Das Lied vom Erwachen 

von Meister Yoka-Daishi

 

Freund, siehst du nicht diesen Satori-Menschen, der das Betrachten aufgehört hat und nicht mehr handelt? Er versucht weder die Täuschungen  zu  entfernen  noch  die Wahrheit  zu  finden.  Die  wahre Natur  unserer  Unwissenheit  ist Buddhanatur,  unser leerer  Körper der  Täuschungen  ist  der  Dharma-kaya.  Wenn  wir  den Buddhakörper verstehen, ist nichts mehr. Die ursprüngliche Quelle, unsere eigene Natur ist der reine, wahre Buddha. Die schwebenden Wolken der  fünf  Skandhas  kommen  und  gehen  am Himmel,  die Gischt  der  drei Gifte  erscheint  und  verschwindet  auf dem  Ozean.Wenn wir die Wirklichkeit verstehen, gibt es für  uns weder Mensch noch Gesetz,  ein einziger Augenblick zerschmettert das schlimmste Karma,  das  Karma der  Hölle.  Sollte  ich  euch  durch  falsche  Rede täuschen, möge mir auf ewig die Strafe der herausgerissenen Zunge widerfahren. Verwirklicht ihr in einem einzigen Augenblick den Zen des Buddha, so erfüllen sich die sechs Paramita und die zehntausend Übungen in eurem Körper. Im Traum existieren die sechs Pfade der Täuschungen. Doch wenn wir  erwachen,  ist  da  nichts mehr,  nicht einmal die tausend Täuschungen.  Es gibt weder Fehler noch Glück, weder  Verlust  noch  Gewinn.  In  der  vollkommenen  Ruhe  dieser absoluten  Erfüllung  brauchen  wir  nichts anzustreben.  Vom  Ursprung  an  wurde  nie  der  Staub  vom  Spiegel gewischt,  doch  heute muss  dessen  Glanz sichtbar  sein.  Wer  ist  Nicht-Denken?  Wer  ist Nicht-Geboren? Existiert das Nicht-Geborene wirklich, so kann es auch nicht geboren werden.  Frag eine Marionette ob es sinnvoll ist, Verdienste anzuhäufen um Buddha zu finden. Lass die vier Elemente  und  versuche  nicht  mehr  zu  erfassen.  Im absoluten  Frieden,  in der  absoluten  Erfüllung,  trinke  und esse  nach  Wunsch.  Alle  Erscheinungen sind unbeständig, alles ist Ku. Genau das ist das  große und  vollständige Satori  des  Buddha.  Eine  genaue  Doktrin  von höchster  Dimension  ist  das  Symbol  des  wahren  Mönchs.  Sollte jemand  nicht  einverstanden  sein,  wird  sich  die Doktrin  von  selbst offenbaren.  Denn was Buddha kennzeichnet ist, die Wurzeln direkt abzuschneiden. Man kann nicht gleichzeitig die Blätter sammeln und die Äste suchen.  Die Menschen wissen nichts vom kostbaren Juwel. Und doch besitzt es jeder, es ist tief vergraben im Alaya-Bewusstsein.  Das  geheimnisvolle  Handeln  der  sechs  Sinne ist  Ku  und gleichzeitig nicht Ku. Der leuchtende Schein einer Perle gehört der Welt  der  Täuschungen  und  doch gehört  er  ihr  nicht  an.  Die  fünf Arten der Sicht reinigend kann man die fünf Kräfte erlangen. Nur durch die Praxis kann man dies verstehen. Es ist kaum vorstellbar! Es  ist  nicht schwer,  den  Mond  in  einem  Spiegel zu  sehen.  Aber unmöglich kann der Mond im fließenden Wasser festgehalten werden. Wir gehen immer allein, wir gehen immer allein. Auf dem Weg des  Nirvana  spielen  nur  die  Erfüllten miteinander.  Die  Melodie seines  Lebens  ist klassisch,  sein  Geist  ist  rein  und  sein  Gang  von natürlichem Adel. Seine Wangen sind eingefallen, seine Kiefer stark, niemand beachtet ihn. Der Sohn von Cakya ist als Armer bekannt. In Wirklichkeit  ist  seine  Erscheinung  arm, doch  sein  Geist  kennt keine Armut. Er ist arm, so ist er gewöhnlich in Lumpen gekleidet. Doch besitzt er den Weg und bewahrt diesen unermesslichen Schatz auf dem Grund seines Geistes. Und dieser unermessliche Schatz ist nie erschöpft, auch wenn man davon Gebrauch macht. So kann er alle davon genießen lassen, bei jeder Gelegenheit, ohne Sparsamkeit, ewig.  Die drei Körper und die vier Weisheiten kommen in seinem Körper zur Erfüllung. Die acht Einsichten und die sechs übernatürlichen Kräfte sind in seinem Geist eingraviert. Der Erhabene hat das ganze Verstehen  in  einem  einzigen  Mal.  Der  Mittelmässige  oder Minderwertige  kann  wohl viel  hören,  glaubt  aber wenig und  hat keine tiefe Wahrheit.  Entledige dich selbst der Lumpen, die diesen Schatz verbergen. Vor den Anderen, gib nicht  an mit deiner Frömmigkeit.  Nimm  Kritik  an  und  ertrage  die  Verleumdungen der  anderen. Am Ende erschöpfen sie sich selbst im Versuch, den Himmel mit  einer  Fackel  in  Brand  zu  stecken.  Sie zu  hören  ist  wie süßen Nektar trinken. Er schmilzt sofort und verschwindet im Geheimnis.Wenn du begreifst, dass die üble Rede Wohltat wird, dann wird sie für  dich  ein  Meister  des  Weges.  Wenn  du  durch  die  Kritik  nicht jenseits von Freund  oder Feind  erwachst,  wie  kannst  du  dann  die grenzenlosen  Kräfte  des  Mitgefühls  und  der  Beharrlichkeit erlangen? Den Ursprung, das Prinzip vollkommen verstehend kannst du es vollkommen lehren. Zazen und Weisheit verschmelzen miteinander ohne nur auf Ku zu verweilen. Nicht nur ich habe nun die Klarsicht.  Die  Buddhas,  so zahlreich  wie  die Sandkörner  des  Ganges, sind alle von der gleichen Essenz. Die Doktrin der Nicht-Angst ist gleich dem  Brüllen  des Löwen:  es  zerschmettert  das  Gehirn  der hundert  Tiere,  die  es  hören.  Der  Elefant  verliert  trotz aller  Kraft seine  Würde.  Einzig  der  Himmelsdrache  vernimmt  diese  Stimme mit  Zufriedenheit.  Ich  habe  Ozeane und  Seen überquert,  ich  bin über  Berge  und Flüsse  gegangen,  ich  habe  die Meister aufgesucht, ich habe die Wege gesucht, ich habe Zazen geübt. Und seit ich den Weg zum Berg Sokei gefunden habe weiß ich, dass Geburt und Tod dasselbe sind.  Auch  Gehen  ist  Zen,  auch  Sitzen  ist  Zen.  Ob  man spricht  oder  schweigt,  ob  man  sich  bewegt oder  ruhig bleibt,  der Körper  verweilt  immer  im  Frieden.  Selbst  vor  dem  gezückten Schwert bleibt der Geist ruhig. Selbst vor dem Gift  bleibt der Geist unberührt. Mein Meister ist dem Buddha Nento begegnet und er ist, vor  langer Zeit,  Non-Niku Sen  geworden.  Viele  Male  müssen  wir leben  und  viele  Male  sterben.  Leben  und  Tod  folgen unablässig aufeinander  in  Ewigkeit.  Aufgrund  der  unmittelbaren  Verwirklichung der Nicht-Geburt besteht nicht mehr die Notwendigkeit, sich zu freuen oder zu sorgen über Ehren oder Ungnade.  Sich tief in die Berge  zurückziehen, in  einer kleinen  Einsiedelei  leben,  unter  einer großen  Pinie  sitzen,  ruhig  und  gelassen,  Zazen  üben,  heiter  und 

glücklich  in  der  Wohnstatt  des  Einsiedlermönchs,  schlichtes  und zufriedenes  Leben,  wahrhaftige  Schönheit.  Wenn ihr  erwacht  und versteht,  dann  bedarf  es  keiner  vergeblichen  Mühen  mehr:  nichts gehört  zur  Unbeständigkeit der Erscheinungen.  Die  zielorientierte Gabe kann das Glück verleihen, im Himmel wiedergeboren zu werden, jedoch ist das als würde man einen Pfeil in den Himmel schießen. Sobald die Kraft des Pfeils erschöpft ist, fällt er auf den Boden, und dies ist Ursache für ungutes Karma in der Zukunft.  Es ist ganz anders als das Stehen unter der Pforte von Muijiso, durch die man augenblicklich in die Buddhadimension eintritt.  Nur die ursprüngliche  Wurzel  erfassen,  sich nicht  um die  Zweige  kümmern,  dies  ist wie  das  Einfangen  des  Mondes  in  einem  reinen  Juwel.  Ich  kenne nun diesen Schatz der wahren Freiheit, unerschöpflich nicht nur für mich  sondern  auch  für  die  Andern.  Der  Mond leuchtet  auf dem Wasser des Flusses, der Wind bewegt die Pinien: frischer und reiner Schatten einer langen Nacht. Was ist die Ursache?  Der Schatz der Vorschriften  von  Buddha  ist  auf  dem  Grund  unseres  Geistes  eingraviert. Nebel  und Morgentau,  Regen  und  Dunst  sind  das  Kesa, das unseren Körper bekleidet.  Die Mönchsschale um den Drachen zu rufen und der Stab um den Tiger fernzuhalten. Die Metallringe oben  auf  dem  Stab  klirren  hell  und  klar. Schale und  Stab  sollten nicht bloß  in ihrer materiellen Form betrachtet werden. Sie bedeuten,  dass  man  innig  der Spur  des Buddha  folgt  und  symbolisieren seinen  kostbaren  Stab.  Nicht  die  Wahrheit  suchen,  nicht  die Täuschungen abschneiden.  Denn  ich  verstehe  klar,  dass  diese  beiden Elemente  Ku  sind,  ohne  Form.  Nicht-Form ist  weder Ku  noch Nicht-Ku, es ist die wahre Form des Buddha. Der Spiegel des Geistes ist rein, nichts verdunkelt ihn; durch seine Reinheit und Klarheit wiederspiegelt er das ganze Universum.  Das Abbild tausender von Erscheinungen erscheint  in diesem  Spiegel,  dieses  vollkommene Juwel  hat  weder  Außen  noch  Innen.  Die  wahre  Freiheit  von Ku 

vertreibt die Beziehung von Ursache  und Wirkung, und so ist alles in völliger Verwirrung und Unordnung und bringt schreckliche Katastrophe.  Die  Existenzen  aufgeben  und  nur  Ku,  die  Leerheit  bewahren ist ebenfalls  eine schlimme Krankheit. Es ist als würde man ins Feuer springen, um nicht ins Wasser zu fallen. Die Täuschungen aufgeben und nur die Wahrheit behalten ist Diskrimination, künstliches Gebilde und Nachahmung. Ein Mensch, der dies nicht beachtet und nur der Praxis folgt ist gleich dem, der einen Dieb zu seinem Sohn macht.  Wir vergeuden  den Schatz des Dharma und verlieren dessen  Wohltaten.  Die  Ursache  dafür  ist  dieses  mentale  Bewusstsein, deshalb löst die Zenschule dieses Mentale auf. Unmittelbar ins Satori  der  Nicht-Geburt  eintreten,  dies  ist  die  Kraft  der wahren Weisheit.  Der aufrechte  Mensch ergreift das Schwert der Weisheit. Scharfe Klinge der Weisheit, eine Flamme, so stark wie ein Diamant.Dieses Schwert kann den Geist aller falschen Gedanken und Auffassungen zerstören, doch es kann ebenfalls unerwartet alle Dämonen schlagen. Die Buddhalehre ist wie die Stimme des Donners, das donnernde Gesetz,  der Trommelwirbel.  Es  breitet  eine  Wolke  des Mitgefühls  aus  und  verströmt  honigsüßen Nektar.  Die Spuren des Drachens und des Elefanten breiten sich unbeschränkt überall aus, so dass alle Menschen –  auch jene, die ein dogmatisches oder literarisches Satori erlangt haben  –  erwachen und durch diese Lehre zum wahren  Satori kommen. Auf  den  Gletschern  des  Himalaya  wächst nur  reines,  unvermischtes  Gras.  Es  schenkt ausschließlich  die  Essenz des  Geschmacks.  Und  diesen  Geschmack  bewahre  ich  für immer.  Eine  einzige  Natur beinhaltet  alle  Naturen, eine  einzige Existenz schließt alle Existenzen in ihrer Gesamtheit ein. Ein einziger Mond wiederspiegelt sich in allen Wassern, alle Spiegelungen des Mondes im Wasser kommen von einem einzigen Mond. Der spirituelle Körper Dharma Kaya aller Buddhas geht in meine Natur ein. Meine Natur harmonisiert sich mit dem Geist des Tathagata. Eine Weisheit enthält alle Weisheiten. Es gibt weder Form noch Bewusstsein noch Handlung  noch Karma. Während einem einzigen Augenblick entstehen 80'000 Pforten, während einem einzigen Augenblick geht die Ewigkeit zu Ende. Die Masse sind kein Maß. Wie ist man in Einklang mit unserer wahren Natur? Nicht kritisieren, nicht loben. Unser Körper ist wie der Himmel. Beide sind grenzenlos.  Wenn du dich  nicht  von  der  Stelle  rührst  bleibst  du  ruhig.  Wenn du nach Kenntnis suchst merkst du, dass du weder verstehen noch erwerben noch verwerfen kannst. Was du nicht erlangen kannst wirst du unbewusst  erlangen.  Wenn  du  schweigst,  redest  du; wenn  du  redest, schweigst du. Wenn die große Pforte der Gabe offen steht, ist nichts mehr ausweglos.  Auf die Frage welcher Religion ich angehöre antworte ich: die Kraft von Maka Hannya. Was ist gut, was ist schlecht? Die  Menschen  können  es  nicht wissen.  Was  geht  in  die richtige Richtung,  was  geht  gegen  den  Strom?  Selbst  der  Himmel  kann  es nicht messen.  Ich habe lange praktiziert und studiert. Dies sind weder leere Worte noch Lügen. Hier hisse ich das Banner des Gesetzes und  errichte die  wahre Religion.  Buddhas  wahrhaftige  und  heilige Nachfolgelinie  geht  weiter  durch  den  Mönch  vom  Berg Sokei. Mahakashyapa hat als Erster die Lampe, die Fackel weitergegeben, dann  zählte die  Geschichte  achtundzwanzig Generationen  unter dem Himmel  Indiens. Über die Ozeane hinweg hat das  Zen dieses Land erreicht, Bodhidharma war der Gründer. Sechs Generationen großer Meister folgten ihm und übermittelten die Robe. Zahlreiche werden nun in der Zukunft den Zenweg erhalten.  Die Wahrheit des Zen  braucht  nicht  verteidigt  zu  werden.  Zudem  ist  auch der Ursprund der Täuschungen Ku. Aber Existenz oder Nicht-Existenz, wenn diese beiden Standpunkte aufgegeben sind, dann wird NichtKu zu Ku.  Die zwanzig Pforten von Ku haben keine Existenz. Die einzigartige Natur  der Tathagatas ist von Ursprung her dieselbe für alle  Daseinsformen.  Der  Geist  ist  die  Wurzel, das  Dharma  ist  der Staub. Beide sind wie der Wiederschein im Spiegel. Ist dieser Staub weggewischt, so strahlt das Licht. Geist und Dharma sind ganz verschwunden  und  unsere  Natur  ist  authentisch.  Ach! Diese  Zeit  ist geprägt von der Degeneration des Dharma, die Menschen sind nicht sehr glücklich ; sie sind schwer zu leiten, weit von der Weisheit, von der Heiligkeit entfernt und versinken in falschen Auffassungen.  Die Dämonen  sind mächtig, das Dharma ist schwach und unheilstiftender Hass breitet sich aus. Sie haben die Möglichkeit, die Lehre von der Pforte der wahren Buddhadoktrin zu hören, leider verwerfen sie die  Lehre,  zerbrechen  sie  in  tausend  Stücke  wie  einen  Ziegel  und können die ursprüngliche Form nicht wiederfinden.  Die Handlung kommt vom Geist, die Leiden kommen vom Körper, deshalb solltet ihr den andern gegenüber keinen Groll hegen.  Willst du kein endloses Karma auf dich ziehen, dann kritisiere nicht das Rad der Lehre. Im Sandelholzwald wächst kein anderer Baum. Nur die Löwen verweilen in diesem dichten, stillen Wald. Und überall in diesem ruhigen  Wald  vergnügen  sich  die  Löwen  sorglos.  Alle  Tiere  der  Erde und  alle  Vögel  des Himmels  sind  geflohen,  nur  die  Löwenjungen folgen den Löwen. Schon als Dreijährige sind sie fähig zu brüllen. Und selbst  wenn  die  Schakale  diese  Löwen,  die  Dharmakönige nachahmen wollten, könnten sie die hunderttausend Dämonen nicht daran  hindern,  ihren  Mund  frei  zu  öffnen.  Die  wahrhaftige  Lehre kann nicht durch den menschlichen Verstand erfasst werden. Aber wenn  ihr  Zweifel  habt,  wenn  ihr  nicht  versteht,  dann  ist  es euch durchaus möglich, mit mir darüber zu sprechen. Dies ist nicht eine Meinung, die auf meinem Dogmatismus beruht. Bloß ist zu befürchten, dass unsere Praxis zu den zwei Extremen der Verneinung und der Behauptung hin degeneriert. Das Negative ist nicht negativ (nein ist nicht nein), das Positive ist nicht positiv (ja ist nicht ja). Wenn wir uns in diesem Punkt irren, sei es um  ein Haar, dann entfernen wir uns  meilenweit.  Wenn  es  ja  ist,  kann  selbst  die Drachentochter plötzlich Buddha werden, wenn es nein ist, kann selbst der Mönch Zensho lebendigen Leibes in die Hölle stürzen.  Was mich betrifft, so  habe  ich  seit  meiner  Jugendzeit  Kenntnisse  angesammelt,  ich habe  die  Texte mit  ihren Kommentaren  sowie die  Sutren  studiert. Ich habe über Namen und Formen nachgedacht, doch habe ich in 

diesem Studium keine Ruhe gefunden, denn gewiss ist dies so vergeblich als wollte man in den Ozean gehen, um seine Sandkörner zu zählen. Der Buddha hat es mir vorgeworfen, zu Recht, denn wozu soll  es  gut  sein,  die  Schätze  der anderen  zu  zählen?  Nun  sehe  ich wohl, dass ich Wandermönch bis heute jahrelang vergeblich praktizierend auf Irrwegen war. Da ich von nicht sehr leuchtender Natur bin,  habe  ich  mich  geirrt  und  habe  nicht  verstanden.  So hatte  ich keinen  Zugang  zur  wahren  Buddhalehre.  Der  Hinayana  gibt  sich ganz dem Weg hin, doch fehlt ihm die universelle Liebe. Intelligenz und Wissen mangeln an tiefer Weisheit.  Dumm und kindisch sind jene, die eine falsche Wirklichkeit in ihrer leeren Faust oder auf ihren Fingerspitzen erschaffen.  Sie erreichen nichts indem sie den auf 

den Mond zeigenden Finger für den Mond halten. Sie vermischen und verwechseln absichtlich die objektive und die subjektive Welt. Der Mensch, der alle Aspekte umfasst ist Buddha. Er kann wahrhaft Avalokitesvara  genannt werden. Wenn die Erleuchtung verwirklicht ist  wird  das  ursprüngliche  Karma  zu  Ku.  Ansonsten  müssten  wir unsere Schulden begleichen. Wir haben Hunger, und doch essen wir nicht einmal an einer Königstafel. Wenn wir krank sind, dem König der Ärzte begegnen und doch seine Arznei nicht nehmen, wie wollen wir dann geheilt werden?  In der Welt des Begehrens müssen wir durch die Kraft der Weisheit Zen praktizieren. Wenn der Lotus im Feuer  erblüht  kann  er niemals  zerstört  werden.  Yuse  missachtete eine der wichtigsten Vorschriften, doch erlangte er dann das Satori 

der Nicht-Geburt und im selben Augenblick wurde er Buddha, und nun existiert  er.  Die Lehre, gleich dem Brüllen des Löwen ist ohne Furcht. Jämmerlich,  diese dummen und wirren Geister!  Sie verstehen, dass die Missachtung der Vorschriften für die Erleuchtung ein Hindernis  ist,  aber  sie  können  das  Geheimnis  der  Essenz  der 

Buddhalehre nicht erkennen. Zwei Mönche hatten das Keuschheitsgebot  verletzt  und  ein  Verbrechen  begangen. Haris  Unterweisung vergrößerte noch ihr schlechtes Gewissen. Doch der große Yuima wischte ihre Zweifel augenblicklich aus, so schnell wie Schnee  und Eis in der Sonne schmelzen.  Die wunderbaren Wirkungen der geheimnisvollen Kraft der Erleuchtung sind so unzählig wie die Sandkörner im Ganges. Weshalb sollen wir die Mühe scheuen, ihm die vier  Gaben  dar  zu  bringen;  zehntausend  Goldstücke  sind  wertlos dagegen.  Und würden wir auch unsere Knochen zu Pulver zermahlen  oder  unseren  Körper  in  Stücke  schneiden,  es wäre  doch  nicht genug, um ihm zu danken. Ein einziges Wort ist jenseits von zehn Milliarden Worten.  Er ist der Dharmakönig, er ist der Erhabenste. Alle Buddhas, so zahlreich wie die Sandkörner im Ganges, zeugen davon. Ich weiß nun was dieses Juwel ist, und all jene, die es vertrauensvoll  empfangen  können  Dharmakönige  werden.  Es  gibt nichts zu finden in der Welt des Satori, es gibt weder Mensch noch Buddha. Sogar die unzähligen Kosmoswelten sind Wasserblasen im Ozean. Alle Weisen und Ehrwürdigen sind wie Himmelsblitze.  Möge ein großer Metallring über meinem Kopf in Drehung kommen, 

die vollkommene Klarheit  bleibt. Möge die Sonne erkalten oder der Mond warm werden, mögen die Dämonen zahlreich sein, die wahre Doktrin bleibt unzerstörbar. Die Karosse des Elefanten rückt langsam auf dem Weg voran, wie könnte die Fangschrecke seinen  Rädern den Durchgang verweigern? Der große Elefant spielt nicht auf dem  Pfad  der kleinen Kaninchen,  ein  großes  Satori  geht  über  die kleinen Ehren hinaus. Beurteile die Immensität des blauen Himmels nicht  indem  du  durch  einen  Strohhalm schaust.  Wenn  du  das  Erkennen noch nicht hast, dann werde ich es dir jetzt tiefer bestätigen.