Die Linie der Weitergabe

 

Im Zen wird Wert auf eine authentische Überlieferung von Lehrer zu Schüler gelegt. Nur so kann die tiefere Essenz jenseits der Worte, wie eine Flamme von einer Kerze zur anderen, weitergegeben werden. Doch in Wahrheit wird nichts weitergegeben, was nicht schon immer vorhanden ist.

 

Sawaki Kodo Roshi (1880-1965) war einer der wichtigsten Zen-Meister des 20. Jahrhunderts. Als ein großer Reformator führte er das Zen wieder zur ursprünglichen Frische und Einfachheit des "Zazen selbst" zurück.

 

Seine Eltern starben früh, und er wuchs – von einem Onkel adoptiert – in ärmlichsten Verhältnissen auf. Mit 16 lief er von zu Hause weg, um Mönch im Eiheijii, dem Haupttempel der Soto-Schule, zu werden. Zuerst wurde er lediglich als Laufbursche und Küchenhilfe eingesetzt, bis er endlich von einem Meister ordiniert wurde. Es folgten lange Jahre der Übung und Wanderschaft. Später begann er Vorträge zu halten und die Praxis des Zazen, die damals selbst innerhalb der Soto-Schule fast vergessen war, von Neuem sowohl für Laien als auch für Mönche zu lehren. Er wurde in den 30er Jahren zum Professor an der angesehenen buddhistischen Komazawa Universität berufen, übernahm nach dem Krieg aber gleichzeitig auch Verantwortung für den Antaiji, einen Tempel für die Zazen-Praxis, der damals noch im nördlichen Kyoto gelegen war. Seinen Spitznamen "der Landstreicher Kodo" verdient er sich durch seine pausenlosen Reisen durch ganz Japan, um an jedem Ort Zazen zu lehren. Sawaki Kodo Roshi starb am 21. Dezember 1965 im Kloster Antaiji.


Deshimaru Taisen Roshi (1914-1982) war ca. 30 Jahre lang Schüler von Sawaki Roshi und kam 1967 nach Europa, wo er begann die Praxis des Zen, Zazen zu lehren. Viele Menschen wurden seine Schüler und Schülerinnen, und über 100 Dojos in Europa und weltweit wurden durch ihn gegründet.

 

In den 70er Jahren beginnt seine Mission an Weite zu gewinnen: Er erhält die Übergabe des Dharma von Meister Yamada Reirin, Superior des Tempels von Eiheiji und wird Kaikyoskan (Verantwortlicher des japanischen Soto-Zen für ein bestimmtes Land oder einen Kontinent) in Europa. 1970 gründet er die Association Zen Internationale (AZI) und 1979 den Tempel von La Gendronnière. 1982 stirbt er, nachdem er die Praxis des Zen nachhaltig in Europa verwurzelt hat.

 

Deshimaru Roshi wurde aufgrund seiner einzigartigen und beeindruckenden Persönlichkiet als der Bodhidharma der modernen Zeit bezeichnet.


Roland Yuno Rech, langjähriger Schüler von Zen-Meister Taisen Deshimaru-Roshi und einer seiner Dharma-Nachfolger, leitet die Internationale Zen-Vereinigung und unterrichtet seit zwanzig Jahren in vielen Ländern Europas Zen-Schüler in der Tradition der Meister der Überlieferung. Getreu der Unterweisung seines Lehrers schildert er uns ein besonders schlichtes und nüchternes Zen, das dem Erbe der alten Meister treu bleibt. Zen benötigt nichts anderes als sich hinzusetzen und zu sein. Diese intime Erfahrung mit dem Wesen der Existenz lässt uns inneren Frieden finden und eine Möglichkeit völlig unabhängig zu leben, ohne zugleich von der Wirklichkeit getrennt zu sein.

 

Seine erste Begegnung mit der Zen-Praxis hatte Roland Y. Rech in einem Tempel in Kyoto. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er von 1972 bis 1982 Schüler von Meister Taisen Deshimaru. 1984 erhielt er das Shiho (Bestätigung) von Meister Niwa Rempo Zenji, Abt des Tempels Eihei-ji, Japan. Heute leitet Roland Y. Rech den Tempel Gyobutsu-ji in Nizza, Frankreich, und leitet Sesshins in mehreren Ländern, vor allem in Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien.


Thorsten Hei San Schäffer, praktiziert seit über 15 Jahren Zazen. Viele Jahre davon als Schüler von Roland Yuno Rech und leitete, mit dessen Einverständnis, über einige Jahre eine Zen-Gruppe in Herborn (Hessen). 2013 erhielt er die Bodhisattva Ordination von Zen Meister Roland Yuno Rech und gibt seit dem die Essenz des Zen, in Form der Zazen Praxis, an andere Menschen weiter.

 

Er lehrt ein sehr minimalistisches Zen ohne Zeremonien oder stundenlangen Sitzdogmatismus. Ohne Umwege verweist er auf direkte und konsequente Weise auf den Herz-Geist, die wahre Natur Deines Seins und nutzt dazu, neben dem Zazen, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel:

 

"Der Weg des Zen ist in erster Linie ein Weg zu Dir selbst. Er verweist direkt und ohne Umschweife auf den Kern Deines wahren Wesens. Wer den Weg des Zen bis zum Ende geht wird ein wahrer Mensch und erfährt sich in der Begegnung mit allen Wesen in jedem Augenblick neu."

 

Aus dem Buch "ZEN - Erleuchtung und andere Missverständnisse"