vorstellung wie es sein sollte, ja wie es sein müsste, für einen Augenblick fallen lassen, ist da keine Spannung mehr. 

 

Ohne diese Spannung wären wir in Frieden mit dem Augenblick - einfach wirklich eins mit dem Augenblick Hier-Jetzt.

 

Die meisten Menschen verbringen ihr Leben im Leiden. In permanenter Spannung zwischen dem was ist und dem was sein könnte.

 

Da wir uns, und oft ausschließlich, für den Ego-Verstand halten, völlig identifiziert sind, sind es "meine" Ideen, "meine" Vorstellungen von richtig und falsch, "meine" gedanklichen Konzepte wie die Welt zu sein hat.

 

Wenn sich die Identifikation mit dem Ego-Verstand aufzulösen beginnt, zum Beispiel durch die Praxis von Zazen, lösen sich auch die gedanklichen Konzepte auf.

 

Sie erhalten keine Macht mehr, werden als Illusion erkannt und es kann wahre Freiheit verwirklicht werden oder besser:

 

Freiheit verwirklicht sich selbst!

 

Das Selbst erwacht zu sich Selbst und sieht die Welt, vielleicht zum ersten Mal, wie sie wirklich ist. 

 

Nicht dass wir als Person dann keine Schmerzen mehr wahrnehmen, Gefühle von Wut, Angst oder Trauer erfahren würden. Aber die Identifikation ist vorüber und so bleibt Wut Wut und Angst Angst.

 

Es ist nicht mehr "meine Wut". Ich ergreife das Gefühl nicht, ich verdränge das Gefühl nicht und so wird alles einfacher, leichter und friedvoll.

 

Leiden zieht vorüber wie Wolken am Himmel. Den Himmel stört es nicht, ob da viele Wolken oder wenige Wolken da sind. Der Himmel, völlig unberührt, bleibt immer nur der Himmel.

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Hannya Shingyo Teil 4

Der Text geht weiter mit einer Reihe von Verneinungen: „Dort gibt es weder Wissen noch Unwissenheit, weder Illusion noch Auslöschung der Illusion, kein Altern, kein Tod, noch die Beseitigung von Altern und Tod, keine Ursache des Leidens, keine Auslöschung des Leidens, es gibt dort weder Erkenntnis noch Gewinn, noch Nicht-Gewinn.“

 

Buddha erklärte in seiner ersten Predigt, dass es vier Wahrheiten gibt, die er durch seine Erfahrung des Erwachens tief verstanden hatte. Dies sind „Die Wahrheit vom Leiden“ bezogen auf die Vergänglichkeit aller Existenzen in Form von Krankheit, Alter und Tod. Das Leiden bezieht sich aber auch auf alle Ereignisse die wir ablehnen und das getrennt Sein von dem, was wir lieben und behalten wollen. Eben auf die sich ständig verändernde Welt der Phänomene im Inneren und im Äußeren.

 

Die zweite Wahrheit bezieht sich auf die Ursache des Leides in Form von Unwissenheit. Die Unwissenheit und die damit verbundene Identifikation mit der Illusion eines „ich“ und dem daraus entstehenden Anhaften oder Ablehnen von bestimmten Ereignissen verursacht Leiden. Buddha nannte dies die drei Geistesgifte: Unwissenheit, Gier und Hass, also Anhaftung und Ablehnung.

 

In der dritten Wahrheit macht er darauf aufmerksam, dass wenn die Ursachen für das Leiden verschwinden, folglich auch das Leiden verschwindet. Mit dieser Wahrheit ließ er alle erkennen, dass es möglich ist, einen dauerhaften vom Leiden befreiten Zustand zu erreichen bzw. das schon immer vorhanden sein dieses Zustands zu verwirklichen. Er nannte dies Nirvana, was so viel wie „erlöschen“ bedeutet. Erlöschen der Illusion eines „Jemanden“, der irgendetwas erreichen oder erhalten muss, um glücklich zu sein.

 

Er erklärte in der vierten Wahrheit, dass es einen Weg gibt, der zum Erlöschen und damit zu einem bedingungslosen Verweilen in Freiheit vom Leiden, freudiger Gelassenheit und Ruhe führt.

 

Der oben genannte Textausschnitt bezieht sich auf diese vier edlen Wahrheiten und besagt, dass es in der undefinierbaren Leerheit diese vier Wahrheiten nicht gibt. Er verneint also die erste Predigt Buddhas und lehnt eine Erklärung durch Worte schlichtweg ab. Die höchste Wahrheit kann nicht mit Worten ausgedrückt oder durch den autonomen Verstand geklärt werden. Es ist die reine Erfahrung der Tatsache, dass es so etwas wie ein aus sich selbst heraus existierendes „ich“ nicht gibt.

 

Es gab nie einen „Jemanden“ der die Erfahrung der Erleuchtung gemacht hat. Aus diesem Grund rief Buddha bei seinem Erwachen aus: „Ich habe das Erwachen gemeinsam mit allen Wesen verwirklicht!“ und drehte bei seiner Predigt am Geierberg lediglich eine Blume zwischen seinen Fingern. Das war die eine unaussagbare Wahrheit des Augenblicks.

 

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Hannya Shingyo Teil 3

Wenn Du die ersten zwei Teile noch nicht gelesen hast, dann schau einfach hier auf der Seite oder in meinem Blog.

 

Der nächste Absatz beschäftigt sich damit, was Leerheit nicht ist und lautet wie folgt: „Sariputra, alles Dasein ist seinem Wesen nach leer, es gibt in ihm weder Geburt noch Vergehen, weder Reinheit noch Beschmutzung, weder Zunahme noch Abnahme. Daher gibt es in der Leerheit keine Form und keine Erscheinungen, nicht Augen noch Ohren, noch Nase, Zunge, Körper oder Bewusstsein, keine Farben, Töne, Gerüche, keinen Geschmack, nichts zu tasten, nichts zu denken.“

 

Es spricht weiterhin Avalokiteshvara zu Sariputra, also das Herz zum Verstand oder anders ausgedrückt das Mitgefühl und die Weisheit zum Intellekt und zum Wissen. Wenn alles leer von aus sich selbst heraus existierendem Sein ist, dann gibt es keine Ursache wie die Geburt, für das Dasein eines Kindes, sondern die Ursachen, die zu dieser Geburt geführt haben und die Ursachen dieser Ursachen beinhalten bereits das Potenzial des Kindes. Wenn wir die Ursache der Ursache zurückverfolgen kommen mir nirgendwo an! Das ist, was in diesem Text als Leerheit bezeichnet wird.

 

Aus diesem Grund gibt es innerhalb des Prinzips der Leerheit, also aus der Sicht der höchsten Weisheit, keine Geburt und keinen Tod. Da es kein aus sich selbst heraus existierendes „Ich“ gibt und die Dinge nur durch wechselseitige Abhängigkeit entstehen, gibt es keine Geburt, kein Werden und kein Vergehen. Mit „Reinheit noch Beschmutzung“ ist gemeint, dass es von diesem Blickwinkel aus kein richtig oder falsch gibt. Im Augenblick hier und jetzt, und das ist die einzige Wirklichkeit die real ist, entstehen die Erscheinungen und Phänomene durch ein Zusammenspiel verschiedenster Faktoren und Einflüsse. Jeder Augenblick ist vollkommen. Lediglich der unterscheidende und beurteilende Verstand erzählt uns eine Geschichte über falsch und richtig, bezogen auf unsere Konditionierungen und angelernten Denkmuster.

 

Alles ist in jedem Augenblick vollkommen! Mit „weder Zunahmen noch Abnahme“ ist gemeint, dass niemals etwas verloren geht. Es ist immer nur eine Umwandlung von einem zum anderen. Dies bestätigt die moderne Physik übrigens ebenfalls. Alles ist in Veränderung, aber dadurch wird das Universum nicht mehr oder weniger. Die Oberfläche des Ozeans ist ständig in Bewegung und es gibt kleine und größere Wellen. Aber der Ozean nimmt dadurch nicht zu oder ab.

 

Der Text führt weiter an, dass es, aus vorher genannten Gründen, in der Leerheit keine Formen und keine Erscheinungen gibt. Was wir als unabhängig und aus sich selbst heraus existierend wahrnehmen, ist im Grunde eine Illusion des Bewusstseins und nicht die Wirklichkeit. Ab hier kommen wir an einen Punkt, der nur durch die eigene Erfahrung des Erwachens tief verstanden werden kann. Aber, und darauf geht der Text weiter ein, gibt es innerhalb dieser Erfahrung niemanden der die Erfahrung macht. Es gibt nur die Erfahrung der Leerheit, die nicht mit den Sinnesorganen (Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper oder Bewusstsein) erfahren werden kann und in der es die Sinnesobjekte (Farben, Töne, Gerüche, Formen oder Gedanken) nicht gibt. In dem Augenblick, wenn die Identifikation mit dem Körper, den Gedanken, dem Empfinden, der Wahrnehmung und dem Bewusstsein aufhört, erscheint die Wahrheit, die nie verborgen war. Das ist das offensichtliche Geheimnis. Das ist die Wahrheit des Seins.

 

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Hannya Shingyo Teil 2

Der nächste Abschnitt dieses Textes lautet: “Sariputra, die Erscheinungen sind nicht verschieden von Leerheit, und Leerheit ist nicht verschieden von den Erscheinungen. Die Erscheinungen sind Leerheit und Leerheit ist Erscheinung, und auch Empfindung, Wahrnehmung, Denken und Bewusstsein sind Erscheinung.”

 

Im Gegensatz zu Avalokiteshvara, ist die Existenz Sariputras, der einer der beiden Hauptschüler Buddhas war, geschichtlich belegt. Sariputra wurde, auf Grund seines herausragenden Verstandes und seiner intellektuellen Fähigkeiten sowohl vom Buddha selbst, als auch von den anderen Schülern, sehr geschätzt. So verkörpert Avalokiteshvara im Hannya Shingyo das Mitgefühl und Sariputra den Verstand oder Intellekt. Jede spirituelle Reise ist immer auch eine Reise vom Kopf zum Herzen bzw. zum Bauch. Oder anders ausgedrückt vom Denken zur Intuition und vom Wissen zur Weisheit!

 

Das oben genannte Wort „Erscheinungen“ wird oft auch als Phänomene, Formen oder Körper übersetzt. Es handelt sich dabei um alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge die auftauchen und wieder verschwinden. Eben um alle Erscheinungen, die wahrgenommen werden können. In diesem Textabschnitt sagt Avalokiteshvara, als die Manifestation des Mitgefühls und der Weisheit, zu Sariputra, also dem denkenden Verstand, dass all diese Erscheinungen ihrem Wesen nach nur Leerheit sind. Gleichzeitig ist die Leerheit aber auch alle Erscheinungen. Es ist wie mit einem Blatt Papier: Ohne die Vorderseite kann die Rückseite nicht existieren. Ohne die Wasseroberfläche gibt es keine Tiefe.

 

Was aber ist die Leerheit, die selbst von vielen Buddhisten als Nichts verstanden wird? Bei dem Begriff der Leerheit handelt es sich um ein universelles Prinzip, dass durch die regelmäßige Praxis der stillen Meditation erfahren und tief verinnerlicht werden kann. Es ist das Prinzip des Entstehens in wechselseitiger Abhängigkeit, dass alle Erscheinungen entstehen und vergehen lässt. Es ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Alle Dinge erscheinen auf Grund der Ursache von anderen Dingen, die wiederum nicht aus sich selbst heraus entstanden sind. Nichts in diesem Universum entsteht aus sich selbst heraus. Leerheit bedeutet zum Beispiel, das Feuer nicht existieren kann ohne Sauerstoff und einen Brennstoff wie Holz. Jedoch entstehen Sauerstoff und Holz ebenfalls nicht aus sich selbst heraus. Holz benötigt einen Baum. Ein Baum benötigt Regen, Sonnenschein und einen guten Nährboden. Es benötigt Arbeiter, die den Baum fällen. Vielleicht benötigt es Transportmittel um das Holz zu transportieren. Wenn wir die Dinge auf diese Weise sehen und wahrnehmen, können wir das gesamte Universum in einem einzigen Regentropfen erkennen! Anstatt dieses Prinzip durch das Wort „Leerheit“ zu substantivieren, sollte man eher davon sprechen, dass die Dinge leer von Eigenexistenz sind. Sie sind leer von einem aus sich selbst heraus existierendem Sein. Und somit sind alle Erscheinungen Leerheit und die Leerheit gleichzeitig alle Erscheinungen.

 

Dieses universelle Prinzip trifft aber nicht nur auf die Erscheinungen im Außen zu. Wenn wir uns selbst genau betrachten und in der Meditation hinterfragen, was wir den eigentlich meinen, wenn wir von einem „ich“ sprechen, werden wir feststellen, dass auch Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken und Bewusstsein im ständigen Wandel und leer von unabhängiger Existenz sind. In diesem Sinne gibt es kein „ich“, das aus sich selbst heraus und unabhängig von allem anderen existiert. Das ist die größte Weisheit und gleichzeitig die Einfachheit im transformieren allen Leidens!

 

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Hannya Shingyo Teil 1

 „Der Bodhisattva des großen Mitgefühls übt sich tief und gründlich in der höchsten Weisheit und versteht so, dass der Körper sowie alle Erscheinungen nur Leerheit sind und durch diese Erkenntnis befreit er sich von allem Leiden.“

 

Der Bodhisattva des großen Mitgefühls ist Avalokiteshvara. Bodhisattvas repräsentieren in der indischen, chinesischen bzw. japanischen Zen-Mythologie Wesen, die bestimmte menschliche Fähigkeiten zur Vollkommenheit entwickelt haben. Avalokiteshvara steht für die Fähigkeit des Mitgefühls mit allen Wesen, unabhängig Ihrer Herkunft, Ihres Standes oder Ihrer Lebensart. Im ersten Satz dieses Sutras wird im Grunde das gesamte Sutra erklärt: übe Dich tief in der höchsten Weisheit, dem einfachen “Im-Augenblick-Sein”, ohne Dich von den Erscheinungen wie zum Beispiel den Gedanken mitreißen zu lassen. Sei ganz präsent im Augenblick hier und jetzt, egal ob Du sitzt, gehst oder stehst, bei all Deinen Tätigkeiten.

 

Durch dieses Üben kannst Du erkennen, dass alles unablässig und ganz von allein auftaucht und verschwindet. Gedanken, Gefühle, Wahrnehmung, Bewusstsein und sogar der Körper, sind von einem höheren Blickwinkel aus betrachtet, lediglich Erscheinungen im Augenblick. Sie tauchen auf und verschwinden unablässig, je nachdem mit welchem zeitlichen Rahmen sie betrachtet werden. Selbst ein massiver Berg ist ständig in Bewegung und in Veränderung, auch wenn wir dies nicht deutlich wahrnehmen. Der erste Satz dieses Sutras ergänzt auch sofort, was all diesen Veränderungen zu Grunde liegt.

 

Durch die Leerheit allen Seins, das heißt leer von Eigenexistenz und nur durch das Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit existierend, ist alles ständig im Fluss der Veränderung. Im einen Moment noch da, ist es im nächsten Moment schon vorbei, wenn wir es geschehen lassen, ohne an den Erscheinungen, wie zum Beispiel den Gedanken oder Gefühlen, festzuhalten. Aber gerade dieses Festhalten und die Identifikation mit vergänglichem lässt uns leiden. Doch genau durch diese Erfahrung befreit sich der Bodhisattva von allem Leiden. Denn jeder Mensch kann zu folgender Wahrheit erwachen:

 

Es gibt Gedanken, Empfindungen, Wahrnehmungen, Bewusstsein und die Erscheinung des Körpers, aber es gibt kein aus sich selbst heraus existierendes “Ich” in diesen Phänomenen. Die Vorstellung eines unabhängig existierenden “Ichs” ist nur ein weiterer Gedanken, ein weiteres Gefühl, eine Täuschung und Illusion, die wir in der Meditation als unbeteiligter Beobachter wahrnehmen können.

 

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Milarepa - Eine Zen-Geschichte

Milarepa hatte überall nach Erleuchtung gesucht, aber nirgends eine Antwort gefunden, bis er eines Tages einen alten Mann langsam einen Bergfpad herabsteigen sah, der einen schweren Sack auf der Schulter trug. Milarepa wusste augenblicklich, dass dieser alte Mann das Geheimnis kannte, nach dem er so viele Jahre verzweifelt gesucht hatte. „Alter, sage mir bitte, was du weißt. Was ist Erleuchtung?“ Der alte Mann sah ihn lächelnd an, dann ließ er seine schwere Last von der Schulter gleiten und richtete sich auf. „Ja, ich sehe!“ rief Milarepa. „Meinen ewigen Dank! Aber bitte erlaube mir noch eine Frage: Was kommt nach der Erleuchtung?“ Abermals lächelte der Mann, bückte sich und hob seinen schweren Sack wieder auf. Er legte ihn sich auf die Schulter, rückte die Last zurecht und ging lachend seines Weges.

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