„Wenn die Guenmai echt ist, wird alles echt. Wenn alle Handlungen des Lebens echt sind, wird auch die Guenmai echt.“– Dogen Zenji

Es gibt verschiedene Arten eine Guenmai zuzubereiten. Ursprünglich wurde nur gekochte Reissuppe mit eingelegtem Gemüse serviert. Das hier vorgestellte Rezept ist eine leicht veränderte Form des Rezeptes der Deshimaru-Linie. Die Legende sagt, dass Meister Deshimaru einem der Mönche auftrug eine Guenmai zu kochen. Dieser sagte: "Ich weiß nicht wie eine Guenmai gekocht wird.", worauf hin Deshimaru ihm sagte: "Dann koche sie wie du es für richtig hältst." Der Mönch war auch Makrobiotiker und so entstand die Zubereitung wie im folgenden erklärt:

 

(1) Die Guenmai besteht zur einen Hälfte aus Reis, zur anderen Hälfte aus Gemüse. Der Gemüseanteil besteht wiederum zur einen Hälfte aus Zwiebel und zur anderen Hälfte je 1/3 aus Sellerieknolle, Möhre und Lauch. Insgesamt hat die Guenmai also 5 Zutaten, wenn wir das Wasser außen vor lassen. Zunächst wird der Reis (Milchreis) dreimal gewaschen, wobei sich das Wasser leicht milchig verfärbt. Im Anschluss wird der Reis in einer Pfanne geröstet ohne anzubrennen. Wenn die Reiskörner "knallen" kommen sie in kochendes Wasser.


(2) Bei der Zubereitung einer Guenmai ist darauf zu achten, dass kein einziges Reiskorn und kein einziges Stück Gemüse verloren gehen. Alles ist wichtig und sollte mit größter Sorgfalt betrachtet werden. Der Reis kocht etwa 2 Stunden wobei regelmäßig umgerührt werden muss, damit nichts anbrennt. Von Zeit zu Zeit kann neues heißes Wasser hinzugegeben werden. Die Konsistenz der Guenmai sollte am Ende eher etwas dickflüssig sein. Während der Reis kocht, kann das Gemüse vorbereitet werden.


(3) Das Gemüse der Guenmai nach Art der Deshimaru-Linie wird auf die selbe Größe wie ein Reiskorn geschnitten. Dazu kann man sich ein paar Reiskörper auf das Schneidebrett legen, um immer wieder zu dieser Größe zurück zu kehren. Während des Schneidens kann es nämlich passieren, dass man immer größer und größere Stücke schneidet. Bei der Möhre, der Sellerieknolle und der Zwiebel werden zunächst feine Scheiben geschnitten, die im nächsten Schritt in feine Streifen geschnitten werden.


(4) Auf diesem Bild sieht man die Größe der Reiskörper und die Größe der Gemüsestücke am Beispiel der Möhre. Es geht bei der Zubereitung einer Guenmai nicht darum möglichst schnell fertig zu werden, sondern mit seiner ganzen Aufmerksamkeit bei dem zu bleiben, was man in diesem Augenblick tut. Beim "Möhre schneiden" einfach nur "Möhre schneiden". Wie beim Shikantaza (Nur sitzen) besteht die Aufgaben darin, sich voll und ganz auf das "nur" einzulassen und zu beobachten, was ohne unser Zutun noch von Augenblick zu Augenblick geschieht.



(5) Auch beim Gemüse gilt, dass kein einziges Stückchen verloren gehen sollte. Jedes Gemüsestück wird auf die Größe eines Reiskorns geschnitten, um sich später mit dem Reis gut zu harmonisieren. Auch wenn die Guenmai aus 5 Zutaten besteht, sind diese Zutaten von ihrer Größe her nicht unterschiedlich und bilden in ihrer Gesamtheit eine einzige Guenmai. Das Gemüse wird in einer separaten Schüssel zur Seite gestellt und der Tisch, wie auch die Messer und Schneidebrettchen gereinigt. 


(6) Während der Reis weiter kocht, wird das Gemüse mit etwas Öl in einer Pfanne blanchiert bzw. angebraten. Alle Zutaten der Guenmai nehmen, auf Grund ihrer Größe, viel Hitze (Yang-Energie) in sich auf und bilden so den Gegenpart zur stillen Praxis des Zazen (Yin-Energie). Die Guenmai an sich ist von ihrem PH-Wert dem des menschlichen PH-Wertes oder Säure-Basen-Haushaltes sehr ähnlich und bedarf zu ihrer Verstoffwechslung wenig Energie von außen. Aus diesem Grund sagt man der Guenmai gesundheitsfördernde Wirkung nach.


(7) Nun kommt das Gemüse zum Reis und kocht noch einige Minuten mit. Dabei sollte stetig umgerührt werden. Auf einem Sesshin ist meist eine Person nur für das Umrühren der Guenmai während des Kochvorgangs zuständig. Es ist eine große Verantwortung für die Guenmai zu sorgen und zu ihrem Entstehen beizutragen. Sie nährt nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und dient letztlich wie so vieles im Zen als Metapher für das, was nur schwer in Worten ausgedrückt werden kann.


(8) Am Ende wird der Topf von der Kochstelle genommen und auf einem Holzbrett gestellt. Alles wird mit einer Decke eingehüllt damit es warm bleibt und der Gärungsprozess nicht unterbrochen wird. Über Nacht steht die Guenmai auf diese Weise und arbeitet weiter. Am nächsten Morgen vor dem Frühstück wird sie nur noch einmal kurz aufgekocht. Die Guenmai hält sich im Kühlschrank etwa 7 Tage. Reste einer alten Guenmai sollte man, wenn überhaupt, erst kurz vor dem Servieren einer neuen Guenmai zufügen, damit diese nicht umschlägt.


(9) Serviert wird die Guenmai mit Sojo-Sauce und Gomasio (leicht geröstetem Sesam). Dazu nimmt man 10 Teile Sesam und 1 Teil Meersalz und röstet beides in einer Pfanne, bis der Sasam anfängt zu "tanzen". Anschließend gibt man alles in einen Mörser und zerkleinert so lange, bis das fertige Gomasio am Rand des Mörsers hängen bleibt (siehe Bilder). Die Kombination aus Reissuppe mit Gomasio ist besonders wohltuend für Körper und Geist und hilf dem Magen-Darm-Trakt in Balance zu kommen.