„Zen ist nicht etwas Aufregendes, sondern Konzentration auf deine alltäglichen Verrichtungen.“– Shunryu Suzuki

Eines Tages begegnete der alte Hotei einem Wanderer. Dieser fragt ihn: „Was ist die Bedeutung des Zen?“ Hotei ließ sofort als stumme Antwort seinen Sack auf den Boden fallen. 

 

„Ja, ich verstehe. Aber was kommt danach?“ fragte der Wanderer erneut.

 

Sofort ergriff der lachende Buddha seinen Sack, warf ihn sich über die Schulter, rückte die Last zurecht und ging laut lachend seines Weges, ohne sich noch einmal umzuschauen.

Die Wahrheit des Seins

Wenn es eine Wahrheit gibt, die für jeden Menschen gleichermaßen gilt, dann ist es die Wahrheit, dass wir alle Leiden vermeiden und Zufriedenheit sowie persönliche Erfüllung im Leben vermehren wollen.

 

Doch wir alle suchen in Wahrheit nach etwas, dass wir nie verloren haben. Denn wie könnte man etwas verlieren, das man selbst ist? Wenn die Illusion „Ich“ durchschaut wird, werden alle leidschaffenden Illusionen durchschaut und der Mensch erkennt sein wahre Natur, die alles umfassende Liebe, dauerhafter Frieden und unbegrenzte Freude ist.

 

Alle Vorstellungen davon, dass es da jemanden gibt, der eine freie Wahl hat oder etwas tun muss um glücklich zu sein, verhindern das Erkennen der Wahrheit des Seins. Die Frage ist weniger wo Du suchen musst, sondern vielmehr eine Frage von wo aus Du schon immer gesucht hast.

 

Was Du als „Ich“ bezeichnest, ist nur ein gedankliches Konstrukt. Doch so wie der Herzschlag, der Stoffwechsel und die Verdauung von Augenblick zu Augenblick  geschehen, ohne das Du etwas tun musst, geschieht auch Denken ganz ohne einen Jemanden, der etwas tut. 


DIE EINFACHHEIT DES ZEN

Wenn wir einfach nur sitzen, im gegenwärtigen Moment völlig offen sind und beobachten, was von Augenblick zu Augenblick geschieht, erkennen wir die Natur unseres Daseins.

 

Dieses Erkennen ist verbunden mit einem tiefen Gefühl von Frieden, Liebe und Freude. Doch auch dieses Gefühl ist nur der Duft, nicht seine Quelle. Wir müssen darüber hinausgehen und praktizieren ohne das etwas übrig bleibt - ohne eine Erwartung davon etwas zu erhalten oder zu erlangen.

 

Der Weg des Zen ist in erster Linie ein Weg zu Dir selbst. Er verweist direkt und ohne Umschweife auf den Kern Deines wahren Wesens. Wer den Weg des Zen bis zum Ende geht wird ein wahrer Mensch und erfährt sich in der Begegnung mit allen Wesen in jedem Augenblick neu.

 

Wenn wir nach Erleuchtung fragen, verbinden wir diese Frage zu Beginn des Weges mit uns selbst als Person. Wir, das heißt unser Ego-Verstand, sucht nach etwas, dass er niemals finden kann. Die Geschichte, die uns der Verstand über uns erzählt, führt zu Identifikation und Leiden.

Urtexte des ZEN

Auch wenn sich Zen nur durch die eigene Praxis und die intime Erfahrung des Soseins verstehen lässt, können Texte und Worte manchmal ein Hinweis auf die Wahrheit des Seins darstellen.

 

Wie ein Finger der zum Mond zeigt, sind diese Texte aber niemals die Wahrheit selbst, sondern lediglich ein Hindeuten auf das, was nicht mit dem Verstand begriffen werden kann. 


Thorsten Heisan Schäffer ist seit vielen Jahren Schüler von Zen Meister Roland Yuno Rech. Er praktiziert seit über 20 Jahren Zazen und leitete über einige Jahre eine Zen-Gruppe in Herborn.

 

"Der Weg des Zen ist in erster Linie ein Weg zu Dir selbst. Er verweist direkt und ohne Umschweife auf den Kern Deines wahren Wesens. Wer den Weg des Zen bis zum Ende geht wird ein wahrer Mensch und erfährt sich in der Begegnung mit allen Wesen in jedem Augenblick neu."

 

Aus dem Buch "ZEN - Erleuchtung und andere Missverständnisse" (hier gratis runterladen)