Was der Buddha lehrte

Die Erkenntnis der vier edlen Wahrheiten zu durchdringen und den Zusammenhang der drei Geistesgifte (Gier, Hass und Verblendung) mit dem Leiden (Dukkha) zu verstehen, sind die Grundlagen für das Sehen mit den Augen Buddhas.

 

Auf Grund seines großen Mitgefühls predigte er aber nicht nur die eine, von ihm selbst erfahrene Wahrheit, sondern einen allen zugänglichen Weg der Ethik und des Mitgefühls.

 

Seine eigentliche Lehre bestand aber in nichts anderem als still eine Blume zwischen seinen Fingern zu drehen. Diese Geschichte dürfte den meisten Zen-Interessierten bekannt sein.

 

Die Predigt am Geierberg

 

Buddha versammelte viele Schüler um sich und alle dachten jetzt kommt wieder eine seiner wunderbaren Predigten. Nach einiger Zeit des Schweigens nahm er eine Blume und dreht sie schweigend zwischen seinen Fingern. Nur Mahakashyapa lächelte und Buddha sagte: „Ich habe das kostbare Auge des wahren Dharma, den wunderbaren Geist des Nirvana, die wahre Form der Nicht-Form, das geheimnisvolle Dharma-Tor. Es hängt nicht von Buchstaben ab, sondern wird auf besondere Weise außerhalb aller Lehren übermittelt. Jetzt vertraue ich es dem Mahakashyapa an."

 

Das war die erste Dharma-Übertragung in der Geschichte des Zen. Buddha sagte nicht: „Studiert nur meine Lehren!“, sondern er sprach davon, dass es nicht von Buchstaben abhängt und in allem entdeckt werden kann, wie zum Beispiel in einer Blume.

 

Vertraue Deiner Erfahrung

 

Doch die Gier des Menschen ist unersättlich und so suchen wir im Außen anstatt in uns selbst ein Licht zu entzünden. Ich wünsche allen Wesen tiefen Frieden und das Vertrauen auf die Wahrheit, welchen Namen man ihr auch immer geben mag. Sucht nicht in den Büchern und alten Schriften, sondern vertraut auf Euch selbst und Eurer Erfahrung. Wenn Du einem wahren Meister begegnest und ihm oder ihr folgen willst, höre auf Dein Bauchgefühl und vertraue auf Deine Erfahrung.

 

Folge nicht blind irgendwelchen Meinungen und werde hellhörig wenn jemand von sich selbst behauptet er sei erleuchtet. Erleuchtung bedeutet das tiefe verstehen, dass es da kein „Ich“ gibt das erleuchtet sein kann. Jemand der von sich selbst so etwas behauptet, hängt noch ziemlich stark am eigenen Ego. Der Weg des Zen ist schlussendlich immer ein Weg zu Dir selbst und zu Deinem wahren Wesenskern.

 

Aber gleichzeitig dürfen die menschlichen Bedürfnisse nicht vernachlässigst werden. Wenn ein Weg Dich ganz und heil machen soll, darf dieser Weg nie einseitig ausgerichtet sein. Ich habe in meinen Tagebucheinträgen oft von zwei Wahrnehmungen gesprochen.

 

Phänomenale und Wesenhafte Wahrnehmung

 

Die Wahrnehmung der relativen Wirklichkeit ist die Wahrnehmung der meisten Menschen. Wir erleben uns als getrennt von den anderen, vom Universum und von Gott.

 

Wir erleben uns als sterblich, verwundbar und leidend. Die zweite Wahrnehmung ist die der höchsten Wahrheit. Hier erleben wir unser Verbundensein mit allem durch das göttliche Prinzip der Leerheit. Wir erkennen, dass alles eine Verkettung, ein riesiges Netz aus Ursachen und Wirkungen ist.

 

Wir erkennen, dass wir nicht geboren sind und folglich auch nicht sterben werden. Aus diesem Blickwinkel kann man nicht einmal genau sagen, ob ein Körper geboren wurde. Ab welchem Moment spricht man von einer Geburt?

 

Wann sprechen wir von neuem Leben?

 

Ab dem Moment wo die Eizelle befruchtet wird? Oder ist das nur die Wirkung des Geschlechtsaktes? Oder sprechen wir ab dem Moment von neuem Leben, wenn das Kind tatsächlich im Kreissaal geboren wird? Erzählen Sie das mal einer Mutter im siebten Monat!

 

Also wann genau findet die Geburt, als Entstehung neuen Lebens wirklich statt? Es gibt keinen fest zu bestimmenden Zeitpunkt. Alles ist eine Verkettung von Ursachen. Der Schlüssel liegt aber darin, dass beide Wahrnehmungen gleichberechtig sind. Weder ist das eine richtig und das andere falsch. Noch darf von einer niederen und einer höheren Wahrheit gesprochen werden.

 

Beide Wahrheiten sind zu überschreiten und gleichzeitig aus einem darüber liegenden Blickwinkel zu betrachten. Wer anfängt seine menschlichen Bedürfnisse aufgrund seiner spirituellen Praxis zu unterdrücken oder gar Konflikten aus dem Weg zu gehen, wird über kurz oder lang auf dem Weg stolpern.

Das Leben macht uns ganz von allein immer wieder auf die wichtigsten Punkte des Weges aufmerksam. Wir brauchen dazu nichts zu tun. Wir sollten nur aufmerksam genug sein es zu merken. Sobald wir leiden, wissen wir, dass wir uns dem Leben in den Weg gestellt haben, anstatt mit ihm im Fluss zu sein.

 

Dann wird es Zeit unsere Anhaftungen loszulassen, sich der Gesetze des Universums bewusst zu werden und einfach mit ihm zu fließen. Unbewusstes Loslassen ist das große Zauberwort. Ich wünsche Dir auf Deinem Weg steht ́s großes Vertrauen in die Praxis, einen einfühlsamen und echten Lehrer sowie die nötige Geduld, die für jeden spirituellen Weg unabdingbar ist.

 

Mein eigener Weg

 

Mein eigener Weg geht weiter, im Alltag wie auch auf dem Sitzkissen. Auch ich nehme nach wie vor im Alltag Unzufriedenheit wahr, sehe das Leiden der Menschen und Tiere in dieser Welt und manchmal fühle ich mich zu klein um Hilfe leisten zu können.

 

Aber jeder hilft auf seine eigene Art und Weise. Der Herr beim Finanzamt, genauso wie der Handwerker. Der Großunternehmer, der vielen Menschen Arbeit gibt genau wie der Bettler, der Dir die Möglichkeit gibt Großmut und Freigiebigkeit zu üben.

 

Jeder hat auf seine besondere Weise Anteil. Wichtig ist vor allem kein Leiden zu erzeugen durch das Festhalten an alten Verhaltensweisen oder an unserem Ego-Denken.

 

Manchmal ist das Leben leicht, manchmal etwas schwerer. Aber das ist nur unser beurteilendes Bewusstsein und nicht mehr als ein Gedanke. Die Dinge so annehmen zu können wie sie sind und dann geeignete Mittel finden zum Wohle aller Wesen zu handeln, das ist der Weg des Bodhisattva.

 

Das ist der Weg des Zen. Das ist der Weg den ich gehen möchte. Nun mag der ein oder andere Leser vielleicht glauben ich hätte Zen oder gar das Leben verstanden. Vielleicht sogar die große Erleuchtung erlangt.

 

Einfach nur voll und ganz Mensch sein

 

Dem ist nicht so. Ich bin nur Mensch unter Menschen. Ich habe, wie alle Menschen, meine ganz eigenen Probleme und Schwierigkeiten im Leben und bin überzeugt davon, dass es im Zen nicht darum geht diese Schwierigkeiten irgendwann völlig hinter sich zu lassen und verklärt lächelnd durch die Weltgeschichte zu wandern. Es geht vielmehr darum, wie ich mit diesen Schwierigkeiten von Augenblick zu Augenblick umgehe.

 

Manchmal bin ich jähzornig und wütend. Ein anderes Mal sehr gelassen und ruhig. Es ist wie die Metapher mit dem Himmel und den Wolken. Mal sind viele Wolken vorhanden, mal weniger.

An dem einen Tag ein heftiges Gewitter. An dem anderen Tag Sonnenschein. Den Himmel stört das nicht! Gerade die Ge- burt unseres ersten Kindes und die Monate danach haben mir gezeigt, wie wenig Wert eine Erfahrung der Leerheit hat, wenn man nicht lernt diese Erfahrung in den Alltag zu integrieren.

 

Der Mangel an Schlaf und das Geschrei dieses kleinen Wesens haben mich so manches Mal an meine Grenzen geführt und darüber hinaus. Oft war ich nervlich am Ende und meine Hilflosigkeit diesem kleinen Geschöpf gegenüber wandelte sich in Wut und Verbitterung auf mich selbst.

 

Wie bewunderte ich meine Frau, die einem Bodhisattva gleich, fast immer die Ruhe selbst blieb. Vielleicht ist das Erkennen der Tatsache, dass wir ewig dazu lernen und immer wieder über die Wunder des Lebens staunen können, die eigentliche Erleuchtung.

 

Zu wissen, dass man nicht alles weiß und ein ewiger Schüler bleibt, führt zu einer großen Dankbarkeit und Demut dem Leben und der Leerheit gegen- über. Der Weg endet nicht mit der Erfahrung der Erleuchtung oder des Erwachens. Er beginnt aber auch nicht in diesem Moment.

 

Der Weg hat keinen Anfang und kein Ende

 

Wir gehen ihn ein Stück mit und geben ihn an die nachfolgende Generation durch unsere eigene Praxis weiter. Zu wissen, dass es nichts zu erlangen oder zu erwarten gibt, macht unser Leben frei. Gleich- zeitig sind wir aber für unser Handeln und unser daraus resultierendes Karma verantwortlich.

 

Ich wünsche allen Wesen tiefen Frieden, Liebe und Mitgefühl für die, die noch in ihren Täuschungen und Illusionen gefangen sind. Mögen alle Wesen an allen Orten gemeinsam mit mir das große Erwachen erlangen. Gassho! 

 

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