Herz des Sutras der Höchsten Weisheit 

von Nagarjuna

 

Der Boddhisattva des großen Mitgefühls übt sich tief und gründlich in der höchsten Weisheit  und  versteht  so,  dass der  Körper  sowie  alle Erscheinungen  leer  sind  und durch  diese  Erkenntnis  befreit  er  sich  von allem Leiden.

 

Sariputra, die Erscheinungen sind nicht verschieden von Leerheit, und Leerheit ist nicht verschieden von den Erscheinungen. Die Erscheinungen  sind  Leerheit  und  Leerheit  ist Erscheinung,  und auch Empfindung, Wahrnehmung,  Denken  und  Bewusstsein  sind Erscheinungen. 

 

Sariputra, alles Dasein ist seinem Wesen nach leer, es gibt in ihm weder Geburt  noch Vergehen,  weder Reinheit  noch  Beschmutzung, weder Zunahme noch Abnahme. Daher gibt es in der Leerheit keine Form und keine  Erscheinungen, nicht  Augen, noch Ohren, noch Nase, Zunge, Körper oder Bewusstsein, keine Farben, keine Töne, keine Gerüche, keinen Geschmack, nichts zu tasten, kein Denken.  

 

Dort  gibt  es weder Wissen noch Unwissenheit, weder Illusion noch Auslöschung der Illusion, kein  Altern, kein  Tod,  noch  die Beseitigung  von  Altern  und  Tod,  keine Ursache des Leidens, keine Auslöschung des Leidens, es gibt dort weder Erkenntnis noch Gewinn, noch Nicht-Gewinn.  

 

Dank dieser Weisheit, die über  all  dies hinausführt,  gibt  es  für den Bodhisattva weder  Angst noch Furcht. Alle Illusionen und jegliches Haften und Festhalten sind beseitigt, und  er kann  das  höchste Ziel  des  Lebens,  das  Nirvana,  erreichen. Alle Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erlangen durch diese Lehre  das  Verständnis  der  höchsten Weisheit,  das  höchste  Satori.

 

Man muss daher verstehen, dass diese Weisheit die große universale Lehre ist, die große,  glänzende, höchste  und unübertreffliche aller  Lehren,  die unvergleichliche  Lehre,  die  alles  Leiden  beendet, denn in  der  echten Wahrheit gibt  es  keinen Zweifel. Und deshalb besagt die Lehre von der Höchsten Weisheit: “Lasst uns darüber hinaus gehen, alle gemeinsam, darüber hinaus und noch jenseits des Darüber-Hinaus, an das Ufer des Satori.”