»Was ist Zen?«

Zen mit Worten zu erklären ist schwer und selbst ein Zen-Meister kann darauf keine wirkliche Antwort geben. Die Antwort liegt in jedem selbst. Zen ist eine der wesentlichen Schulen des Mahayana-Buddhismus in Japan (Soto Zen-Schule), deren Schwerpunkt im Praktizieren einer stillen Meditation liegt: Zazen.

 

Dennoch ist Zen an sich religions- und konfessionslos. Sie brauchen kein Buddhist zu sein oder zu werden um Zazen zu praktizieren. Das Erleben der Unbeständigkeit und wechselseitigen Abhängigkeit führt zu einem tieferen Verständnis unseres eigenen Seins und damit zu mehr Gelassenheit, Ruhe und Frieden.

 

Zen ist Praxis

 

Um Zen zu verstehen, reicht es nicht aus, Bücher zu lesen oder Texte zu studieren. Erst die eigene Erfahrung von Zazen, die regelmäßige Praxis der Zen-Meditation, ermöglicht ein tieferes Verständnis. Die Zazen-Praxis wurde uns über Generationen von Lehrern weitergegeben, von Meister zu Schüler, von Geist zu Geist.

 

Zazen führt zur tiefen Wahrnehmung seines eigenen wahren Seins. Dies ermöglicht das Erlernen einer Weisheit, die sich in jedem Augenblick ausdrückt, wenn man atmet, geht, schläft, isst, arbeitet oder denkt, indem man in Einklang mit den anderen und der Umwelt lebt. Alle Momente des Lebens werden durch die Kraft und Energie, die aus dieser Praxis entstehen, durchdrungen. Ideal und Wirklichkeit sind im Zen nicht getrennt. Sie sind wie Vorder- und Rückseite eines Blattes. 

 

Zwei wesentliche Prinzipien

 

Grundlegend für das Verständnis des Zen sind zwei Prinzipien, die sich sowohl auf die Lehre, als auch auf die Praxis der Meditation beziehen. Jede Übung des Zen, von der Meditation über das Arbeiten in der Gemeinschaft und das alltägliche Leben, dient dazu diese beiden Prinzipien zu verwirklichen.

 

Mushotoku

 

„Mushotoku“ bedeutet „ohne etwas zu erhalten“ und bezieht sich darauf, dass wir Zazen nicht mit einem nach Profit oder Gewinn strebenden Geist praktizieren. In der tiefen Wahrheit gibt es nichts zu erhalten. Der ewige Wandel und die Unbeständigkeit, die allen Phänomenen zu Grunde liegt, wird in Zazen tief gesehen und verwirklicht.

 

Wir können nicht bewusst "Mushotoku" sein, so wie wir nicht bewusst und willentlich loslassen können. Es ist wie mit dem einschlafen. Wir können einschlafen nur geschehen lassen, es aber nicht "machen". Erst wenn wir erfahren haben, dass es rein gar nichts zum festhalten gibt, geschieht "Mushotoku" ganz von allein.

 

Hishiryo

 

„Hishiryo“ bezeichnet einen Geist der die Dinge nicht beurteilt. "Shiryo" ist der beurteilende und bewertende Geist. "Hi" bedeutet "Jenseits davon". Das bedeutet, das Hishiryo jenseits des Egos ist und nicht ein besonderer Geisteszustand  des Verstandes. Wir müssen darüber hinaus gehen.

 

Im Alltag unterscheidet der Ego-Verstand ständig zwischen gut und schlecht, schön und hässlich, richtig und falsch! Doch die Wirklichkeit ist nicht getrennt. Sie ist immer nur der eine Geist. Ein Gedanke kommt – ein Gedanke geht. Mehr nicht!

 

Durch die regelmäßige Praxis von Zazen erkennen wir diese im Grunde simple und einfache Wahrheit. Auf diese Weise hören wir auf zu beurteilen und können die Dinge einfach so sein lassen wie sie sind. Wir fangen an intuitiv im richtigen Moment das Richtige zu tun. Dies führt ganz von allein zu mehr Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit im Alltag.