Kito Zeremonie - Fürsprache für Leidende und Kranke

Die Kito-Zeremonie ist eine universelle Zeremonie der Fürsprache für Kranke und Leidende, denen wir die Verdienste unserer Praxis und der Rezitation widmen. Manchmal fühlen wir uns als Mensch ohnmächtig einem anderen Menschen zu helfen, wenn dieser in seinen gedanklichen Strukturen gefangen ist und an Ängsten, Krankheiten oder der eigenen Lebenssituation leidet.

 

Die Kito-Zeremonie kann ein Hilfsmittel sein, um diesen Menschen indirekt zu helfen, in dem wir unsere Kraft und Energie der Praxis diesen Menschen widmen. Ob die Zeremonie wirkt oder nicht, ist dabei nebensächlich. Wichtig ist allein die Ausführung und gemeinsame Anstrengung, die wir dieser Zeremonie widmen.

 

"Es geht darum, Leuten zu Hilfe zu kommen, die sich nicht mehr selbst helfen können, weil sie schwer krank sind. Wir hoffen, ihnen mit dem Kito etwas von der Zazen-Energie zu kommunizieren. Wie das funktioniert, die Effektivität, das ist Teil der unsichtbaren Welt. Das kann man nicht erklären. Das merkwürdige ist, dass es sehr oft funktioniert. Viel öfter, als der statistische Zufall es erwarten lässt, geht es den Leuten nach dem Kito besser. Oft ist eine deutliche Verbesserung feststellbar.

 

Ich habe Kitos gemacht, bevor ich an sie geglaubt habe. Sogar Kitos, an die ich nicht geglaubt habe, haben sehr gut funktioniert. Das heißt, ich bin mir klar geworden, dass da etwas ist, was geschieht, das mich übersteigt. Es ist nicht nur die Zazen-Energie, wenn man ein Kito macht, sondern man ruft auch Maka Hannya an, die große Weisheit. Ich glaube, dass in der unsichtbaren Welt - das ist die Dimension der Welt, die jenseits von dem ist, was wir messen können - Dinge geschehen, die jenseits unserer Kontrolle liegen, jenseits von dem, was wir derzeit erklären können.

 

Ich habe also wirklich aufgehört, das zu erklären. Ich mache es einfach aus Mitgefühl für die Leute, die mich darum bitten, und ich stelle fest, dass es Auswirkungen hat. Selbst wenn jemand, der sich in der Endphase einer Krebs-Erkrankung befand, nicht geheilt wurde, so kann man doch feststellen, dass es ihm nach dem Kito besser ging. Es ist also eine andere Art zu helfen.

 

Man muss aber sagen, dass es nicht das Wichtigste im Zen ist. Es ist überhaupt nicht Zen. Wenn man Zazen praktiziert, macht man es nicht mit einer besondern Absicht. Und wir sind keine Zauber-Lehrlinge. Der Ursprung der Kito liegt im esoterischen Shingon-Buddhismus, im Tantra. Im 14. Jahrhundert, als sich diese Form des Buddhismus in Japan im Niedergang befand, waren Zen-Mönche eingeladen worden, sich in den Shingon-Tempeln niederzulassen. Die Shingon-Mönche hatten Vertrauen in diese Zeremonien. Daraufhin haben die Zen-Mönche diese Zeremonien fortgesetzt. Und wir machen damit weiter. Das ist alles."

 

Zen-Meister Roland Yuno Rech

 

Ablauf

 

 

Die Kito Zeremonie beginnt wie jede Zeremonie mit San Pai (dreifacher Niederwerfung). Im Anschluss wird vom Leiter der Einführungsvers zur Kito-Zeremonie vorgelesen. Darauf folgt das gemeinsame Rezitieren des Herz-Sutra. Dieses wird dreimal in steigender Geschwindigkeit rezitiert. Die Atmosphäre im Raum verdichtet sich spürbar durch die Konzentration auf diese Rezitation. Im dritten Durchgang unterstützt, wenn vorhanden, eine große japanische Trommel die Rezitierenden.

Wenn die Gruppe groß genug ist, wird die Konzentration zusätzlich von den "Störern" nach oben getrieben. Die "Störer" werfen Sutra-Bücher durch die Luft und versuchen durch Geschrei, Wehklagen und Lachen die Gemeinschaft in ihrem Rezitieren zu stören, wodurch die Konzentration jedes einzelnen noch einmal ansteigt. 

 

Nach dem Herz-Sutra wird der Kito Widmungsvers zusammen mit den Namen der Personen, denen das Kito gewidmet wird, vorgelesen. Diese Namen von Bekannten, Verwandten und Freunden werden vorab auf einem Blatt notiert. Während die Namen vorgelesen werden, können die Teilnehmenden nach vorne kommen und etwas Shoko (jap. Kräuter-Granulat) am Altar darbringen, zu ehren der Personen und der Zeremonie.

 

Die Zeremonie endet mit San Pai (dreifacher Niederwerfung) und hat eine starke Wirkung auch oder gerade auf die Teilnehmenden der Zeremonie. Interessant sind dabei die Kito-Verse, die in Muttersprache vorgelesen werden und eine viel tiefere Bedeutung dieser Zeremonie darstellen, wenn unser Herz offen ist, die Wort wirklich zu verstehen.

 

Die Zeremonie findet meist am zweiten oder dritten Abend während eines Sesshin oder Praxistagen statt, kann aber auch auf Bitte individuell durchgeführt werden. Die japanischen Mönche verdienen teilweise mit dieser Zeremonie ihr Geld und führen sie in Privathaushalten für kranke Familienmitglieder durch.

 

Handzettel für den Ablauf

Handzettel Herz-Sutra