»Ein Mondo ist der intensive Austausch über die Wahrheit des Seins.«

Im Mondo (Satsang) findet ein Austausch von Fragen und Antworten statt, bei dem die Antwort meist über die eigentliche Frage hinausgeht. Es geht darum, den Schüler auf eine tiefere Weisheit aufmerksam zu machen, die ihm bereits inne wohnt und nicht erst erlangt werden muss. 

 

Natürlich ersetzt diese Seite hier kein persönliches Mondo, bei dem, Auge in Auge von Geist zu Geist, Mimik, Gestik und Artikulation der Frage des Schülers eine wichtige Rollen spielen.

 

Spüre einfach jetzt in Dir nach welche Frage Dir im Augenblick wichtig ist.

 

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

»Alle Worte sind nur der Finger, der auf den Mond zeigt, aber niemals der Mond selbst«

Fragender: Das Jetzt ist der Schlüssel. Vollkommene Gegenwärtigkeit. In dieser können keine Gedanken coexistieren. Folglich auch keine Anhaftungen und somit auch keine Identifikationen. Somit auch kein Ego. Auf diese Weise wird das Ego überwunden. Daraus wiederum geschieht das Erwachen. Man erkennt sich selbst und man erkennt sich selbst im anderen und in allen Formen. Das ist das Sein. 

 

Sich selbst im anderen zu erkennen ist die Definition von Liebe. Aus dieser Liebe erwächst, dass man seinen Mitmenschen nutzen bringen will, weil man sie liebt. Daraus wiederum erwächst ein Unternehmen, welches Dienstleistungen oder Produkte liefert, die anderen Menschen helfen.  Gewinne resultieren automatisch, da das Unternehmen nur so weiterexistieren und nutzen bringen kann. Dadurch muss es auch dem Unternehmer gut gehen, da er nur so nutzen bieten kann.

 

Alles beginnt mit dem gegenwärtigen Moment. Deshalb spricht Eckhart auch repetitiv über das Jetzt. Deshalb geht es im Zen nur um das Jetzt und die Praxis. Wir müssen nur gegenwärtig sein und der Rest passiert einfach ohne Planung oder Kampf.

 

Thorsten Schäffer: Könnte man so sagen. Nur gibt es da niemanden, der irgendwas davon machen oder nicht machen kann. Es geschieht einfach...

 

Fragender: Deshalb hast du Deinem Lehrer in deinem Brief auch geschrieben, dass es noch nie jemanden gab, der die Erfahrung des Erwachens gemacht hat. „Ich“ kann niemals erleuchtet sein, weil es kein Ich gibt. Die Frage die bleibt ist dann, wer dies gerade schreibt. Wer bin ich? 

 

Thorsten Schäffer: Genau das ist die elementare Frage auf die Zen und alle spirituellen Wege hinweisen: WER BIN ICH?

 

Fragender: Heute morgen habe ich im Bett gelegen. Alles war still. Dann kam ein Gedanke und ich habe diesen verfolgt. Mein Herz fing umso stärker an zu pochen je tiefer ich gegangen. Immer stärker und dann hat mein Körper angefangen zu zittern. Ich habe die Gedanken weiter beobachtet und dann ist mir bewusst geworden, was mich abhält. Es ist die Angst vor dem Tod. Ich denke:"Nein, ich bekomme einen Herzinfarkt." Ich hafte noch immer am Leben an. Es fühlt sich an, als ob mein Ego in diesen Momenten um sein überleben kämpft. Deshalb klopft mein Herz auch so. Es ist wie eine Art Todeskampf. 

 

Ich glaube, die letzte Anhaftung, die aufgegeben werden muss, ist die an das Leben selbst. Deshalb erfahren Menschen auch das Erwachen, wenn sie kurz vor dem Tod stehen. Völlige Hingabe. Der Holzscheit verbrennt vollständig.

 

Thorsten Schäffer: Ja, in letzter Instanz haben wir (Ego)  Angst vor unserer Sterblichkeit. Aber das was Du bist kann nicht sterben.

 

Fragender: Alles ist einfach egal. Es ist egal, ob ich beruflich sehr erfolgreich bin, regelmäßig Sport treibe und viel Geld mache. Es hat einfach keine Auswirkung auf den Frieden, der ich sowieso schon bin und der früher das Ziel all dieser Tätigkeiten war. Und es passiert trotzdem einfach. Oder es passiert auch nicht. Es spielt einfach keine Rolle.

 

Ich fühle mich viel leichter. Als wären mit einem Mal alle Anhaftungen und Zwänge aufgelöst. Die letzte Anhaftung ist die an mein Leben. Der Gedanke kommt "Wenn du das jetzt nicht machst, dann wirst du kein Geld mehr verdienen und unter einer Brücke landen und sterben" Oder "Wenn ich noch tiefer gehe, dann sterbe ich". Es ist alles weg, nur noch dieser Gedanke besteht.

 

Thorsten Schäffer: Lass ihn doch da sein! Hat dieser oder irgendein anderer Gedanke irgendeinen Einfluss auf das was Du bist?

 

Beantworte mir die folgende Frage ohne ein Wort zu benutzen:

 

„Das Auge, mit dem ich Gott erblicke,

ist genau das gleiche Auge,

mit dem Gott mich erblickt. Zeige mir dieses Auge!“

 

Fragender: Ich bezweifle, dass Herzrasen und Kribbeln im Körper die Antwort ist. Es besteht das Gefühl, als würde sich direkt vor meiner Nase der lustigste Witz des Universums erzählt werden. Alle Religionen und spirituellen Lehrer erzählen den Witz auf ihre eigene Weise. Manche machen Räucherstäbchen an und sitzen im Lotussitz, andere verrenken sich beim Yoga. Aber die Pointe bleibt die gleiche. 

 

Ich kann diesen Witz nachvollziehen. Ich kann nachvollziehen, warum du lachst. Nachvollziehen warum Dennis lacht. Nachvollziehen, warum wir keine Entscheidungen treffen, sondern alles einfach passiert. Ich kann nachvollziehen, warum alles sinnlos ist und jedes Bestreben letztlich nur zu dem Frieden führen soll, der wir bereits sind. Nur ich erfahre die Pointe nicht.

 

Ich fühle mich heute so gut wie nie zuvor in meinem Leben. Ich fühle mich frei. Es fühlt sich an, als sie die Ernsthaftigkeit gewichen. Manchmal muss ich einfach loslachen, wenn ich mich dabei ertappe, wie ich mir selbst Druck mache. Dann lasse ich los und beobachte, wie einfach alles passiert. Jedes Mal, wenn ich loslasse, fühlt es sich an, als ob eine Schale weitere Risse bekommt und Licht durch sie scheint.

 

Glaubst du, ich sollte das ganze einfach mit mehr Humor angehen? Nicht so verbissen sitzen, sondern einfach gelassen bleiben? Und dann checke ich die Pointe?

 

Thorsten Schäffer: Solange Du versuchst etwas zu tun (mit Humor angehen, gelassen bleiben, Pointe checken etc.) um von A nach B zu kommen, ist es wieder der Verstand, der sich dazwischen schiebt.

 

Es ist übrigens auch dieser Verstand, der nach etwas sucht...

 

Setz Dich einfach hin in Zazen und finde heraus, ob Du der Denker bist. Ohne etwas zu tun! Einfach hinsetzen und der Dinge gewahr sein, die da ohne sein Zutun kommen und gehen. Durchschaue zunächst die Illusion des Denkers bis in die Tiefe. Bist Du der Denker oder nimmst Du denken einfach wahr? Es darf kein verstehen mit dem Verstand sein sondern lebendige augenblickliche Erfahrung! Was immer dann an Gedanken auftaucht (wie komme ich von A nach B etc.) ist lediglich das was geschieht. Ergreife den Gedanken nicht, lass ihn völlig unberührt einfach nur da sein. Das ist die Kunst von Zazen, das ist das kostbare Geschenk, das Dir Zazen macht.

 

Fragender: Das Video das Du mir geschickt hast war sehr cool. Erst wollte ich schreiben hilfreich, aber es gibt keine Hilfe, weil es kein Ich gibt und somit auch kein Problem. Immer wenn ich sein Lachen sehe, fühle ich mich einfach wohl. Genau wie bei dir, wenn du lachst oder lachen geschieht.

 

Heute hat sich die Illusion, mit der ich mich identifiziere die meiste Zeit sehr schlecht gefühlt. Ich habe diesen unbändigen Drang, zur Wahrheit vorzudringen, die ich bin. Aber es ist nicht möglich irgendwohin vorzudringen, weil ich dieser Frieden bereits bin. 

 

Doch wofür dann die Koans? Ich habe gestern und heute so lange über das Koan nachgedacht, bis ich Kopfschmerzen bekommen habe. Wenn doch sowieso alles einfach geschieht, was nützt dann das nachdenken über ein Koan?

Oder die Frage wer bin ich. Ich habe mir die Frage heute mindestens 500 mal gestellt. Wenn ich keinen Einfluss darauf habe, weil es kein Ich gibt, warum stelle ich mir dann die Frage? 

 

Was wäre, wenn auch du und andere Lehrer noch immer in der Illusion lebten und ihr nur durch all die Informationen ein Konzept aufgebaut habt, welches so perfekt ist, dass es sich anfühlt, als hättet ihr etwas erreicht, was nicht zu erreichen ist?

 

Ich könnte mir alle spirituellen Videos der Welt ansehen und Elemente aus deinen Büchern lernen. Daraus könnte ich ein wunderbares Konzept basteln und es als "Erleuchtung" darstellen. Unzählige Spirituelle würden anfangen, sich meinen Stuff reinzuziehen, weil sie die Freiheit erlangen wollen, von der ich in diesem gesamten Konzept berichte. Woher soll ich also wissen, ob je diese Erfahrung gemacht wurde oder alles einfach nur erdachter Bullshit ist, mit dem sich der Verstand identifiziert?

 

Thorsten Schäffer: Du kannst es nicht wissen. Und weder ich oder irgendwer kann es wissen... geschweige denn lehren oder irgendwie beibringen.

 

Das ist die Krux, das vielleicht größte Koan von allen. Die Erkenntnis liegt im vollständigen nicht erkennen! Es ist paradox und gleichzeitig die höchste Wahrheit. Gerade weil es nicht erfahrbar ist, kann das was erfährt, das was sich all dem was ist, gefahr ist, nur Du selbst sein. Nicht als Person, sondern als das was übrig bleibt, wenn alles andere als Nicht-Selbst erkannt wird. Sobald man Worte gebraucht um es zu beschreiben ist es ein Konzept. Da hast Du völlig Recht! Und auch für mich als Person sind alle Worte nur Konzepte.

 

Frage: Kannst Du etwas sein, das beobachtet wird? Oder gibt es dann das Objekt der Beobachtung (Gedanken, das Gefühl eine Person zu sein etc.) und den Beobachter selbst? Was ist größer? Das was beobachtet wird oder das was beobachtet? "Das Auge mit dem ich Gott erblicke, ist das selbe Auge, mit dem Gott mich erblickt!"

 

Zeig mir dieses Auge, ohne auch nur ein einziges Wort zu benutzen!

 

Ich lese zwischen den Zeilen einen starken Wunsch nach Freiheit, aber auch Frustration und einen starken Zweifel.

 

Das ist gut! Es ist ein wichtiger Punkt. Folge dem Zweifel und lasse ihn größer und größer werden, bis der letzte Ausweg für den Verstand das vollständige Loslassen ist. 

 

Ich weiß es ist hart, aber Du bist auf dem richtigen Weg! Zweifel alles an! Meine Worte, die von Meistern, von Buddha, von Jesus... Hinterfrage alles, bis es keinen anderen Weg mehr gibt als endlich loszulassen!

 

Ich bin für Dich da! Es ist ein Punkt, an dem es wichtig ist, dass Du Dich austauscht. Egal ob mit mir oder jemand anders! Bleibt dran...

 

Fragender: Ich spüre, wie ich deine Worte aufnehme. Ich verstehe es nicht, was du schreibst, egal wie sehr ich mich anstrenge. Deshalb kann ich dir auch keine Antwort geben. Die Worte treffen auf, dann versuche ich zu verstehen, aber es blockiert einfach. Wie eine schwarze Wand. Als würde man ein sehr schweres Rätsel lösen. Man kommt einfach nicht auf die Lösung. Aber bei manchen Rätseln kommt dann die Erkenntnis einfach blitzartig am Morgen. Sie ist einfach da. Wenn ich deine Worte lese, passiert irgendetwas und sie sinken, berühren, verursachen Risse. 

 

Ja, ich habe Episoden, in denen ich extrem zweifle. Dann denke ich mir: Alles Bullshit. Es geht mir doch gut. Ich hab das Geld. Das Business. Den guten Körper. Meine Familie. Aber dann, 5 Minuten später ist wieder diese Leere da, die schon immer da war und ich weiß, dass du die Wahrheit sprichst und davon, wonach ich immer gesucht habe.

 

Es geht mir so schlecht gerade. Dieser Drang zur Wahrheit  ist so stark wie nie zuvor. Immer wieder versuche ich mich zu motivieren, aber es geht einfach nicht. Ich war gerade im Gym, saß auf der Hantelbank und konnte einfach keine Wiederholung ausführen. Nur die Angst davor, dass ich gerade in eine Depression steuere, hat mich ein paar Wiederholungen machen lassen. Aber selbst diese Depression ist mir egal. Mir ist alles egal, was passiert, ich will einfach nur endlich heimkehren, an den Punkt, den ich nie verlassen habe.

 

Alles fühlt sich an wie Treibsand. Ich habe 23 jahrelang auf Treibsand getreten. All die Erfolge, die ich erzielt habe, haben mich nie ein Stück weitergebracht. Ich habe immer nur auf der Stelle getreten. Mal schneller und mal langsamer. Aber ich konnte nie weg, weil alles wohin ich immer wollte, schon da war. 

 

Ich weiß nicht, warum ich jetzt noch mein MacBook aufklappen und arbeiten soll. Ich bin an dem Punkt, vor dem ich immer Angst hatte, dass meine Tagesroutine zusammenbricht. Und jetzt wo ich hier bin, ist mir auch das egal. Ich will einfach nur Frieden.

 

Ich weiß, dass es nichts gibt, dass ich tun kann, weil alles einfach passiert und es kein Ich gibt, dass irgendetwas tun kann. Aber das ist nur ein Konzept, welches wiedergeben wird. Ich will irgendetwas machen. Ich fühle mich hilflos und will einfach nur dahin, wo ich immer hinwollte.

 

Thorsten Schäffer: Du kannst nicht machen. Die scheinbare Sinnlosigkeit hat zwei Seiten. Aus dem Blickwinkel des Ego-Verstandes ist es schrecklich. Alles was wir erreicht und jemals getan haben, verliert an Bedeutung. Es können Gedanken wie "Wenn alles sinnlos ist und einfach geschieht, dann brauche ich nichts zu tun." auftauchen. Wenn wir diesem Gedanken folgen, zieht er uns in die Depression und Lethargie. Das ist nicht der Weg des Zen.

 

Aus einem anderen, höheren Blickwinkel ist die göttliche Sinnlosigkeit wunderbare friedvolle Befreiung. Es bedarf keiner Anstrengung mehr, das Konzept der Person oder des Lebenssinns zu verstärken und aufrecht zu halten. Wir können uns ins Leben hineinfallen lassen, voller Freude und Vertrauen. Der aktive Zen Weg mitten im Alltag hat nichts zu tun mit Lethargie! Wir nehmen sehr aktiv am Leben teil, kümmern uns um uns und die die uns begegnen, sind kreativ und ungezwungen, da unser Handeln nicht mehr von veralteten Glaubenssätzen und Dogmen bestimmt wird. Wir fließen mit dem Leben mit und dazu zählt auch das aktive Handeln im Leben zum Wohle aller Wesen.

 

Fragender: Ja, habe ich verstanden. Mittlerweile hat der Verstand wieder ein neues, nettes Konzept vom Erwachen aufgebaut. Aber das ist ok. Es passiert sowieso alles einfach und auch das Konzept wird vergehen, weil es nur ein Konstrukt einer Illusion ist und damit schon in sich selbst paradox ist. 

 

Letztlich kann ich einfach nichts machen. Es passiert einfach, wenn es passiert. Du und Tony, ihr habt mir die letzte Hoffnung genommen, dass es irgendwas gibt, das "mich" erleuchten könnte.

 

Ich habe meinem Unternehmercoach gesagt, dass ich derzeit einfach keinen Sinn mehr darin sehe, das Coaching durchzuführen. Ich habe ihr beschrieben, warum dies gerade keinen Sinn für mich macht, da ich weiß, dass sie für alles Verständnis hat und offen ist für jegliche Gedanken. Die Antwort wird dich nicht überraschen.

 

Fühle mich als stände ich vor einer Tür vom Club, alle Feiern die geilste Party und der Türsteher sagt: Ey. Illusionen kommen hier nit rein. Immerhin ist jetzt wieder der Zweifel da, da es schlichtweg nicht möglich ist, einen Beweis dafür zu finden, ob eine Person erleuchtet ist.

 

Da wir über etwas sprechen, das angeblich nicht mit Worten belegt werden kann, kann jeder 7. Klässler sich alle Videos und Bücher zum Thema Erleuchtung reinziehen und dann eine Antwort wie Du geben. Das ist auch der Grund dafür, dass es so viele spirituelle Lehrer gibt und jeder glaubt, er hätte die Wahrheit gefunden. Und da jeder wieder sagen kann: Das kann man nicht mit dem Verstand verstehen, ist ein Beweis unmöglich. 

 

Die erste Sache, die ich sicher weiß ist also: Wenn es eine Wahrheit gibt, dann kann diese nur direkt erfahren werden. Und ich weiß, dass irgendwas falsch ist und nicht so, wie es sein sollte. 

 

Alles was mir jetzt noch bleibt, ist, mich hinzusetzen. Es gibt sowieso nichts mehr zu tun, noch irgendjemanden, der etwas tun könnte. Mein Kopf tut weh vom vielen Dank. Es ist Zeit, einfach nur zu sitzen. Alles wonach ich gesucht habe ist da und war schon immer da. Also auf geht's.

 

Thorsten Schäffer: Kodo Sawaki sagte einmal:

 

"Zazen bringt Dir gar nichts. Doch bis das endlich in eure Schädel eingedrungen ist und ihr das Zazen praktiziert, das euch nichts bringt, bis dahin bringt euch Zazen echt nichts."

 

Auch schön ist folgender Text. Während er die Versammlungshalle betrat, sagte Meister Huangbo:

 

"Der Besitz vieler Arten von Kenntnissen lässt sich nicht mit dem Aufgeben der Suche nach irgend etwas vergleichen. Das ist das Beste aller Dinge. Es gibt nicht verschiedene Arten von Geist, und es gibt keine Lehre, die in Worte gefasst werden kann. Da nichts weiter zu sagen ist, ist die Versammlung geschlossen"

 

Fragender: Ich habe einfach gesessen und ich hatte Phasen absoluten Friedens. Dann kam wieder ein Gedanke und manchmal habe ich diesen verfolgt. Aber dann ist mir bewusst geworden, dass das, wohin der Gedanke führt, sowieso sinnlos ist. Also sind auch alle Gedanken sinnlos. Kann das sein?

 

Welche Rolle spielt dann der Verstand? Manche spirituelle Lehrer sagen, dass der Verstand wichtig sei und angeblich ein hilfreiches Werkzeug. Aber wenn dieser nur Gedanken produziert, die sowieso überflüssig sind und alles sowieso passiert und jede Handlung uns nur zu dem Frieden führt, der wir sowieso schon sind, wofür gibt es dann den Verstand?

 

Thorsten Schäffer: Wer stellt mir diese Frage?

 

Fragender: Alles was passiert, ist Teil eines perfekten Ganzen. Jede Handlung, jede Begegnung ist Teil davon. Was ist, wenn ich all das, was passiert, nur träume. 

 

Und ich eigentlich nie gelebt habe, sondern nur eine Erfindung meines Gehirns bin? Dann hätte es Joe nie gegeben. Aber wer bin ich, wenn ich all das beobachte?

 

Bist du das, was auch ich bin und hilfst mir dabei, wieder das zu werden, was ich bin aber in der Identifikation mit dem Traum vergessen habe?

 

Möglicherweise ist auch nur die Angst vor einer Psychose oder das ich verrückt werde ein letztes Klammern des Träumenden. Ein Versuch der Illusion, sich selbst zu erhalten.

 

Thorsten Schäffer: Jeglicher Versuch es mit Worten auszudrücken ist lediglich ein Konzept des Ego-Verstandes. So auch meine Worte! Im Zen sagt man "Worte sind nur der Finger, der auf den Mond zeigt, aber nicht der Mond selbst."

 

Ja, stell Dir vor Du liegst nachts im Bett und träumst. Im Traum begegnen Dir allerlei Dinge, Personen und Situationen. Doch da es Dein Traum ist, ist alles was Du wahrnimmst auch Du, richtig? Im Traum gibt es verschiedene Formen, aber alles entstammt ein und der selben Quelle.

 

Du begegnest einem Menschen im Traum, doch in Wahrheit ist alles von Dir (Du begegnest Dir selbst), da es Dein Traum ist. So kann man nicht sagen, dass ich Dir helfe die Identifikation zu durchschauen. Im Grunde hilft sich das Selbst durch sich selbst.

 

"Gott hat irgendwann angefangen mit sich selbst verstecken zu spielen, aber er hat das Spiel so gut gemacht, dass er vergessen hat, dass er nur spielt. Und so hat er sich selbst vergessen." Auch wenn er erkennt, dass er nur spielt, geht das Spiel dennoch weiter. Er erfreut sich nur umso mehr daran, weil Erkenntnis da ist, dass jede Story, die Komödie bis zur größten Tragödie, Teil des Spiels ist.

 

Frage: Hast Du schon herausgefunden, mit absoluter Sicherheit, dass Du nicht der Denker bist, selbst wenn es Dir im Alltag so vorkommt?

 

Fragender: Ja, deine Worte passen in das Konzept, das derzeit besteht. 

 

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann kommen immer wieder neue Gedanken auf, die in das Konzept passen, dass all das nur ein Traum ist.

Bspw. Filme wie Matrix, Inception oder Shutter Island.  Auch hier besteht nur die Illusion einer Wirklichkeit. 

 

Aber was ist, wenn all diese Filme gar nicht existieren und nur Gedanken sind, die aufkommen, um mich wieder daran zu erinnern, was ich wirklich bin. 

All das Wissen zum Thema Erleuchtung kam einfach irgendwann, weil ich gemerkt habe, das etwas nicht stimmt. Nur der Traum ist so real, dass sich alles wie eine perfekte Story anfühlt.

 

Genauso wie du einfach da bist und in diesem Traum als "Helfer" auftauchst und ich eigentlich Fragen an mich selbst stelle, um wieder herauszufinden, wer ich wirklich bin. 

 

Ja, teilweise bin ich mir vollkommen sicher, dass ich nickt der Denker bin. Dann bin zu 100% davon überzeugt und will einfach nur aufwachen. Dann kommen wieder bessere Phasen aber auch in diesen fühlt sich Irgendwas einfach falsch an. 

 

Nur wie kann der Traum weiter existieren, wenn der Träumende erwacht. Endet damit nicht auch der Traum? Irgendwas sagt mir, dass es auch danach weitergeht.

 

Heute morgen hatte ich diesen unbändigen Drang in mir, zur Wahrheit vorzudringen. Und jetzt stehe ich hier, die Sonne scheint, Sales kommen rein und ich frage mich, was ich in den letzten Tagen überhaupt wie ein Verrückter gesucht habe. Ich komme einfach nicht mehr dahin. Ich glaube, der Drang zum Erwachen ist umso stärker, je mehr Leid besteht und je heftiger der Albtraum ist. Aber wer will schon aus einem geilen Traum aufwachen? 

Aber ich muss mir keine Gedanken machen. Leid wartet an jeder Ecke. Das nächste Tief kommt bestimmt. Und alle Samen sind gepflanzt. 

 

Da fällt mir ein, dass du auch bei der Heilpraktikern nach einer heftigen Infektion warst. Und dann bist du erwacht.

 

Thorsten Schäffer: Ich bin nicht erwacht! Aus meinem Verständnis heraus gibt es so etwas wie einen Erwachten oder Erleuchteten gar nicht. Das was nach Erleuchtung sucht, wird niemals erleuchtet. Das was Erleuchtung finden kann, war schon immer erleuchtet.

 

Fragender: Danke, dass du einfach für mich da bist. Wenn das Ich eine Illusion ist, mit der sich das Sein identifiziert und sich die Illusion vom Ich mit dem Tod auflöst, warum sollte das Ich dann nicht einfach Selbstmord begehen? Dann würde die Illusion aufgelöst werden wie in einem luziden Traum.

 

Ich weiß selbst, wie verrückt diese Frage klingt und ich habe nicht vor, mir das Leben zu nehmen. Ich habe nur mit David über das Konzept gesprochen und wir sind an dieser Stelle nicht weitergekommen. Irgendetwas in mir sagt mir, dass dieser Lösungsweg  nicht der richtige ist. 

 

Hattest du diesen Gedanken damals selbst?

Warum ist der Selbstmord kein Lösungsweg?

 

Thorsten Schäffer: Nein, den Gedanken hatte ich nicht! Als reines Sein kannst Du nicht erwachen, da sich das Sein sich selbst nicht gewahr ist.

 

Das Leben ist wundervoll mitsamt seinen Tragödien und Komödien! Das Sein erfreut sich an der Reibung, den Konflikten und Erfolgen...

 

Wenn Du wirklich erkannt hast, das Du nicht der Denker bist, welche Frage könnte dann wirklich relevant sein?

 

Fragender: Wer bin ich dann?

 

Aber ich glaube durch die verkrampfte Suche nach der Antwort komme ich nicht weiter. Dadurch bin ich nur noch stärker mit dem Verstand identifiziert, weil ich etwas erreichen will. 

 

Ich habe jetzt viele Storys von Menschen gelesen oder gehört, die erleuchtet sind. Es gibt einfach kein Muster, eine Technik oder sonst irgendwas, um dorthin zu kommen. Manche stehen einfach an der Bushaltestelle und erwachen, andere sitzen beim Heilpraktiker. Vielleicht muss ich einfach loslassen und dann sogar das Loslassen loslassen, damit ich auch mit dem Loslassen nichts mehr bezwecken will.

 

Thorsten Schäffer: Wahres Loslassen bedeutet zu erkennen, dass es da rein gar nichts zum Festhalten gibt!

 

Fragender: Kann die Illusion so angenehm sein, dass kein Erwachen geschieht? Dies müsste doch bei den meisten Menschen der Fall sein, oder?

 

Thorsten Schäffer: Oft ist es so, dass trotz oder gerade wegen eines sehr angenehmen Traums dieser undefinierbare Mangel gefühlt wird, als würde irgendetwas fehlen. Manche wenden sich auf dem Gipfel Ihres Erfolgs Drogen und Alkohol zu, andere begeben sich auf die spirituelle Suche. 

 

Aber auch andere Erlebnisse, wie schwere Tragödien im Leben, Nahtoterfahrungen oder ähnliches können den Beginn der Suche kennzeichnen. Das ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Viele suchen zu Beginn einfach nur nach einem spirituellen Weg der den Traum etwas interessanter, eben spiritueller macht.

 

Fragender: Thorsten, ich habe gerade einfach nicht mehr dieses Gefühl der Unzufriedenheit. Es gibt drei Erkenntnisse, die sich gegenseitig stützen und zu einem starken inneren Frieden führen.

 

1. Ich habe nie eine Entscheidung getroffen. Alle Ereignisse sind Ursachen von Ursachen. Fragen nach dem Warum oder wer Schuld hat sind sinnlos. 

 

2. Es gibt kein gut und schlecht. Jedes Ereignis führt zu unendlich vielen Ereignissen, die alle gut oder schlecht sein können. Dadurch ist alles einfach nur. 

 

3. Jegliches streben ist vollkommen sinnlos und soll nur zu dem inneren Frieden führen, der ich schon bin. Also spielt es keine Rolle, was passiert. Alles ist einfach sinnlos. 

 

Möglicherweise hat mein Verstand auch einfach nur ein erleuchtetes Leben aus den Erkenntnissen der letzten Tage modelliert. Aber ich fühle gerade einen starken inneren Frieden.  Ich hab schon lange nicht mehr so viel gelacht wie heute. Mein Bruder hatte vor zwei Jahren einen schweren Motorradunfall. Ich hatte nie wirklich eine Beziehung zu ihm. Aber trotzdem habe ich mir ihm über die 3 obigen Erkenntnisse gesprochen. Und diese haben ihn stark entlastet. Er spürt einfach keine Schuld mehr für seinen Unfall.

 

Liege gerade das erste Mal seit drei Jahren auf der Couch und esse einfach eine Kokosmakrone. Möglicherweise ist Erleuchtung auch das, was andere als Wochenende bezeichnen

 

Thorsten Schäffer: Und in dem Augenblick, als der Geschmack der Kokosmakrone sich um Mund ausgebreitet hat, war es die heiligste Handlung, die in diesem Moment möglich war... 

 

Bezüglich Deiner drei Punkte:

 

Sinnlos ist alles nur aus dem Blickwinkel des Ego-Verstandes (Shiki). Aus dem Blickwinkel der Leerheit (Ku) hat alles seinen Sinn.

 

Doch aus einem darüber liegenden, letztendlichen Blickwinkel ist alles einfach nur wie es ist! Reines Sein im Augenblick hier und jetzt.

 

Hast Du schon einmal das Hannya Shingyo gelesen? Es wird in den Zen Tempeln und Gruppen jeden Morgen nach dem Zazen rezitiert.

 

Fragender: Wenn ich das Hannya Shingyio lese, dann spüre ich, die Wahrheit, die hinter den Worten liegt

 

Vier weitere Erkenntnisse, bei denen ich mir sehr sicher bin: 

 

1. Wenn Erwachen geschehen ist, dann hört die Suche auf. Dieser innere Zweifel an dem, was ich glaube, was ich bin oder was ist, löst sich einfach auf. Denn egal wie sehr ich glaube, dass die Illusion jetzt aufgelöst wurde, es schwingt immer ein gewisser Zweifel mit. 

 

2. Erwachen kann nicht durch Worte, Taten oder Nachdenken herbeigeführt werden. Nichts hilft. Man dreht sich immer nur im Kreis. Es ist nur so schwer, dies zu akzeptieren. 

 

3. Auch wenn jegliche Worte und jeder Austausch überflüssig sind, ist ein Helfer, Lehrer oder Meister sehr wichtig. Denn das Ich will dieses Hilflosigkeit nicht akzeptieren. So fängt es an, illusionäre Lösungswege zu erschaffen. Wenn diese Illusionen nicht sofort zerschlagen werden, steht man wieder in einer Sackgasse. 

 

4. Es ist vollkommen egal, was ich mache. Ich stehe am Ende wieder am Ausgangspunkt. Ich kann wie ein geisteskranker arbeiten, oder reisen, oder mich auf die Couch legen. Es ist vollkommen egal. Jede Handlung führt zu nichts. Man rennt wie ein Kranker auf Treibsand.

 

Thorsten Schäffer: 1. Woher kommt dieser Zweifel? Von dem was Du bist oder ist es nur ein Gedanke?

 

2. Erwachen kann nicht herbei geführt werden, weil das was erwacht schon immer erwacht war. Das was es herbeiführen will, wird es niemals sein.

 

3. Ja, so empfinde ich es auch!

 

4. Es ist nicht so, dass jede Handlung egal ist. Jede Handlung ist Ausdruck des höchsten, lebendiger Ausdruck des göttlichen Prinzips der Leerheit.

 

Keine Worte können Dich näher zu dem bringen, was du bereits bist. Ob es Dir ein gutes oder schlechtes Gefühl gibt, spielt keine Rolle!

 

Verstricke Dich nicht in Intellektuellen Konzepten und Ideen. Sieh einfach genau hin, du bist bereits DAS!

 

Jeglicher Versuch es zu begreifen, in Worten auszudrücken oder wissenschaftlich zu erklären, ist nur der verzweifelte Versuch des Verstandes, die Illusion aufrecht zu erhalten.

 

Sitze einfach Zazen

 

Fragender: Hallo Thorsten, kurze Zusammenfassung der letzten Tage:

 

Die Zeit nach unserem Gespräch war sehr intensiv und herausfordernd. Hatte auch das erste Mal in meinem Leben eine leichte Depression, weil ich mich so hilflos und sinnlos gefühlt habe. Das Gefühl, ein Ziel nicht mit Willenskraft erreichen zu können, war eine ganz neue Erfahrung.  Irgendwann hab ich mich dann gefangen und mich für einige Zeit vom Thema Spiritualität entfernt. 

Ich habe angefangen, all deine Worte anzuzweifeln. Vorerst dachte ich, dass ich mir diese Gefühl der Suche nur einbilden würde. So habe ich meine Lebensbereiche wieder stärker ausbalanciert, mich wieder häufiger mit Freunden getroffen, statt nur zu arbeiten. 

 

Doch dieses Gefühl der Suche und Unzufriedenheit bestand noch immer. 

Dann habe ich darüber nachgedacht, ob ich vielleicht eine hormonelle oder genetische Störung habe, die dieses Gefühl erzeugt. Aber auch das glaube ich nicht. 

 

Letzte Woche habe ich dann das Buch, "Der Ego-Tunnel" von Prof. Dr. Metzinger gelesen. Darin wird wissenschaftlich erklärt, was das Ego ist und wie das Gehirn den Ego-Tunnel erschafft. Nach dem Buch habe ich noch eine Korrespondenz mit Metzinger geführt und ihm einige Fragen zum Thema Erwachen und Erleuchtung gestellt. Interessanterweise geht er selbst davon aus, dass Erwachen wahrhaftig geschehen kann. 

 

Auf seine Frage hin, was "Ich" machen kann, damit erwachen geschieht, hat er mir eine ähnliche Antwort wie du gegeben "Achtsamkeit und Zazen sind schön, aber nicht nötig. Trotzdem ist es gut, sein Zimmer aufzuräumen und das Fenster offenzulassen. Wenn das Vögelchen reinkommt, können Sie eh nichts machen, das hat nichts mit Ihnen zu tun."

 

Gerade muss ich ein bisschen grinsen, weil es so viele Momente gab, in denen ich dachte: "Das ist die Lösung. Jetzt weiß ich wie." Und letztlich war es wieder nur ein Konzept und ich sehe, dass ich mich nie bewegt habe. 

 

Also praktiziere ich jetzt weiter und bin achtsam. Bücher werde ich zum Thema Spiritualität und Zen in nächster Zeit keine mehr lesen. Die Zeit investiere ich lieber in die Praxis. Hast du noch Anregungen?

 

Gibt es deiner Meinung nach eine Art Auslöser für das Erwachen? Was könnte die Ursache dafür sein, dass Erwachen geschieht?

 

Thorsten Schäffer: Jeder Augenblick ist eine Einladung zum Erwachen, weil Du bereits bist was Du bist.

 

Es ist vielmehr so, dass jemand ganz verzweifelt nach seiner Brille sucht, bis er erkennt, dass er sie die ganze Zeit auf der Nase hatte. Würde er in den Spiegel sehen, wäre der Spiegel dann der Auslöser? 

 

Für was? Für die Erkenntnis, da die Brille schon die ganze Zeit auf der Nase war?

 

Aus diesem Blickwinkel wäre Zazen und der vertrauensvolle Austausch mit einem scheinbaren Gegenüber, der erkannt hat, dass er "die Brille auf der Nase trägt", vielleicht eine Art Spiegel. Verstehst Du?

 

Fragender: "Ich komme immer wieder an den Punkt wo ich verzweifelt bin und es sich anfühlt, als würde ich in eine mittlere Depression schlittern. Bin zur Zeit im Urlaub und sehe die Menschen, die sich hier für ein kurzes Glück die Rübe zusaufen und glauben, dass es kein Ende gibt. Ich zweifel an mir selbst und fühle mich nicht besonders gut."

 

Thorsten Schäffer: Aus dem Blickwinkel der Person (Ego) ist die Wahrheit zerschmetternd, kann in Selbstzweifel und Depression führen. Aus dem Blickwinkel von dem was Du bist, ist alles wundervoll:

 

Menschen betrinken sich im Urlaub, lenken sich ab, betäuben sich um diesen undefinierbaren Mangel zu verdrängen. Treiben Sport, rennen dem Geld und dem Erfolg hinterher... das ist alles völlig in Ordnung. 

 

Es ist die göttliche Harmonie, das Tao, Buddha-Natur, wie immer Du es nennen willst. Leerheit in seiner wunderbaren Fülle. Einheit die sich in der Vielheit ausdrückt.

 

Ich bin weder erwacht noch erleuchtet! Ich habe von der letzten Wahrheit nicht die geringste Ahnung, da es nicht mit dem Verstand fassbar ist!

 

Gerade das "nicht verstehen können" ist das Verstehen. Weil Du bis an die Grenze des Verstehens gehst und weißt, dass da noch etwas dahinter liegt, dass Du bist, ist das "nicht verstehen" die höchste Erkenntnis!

 

Es ist kein Akzeptieren weil es jemand sagt oder Du es irgendwo gelesen hast! Es ist ein klares Sehen, dass es nicht anders sein kann.

 

Ich, die Person nehme nach wie vor Angst und Wut und Trauer war. Dieser Körper kann krank werden und wird sterben. Aber Befreiung ist die Tatsache, dass ich nicht dieses Körper-Geist-System bin, auch wenn es sich so anfühlen mag...

 

Zwei Fragen:

 

Hast Du klar erkannt, dass Denken ganz ohne Dich geschieht? Dass die Lebendigkeit des Körpers ganz ohne dein Zutun abläuft?

 

Alles kann beobachtet und wahrgenommen werden! Du bist das reine Gewahrsein, reines Bewusstsein, dass sich nicht einmal sich selbst bewusst ist und es niemals sein wird. Denn wenn sich Bewusstsein selbst bewusst ist, ist es noch immer Dualität! Du bist DAS!

 

Vielleicht gibt es im Zen deshalb das Bodhisattva Ideal! Mitten im Samsarah helfen wir denen, die leiden...

 

Das gibt dem Leben trotz aller Erkenntnis eine Richtung.

 

Aber nicht indem wir etwas tun. Es geschieht einfach, so wie alles andere auch. 

 

So hat Buddha die Lehre weitergegeben und die Meister nach ihm auch. Ohne etwas zu tun, seit über 2.500 Jahren!

 

Fragender: Intellektuell habe ich verstanden, dass das ich nur eine Illusion ist. Dass alles einfach passiert und ich noch nie eine Entscheidung bewusst getroffen habe. Denn es gibt kein Ich. Das Ich ist nur eine Illusion, die vom Gehirn erschaffen wurde. Auch habe ich verstanden, dass ich nicht der Denker bin. Die Gedanken kommen und gehen einfach und ich kann diese beobachten. Wenn ich unbewusst bin, identifiziere ich mich mit den Gedanken und je nachdem welche Gedanken auftreten, treten verschiedene Emotionen auf. So entsteht Leid und Anhaftung.

 

Ich glaube allerdings, dass das intellektuelle Verstehen nicht ausreicht. Es muss ein Verstehen mit dem ganzen Körper sein. 

 

Fragen: 

 

1. Entsteht Leid dadurch, dass das Ich der Menschen glaubt, dass es Entscheidungen trifft und Kontrolle hat? Und dadurch identifiziert sich das Ich auch mit jedem Gedanken?

 

2. Aber wie ist es bei dir? Besteht bei dir auch noch ein Ego, welches du nutzt, um zu kommunizieren? Kann das Sein dann wieder das Ich übernehmen, um den Körper in der Welt der Formen zu manövrieren?

 

Wenn ich mir die Frage stelle: Wer bin ich? Dann kann die ehrliche Antwort in dem Moment nur lauten: Der Denker. Also Joe.

Wie komme ich von der Frage: Wer bin ich? Zur Erkenntnis, wer oder was ich wirklich bin?

 

Thorsten Schäffer: Zu sagen "Intellektuell habe ich verstanden" bedeutet "Ich hab's nicht verstanden!"

 

Zu Frage 1: Leiden entsteht durch die Unwissenheit wer bzw. was wir sind. 

 

Zu Frage 2: Klar ist hier ein Ego und auch wieder nicht. 

 

Ich könnte mir nicht mal Eier kochen oder Zähne putzen, wenn da kein Ego bzw. Verstand mehr wäre. 

 

Aber auf der anderen Seite gibt es kein Ego, weder bei mir oder Dir! Das Ego ist eine Illusion, ein gedankliches Konstrukt! Es gab noch nie ein Ego...

 

Das Sein übernimmt nicht das ich und steuert es oder so! Das Sein ist das ich, und der Baum da und der Kackhaufen auf der Straße und der erfolgreiche Typ, der mir all diese Fragen stellt. Alles was ist, ist dieses Sein, neben dem nichts anderes existiert!

 

Du, der da sucht, wird niemals zu irgendeiner Erkenntnis kommen. Ich weiß, es ist zum verrückt werden (kenne das von mir damals), aber so ist es nun einmal.

 

Ich habe auch keine Erkenntnis von dem was ich bin. Ich weiß nur, dass ich bin was ich bin, weil es nicht anders sein kann. 

 

So habe ich also doch die Erkenntnis, dass ich bin was ich bin, ohne zu sein was ich dachte das ich bin und ohne die Suche nach dem was ich schon bin, da ich das bereits bin!

 

Fragender: Top, der letzte Satz war sehr hilfreich. 

 

Ich fühle mich derzeit einfach hilflos. Es fühlt sich an, als wäre jegliche Technik, die ich je gelernt habe, wie Achtsamkeit, bewusste Atmung und mein ganzes Wissen nur eine Möglichkeit, den Traum angenehmer zu gestalten. Aber es gibt nichts, dass ICH tun kann, um die Illusion aufzulösen. 

 

Deine Worte sind ja letztlich auch Ursache für Gedanken, die bei mir zu Handlungen führen. Wie würdest du also an meiner Stelle jetzt weiter vorgehen?

Ich weiß, dass ich keine Entscheidungen treffe und das alles sinnlos ist, aber das macht die Situation nicht einfacher, verstehst du? Wenn ich etwas mache, leide ich am Ende. Und wenn ich nichts mache, leide ich auch. Was kann ich also jetzt machen? Damit die Illusion wenigstens angenehmer ist und um möglicherweise zu fördern, dass Erwachen geschieht? Abgesehen von Zazen, dem Koan und den Treffen mit dir?

 

Ich fühle mich verzweifelt, weil ich die Situation nicht durch Willenskraft verändern kann. Wenn mir jemand sagen würde: Meditiere 20 Stunden pro Tag oder faste für 10 Tage, könnte ich konkret etwas umsetzen. Aber so hänge ich einfach in einem Zwischenraum.

 

Und ich weiß schon ganz genau, was in den nächsten Tagen passieren wird. Dann kommt der Gedanke: "Eigentlich geht es mir doch echt gut. Möglicherweise stimmt das, was Thorsten, Buddha und co sagen einfach gar nicht. Ich muss einfach nur mehr ...."

 

Dann setze ich mir ein Ziel, bin wieder hochmotiviert, habe Erfolg und danach einen noch heftigeren Crash.

 

Nach dem letzten Crash dachte ich mir: Verdammt, mir fehlt einfach nur eine Freundin. Also hab ich mir eine neue Freundin gesucht, die hübsch ist, lustig, toller Charakter. Das ist auch schön und gut, aber dieses verdammte Gefühl der Unzufriedenheit und Suche ist immer noch da.

 

Also was würdest du an meiner Stelle konkret machen?

 

Thorsten Schäffer: Wonach glaubst Du zu suchen? Was glaubst Du zu finden?

 

Fragender: Frieden. Ich möchte einfach nur das Gefühl haben, dauerhaft angekommen zu sein.

 

Thorsten Schäffer: Solange da Anhaftung und Ablehnung ist, kann es keinen Frieden geben.

 

Was wäre, wenn Du die Situation wie Sie jetzt ist, mit all der Verzweiflung und dem Verlangen völlig annehmen könntest, was könnte dann den Frieden stören?

 

Fragender: Dass es kein langfristiger Frieden ist. Wenn ich Zazen praktiziere oder achtsam bin, dann spüre ich diesen Frieden. Doch wenn dann wieder stürmische Zeiten auftreten, in denen ich unbewusster bin, identifiziere ich mich stark mit den aufkommenden Gedanken. Dann verliere ich diesen Frieden wieder. 

 

Erwachen würde aber dazu führen, dass der Frieden dauerhaft besteht, da ich erkenne, dass ich der Frieden bereits bin. So meine Vermutung. Möglicherweise liegt der Fehler auch darin, dass ich meine Verzweiflung einfach nicht wirklich akzeptiert habe und stattdessen an dem Konzept der Erleuchtung anhafte.

 

Thorsten Schäffer: Wenn Du etwas tun musst (Zazen) um Frieden zu erhalten, dann kann es niemals dauerhafter Frieden sein. Schon Buddha sagte: "Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende!"

 

Das wonach Du suchst muss folglich schon immer da sein, richtig? Es muss ungeboren, unentstanden und frei von Bedingungen sein. Wonach Du suchst ist das reine Gewahrsein, der letzte Beobachter, die Wahrnehmung ohne einen Wahrnehmenden. Das was Du bereits bist!

 

Alle Ideen von Frieden, Erleuchtung der Person und Glück sind nur Möhren, die die Weisen dieser Welt seit Jahrtausenden vor das Maul der Esel gebunden haben.

 

Fragender: Wie lebe ich im ungeborenen Buddha-Geist? 

 

Wie genau hat sich deine Wahrnehmung seit dem Tag bei der Heilpraktikerin verändert? Wenn du bspw. arbeitest und neue Ads aufsetzt, dann musst du dich konzentrieren. Es muss also sowas wie einen Verstand geben, davon bin ich überzeugt. Aber wie siehst du die Dinge dann? Ist es so, dass du dich selbst als das Sein erkannt hast und dann switchtst du zurück ins Ego und nutzt deinen Verstand? Und wenn etwas nicht gut läuft, dann erkennst du dich einfach als Sein und lachst über die Ereignisse?

 

Thorsten Schäffer: "Vor der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen. Nach der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen."

 

Natürlich verspüre ich, die scheinbare Person Thorsten Schäffer, immer noch Schmerz und strebe nach scheinbar positiven Gefühlen. Scheinbare treffe ich Entscheidungen und scheinbare lebe ich mein Leben...

 

Aber das was ich bin, das reine Gewahrsein (Bewusstsein, dass sich selbst nicht bewusst ist) habe keine Schmerzen, Strebe nach nichts, bin lediglich stiller Beobachter des göttlichen Prinzips der Leerheit, die hier alles am Laufen hält.

 

Weder switche ich in den Seins-Modus noch in den Ego-Modus. Leben geschieht völlig ohne mich und ich schaue dem zu... 

 

Das mit Worten zu beschreiben ist zwecklos, da der Verstand augenblicklich versucht ein Konzept daraus zu machen!

 

Du beobachtest Gedanken, Emotionen, das Gefühl eine Person zu sein etc. All das wird von Dir gesehen! Aber kann der Beobachter selbst beobachtet werden?

 

Fragender: Dadurch dass du erkannt hast, wer oder was du wirklich bist, identifizierst du dich auch nicht mehr mit den Gedanken und Emotionen, die aufkommen. Das ist die finale Befreiung vom Leid, durch die Erkenntnis, dass du das reine Gewahrsein bist. 

 

Kann es sein, dass ich teilweise auch so verwirrt bin, weil ich mir ein Konzept aus all deinen Erfahrungen gebaut habe und nun versuche, das Leben so zu führen, wie du es machst, aber dies ist überhaupt nicht möglich, weil ich noch nicht erkannt habe, was ich wirklich bin? 

 

Dadurch betrachte ich alles aus dem Blickwinkel des Egos und alles, was du mir sagst, ist nachvollziehbar aber verwirrt mich auf lange Sicht noch mehr, weil es nur durch die Erfahrung selbst "verstanden" werden kann? 

Deshalb wird im Zen auch die Praxis in den Vordergrund gerückt. Und der Meister ist so wichtig, weil er direkt wieder die vermeintlichen Erkenntnisse des Egos zerschlagen kann.

 

Thorsten Schäffer: Das Ego wird nicht zerschlagen, sondern durchschaut. Das war´s im Grunde schon.

 

Fragender: Ich bin nicht der Denker. Denken passiert einfach. Die Gedanken kommen und gehen ohne mein Zutun und sie treten in dem auf, was ich bin. Diese Erfahrung habe ich gerade gemacht und es besteht ein Gefühl vollkommen Überzeugung, dass dem so ist.

 

Nur kann ich nicht erkennen, was ich dann bin. Es fühlt sich an, als treten die Gedanken in dem auf, was ich bin.

 

Thorsten Schäffer: Kann eine Waage ihr eigenes Gewicht wiegen? Oder kann sich ein Messer selbst schneiden?

 

Fragender: Nein. Es gibt keinen Beobachter mehr von dem, was ich bin. Wer beobachtet also die Gedanken, die sich selbst anzweifeln. Ich muss noch über diese Gedanken hinausgehen. “Lasst uns darüber hinaus gehen, alle gemeinsam, darüber hinaus und noch jenseits des Darüber-Hinaus, an das Ufer des Satori.”

 

Thorsten Schäffer: Alles was Du heute sagst ist wahr, doch folgst Du einmal mehr einem Zweifel - dem Gedanken, dass Du noch nicht bist, was Du bist. Warum?

 

„Es gibt keinen Beobachter von dem, was ich bin.“ Diese Erkenntnis ist Befreiung, diese Erkenntnis ist der Frieden, der keine Ursache braucht...

 

Wonach willst Du noch suchen?