Was ist das wesentliche Koan des Zen?

Mit dreiundzwanzig Jahren begegnete Wanshi ZEN-Meister Tanka Shijun. Dieser Meister fragte ihn:

 

„Was ist dein wahres Ich vor dem Kalpa der Leere?“ Das bedeutet: Was ist die Essenz deiner Existenz jenseits deines beschränkten Egos?

Diese Frage wurde offensichtlich nicht nur Wanshi gestellt. Sie ist das wesentliche Koan unserer Praxis. Wanshi antwortete:

 

„Ein Frosch am Grund des Brunnens verschluckt den Mond. Um Mitternacht leihe ich keine Laterne aus.“ Tanka schlug ihn, während er erwiderte: „Du sagst, dass du nicht ausleihst?“ Und Wanshi erwachte.

 

Tanka fragte: „Warum sagst du nichts?“ Wanshi antwortete: „Heute habe ich Geld verloren und ich wurde bestraft.“ Tanka schloss: „Ich habe keine Zeit, um dich zu schlagen.“

 

Das bedeutet: Ich brauche dich nicht mehr schlagen. Später erhielt Wanshi das Shiho von Meister Tanka. Er ließ sich im Kloster des Tendo-Bergs nieder, Tendo San, wo Meister Dogen ein Jahrhundert später Meister Nyojo traf.

 

Der Frosch am Grund des Brunnens seid ihr und ich hier und jetzt. Wie kann er den Mond verschlucken?

Logisch betrachtet ist dies nicht möglich, aber wenn wir den Geist aufgeben, der Trennungen schafft, der sich als klein ansieht, wo der Mond doch so groß ist, der sich hier sieht, wo der Mond dort ist, der denkt, dass die Buddha-Natur etwas ganz anderes als man selbst sei, wenn wir diesen Geist aufgeben, dann brauchen wir nicht einmal mehr den Mond verschlucken, wir brauchen ihn nicht ergreifen zu wollen, weil er es ist, der auf uns zu kommt.

 

Jeder muss dies selber realisieren. Selbst wenn wir die Laterne von jemand anderen borgen, muss am Ende jeder selber in der Lage sein, sein eigenes Leben zu erhellen, genauso wie Tokusan, dessen Laterne Ryutan löschte, als er sie ihm zeigte.

 

Obwohl die Essenz des Zen in unserer Zazen-Praxis vollständig enthalten ist, helfen uns das Beispiel und die Unterweisung der alten Meister den wahren Sinn unserer Praxis zu offenbaren.

 

Selbst wenn wir uns zeitweise von ihnen ihre Laternen borgen, haben wir es doch nicht nötig, irgendetwas auszuleihen, wenn wir zur Erfahrung, die sie weitergegeben haben, zurückkehren.

 

Und selbst wenn man Geld verliert, ist man dennoch nicht arm.

 

ZEN-Meister Roland Yuno Rech

 

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