Was ist Zeit - Zen Tag 2. Dezember 2018

Was hier geschieht ist lediglich eine Erklärung von gedanklichen Konzepten und hat rein gar nichts mit der Wahrheit des Seins zu tun. Und doch kann das Auflösen der verschiedenen gedanklichen Konzepte scheinbar dazu beitragen, dass Klarheit geschieht. Aber Befreiung ist nicht gleichzusetzen mit Klarheit! Eine der vielen Illusionen des Verstandes ist das Konzept von Raum und Zeit. 


Zeit ist eine Vorstellung im Bewusstsein

 

Doch so etwas wie Vergangenheit oder Zukunft gibt es nicht. Beides hat keine Wirklichkeit in diesem Augenblick „jetzt“ und ist lediglich eine Vorstellung im Bewusstsein. Bei genauerem Hinsehen, kann erfahren werden, dass Vergangenheit lediglich eine Ansammlung von Bildern, Gedanken und Eindrücken im Bewusstsein ist, von denen der Verstand sagt, dass sie bereits geschehen sind. Aber kannst Du einem anderen Menschen Deine Vergangenheit zeigen? Kann er sie erfahren, spüren und berühren? Was ist Vergangenheit jetzt in diesem Augenblick mehr, als ein gedankliches Konstrukt?

 

Erkennen wir jedoch die Illusion dieser Idee, verlieren alle Prägungen und Eindrücke aus der scheinbaren Vergangenheit an Bedeutung. Jegliche Form von Therapie, die sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, erscheint vor diesem Hintergrund unsinnig. Wenn wir die Illusion der Vergangenheit in diesem Augenblick erkennen, verliert sie ihre scheinbare Macht über uns. Mit der Idee von Zukunft verhält es sich genauso.

 

Alles ist ein ewiger Augenblick jetzt

 

Es gibt so etwas wie Zukunft außerhalb der Vorstellung des Verstandes nicht. Und doch entstehen auf Grund dieser Täuschung Stress, Hektik und Angst bezogen auf scheinbar zukünftige Ereignisse. Alles wovor der Verstand Angst hat sind nur Gedanken, die auftauchen und vorüberziehen, wenn wir aufhören ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und ihnen diese Macht zu geben. Stellen wir uns vor, der Mensch hätte kein Gedächtnis: Alles wäre ein ewiger Augenblick, eine Momentaufnahme, statisch und unbewegt, wie eingefroren. Selbstverständlich wäre der Mensch auf diese Weise nicht lebensfähig.

 

So wie das menschliche Körper-Geist-System den beurteilenden Verstand für scheinbaren Fortschritt und Entwicklung benötigt, benötigt es auch das Konzept von Zeit. Die Wahrheit dahinter aber lautet: So etwas wie Zeit gibt es nicht. Es ist nur ein Hilfsmittel, das der Verstand geschaffen hat um sich in dieser Welt zurechtzufinden. Das, was Du in Wahrheit bist, kennt keine Zeit, kein Alter, kein Werden und Vergehen, es ist der ewige Augenblick jetzt, noch vor dem Konzept von „jetzt“, der als Zeit in Erscheinung tritt.

 

Ohne Trennung keine Distanz von A nach B

 

Bezogen auf das Konzept von Raum wird es noch etwas subtiler. Innerhalb der Illusion scheint es räumliche Distanz zwischen A und B zu geben. In der Wahrheit des Seins existiert nur der Augenblick hier und jetzt. Das Gefühl für Entfernung und damit für räumliche Nähe oder Distanz entsteht durch Wahrnehmung innerhalb des Gehirns und entspricht somit nicht der Wahrheit des Seins. Wenn Befreiung geschieht und die Illusion einer Trennung durchschaut wird, dann gibt es nur einen einzigen Raum.

 

Dieser Raum ist leer von allen Abstraktionen, wie sie zum Teil auch in diesem Buch verwendet werden. Aber selbst dieses Gefühl für Raum und unendliche Weite wird beobachtet und wahrgenommen. Statt sich mit diesen Konzepten auseinander zu setzen, reicht es völlig, den Fokus auf das zu richten, was wahrnimmt. In diesem Augenblick geschieht Befreiung und Loslassen ganz von allein und es findet Erkenntnis darüber statt, dass Raum und Zeit nur innerhalb der Illusion des Individuums existieren.

 

Der formlose Raum stiller Zufriedenheit

 

All diese Konzepte dienen dem Verstand dazu, sich innerhalb des Traums zurechtzufinden, auszudrücken und seine eigene Existenz zu rechtfertigen. Und das gehört genauso zum göttlichen Theater, wie alles andere auch. Das was Du bist, ist der grenzenlose Raum stiller Zufriedenheit im ewigen Augenblick jetzt!

 

Aus dem Buch "Die Zen Lehre von der Wahrheit des Seins". Buch jetzt hier bestellen 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Jörg Hildebrandt (Mittwoch, 16 Oktober 2019 17:20)

    Räumlich-kausal besehen ist das Mögliche in Zeit die Möglichkeit. Ganzheitlich gesehen ist alles Mögliche ein Möglichsein. Das Sein als dieses Ganzheitliche ist das Konzept Vernunft – das nichtbedingte Nun als räumliches Non oder Nichts. Daher ist die Zeit an sich das Nichts. Erst der Zeitpfeil (Kalender) reiht Empfindungen im Raume, weswegen mir die Begriffe Ewigkeit wie Unendlichkeit überhaupt entspringen als ein Außerhalb an der nach zwei Seiten offenen Reihe des re- und progressiven Waltens meines Verstandes im Gedächtnis.
    Die Taktik meines Verstandes ist also das aggressive Bearbeiten meiner Empfindungen zu Aggregaten meiner Vorstellung, das heißt meiner Welt. Erst Gleichartigkeit und Konsens machen meine Welt gemeingültig, weswegen ich voreilig denke, außer mir sei die Welt und ich als mein Körper nur ein Teil von ihr. Diese Distanz zwischen meinem Ich als Geist und der vermeintlichen äußeren Welt, zu der ich auch meinen Leib zähle, bewirkt meine Verlorenheit als persönlicher Geist, der Menschensohn genannt wird (Mensch mit Geist ist die [lebendige] Seele).
    Es gilt, diese Verlorenheit aufzugeben, und das selbstgewählte Grab zu verlassen, um zu erfahren, man ist ewig eins mit dem Vater gewesen.