Die 10 Ochsenbilder des Zen - Workshop Sommerlager 2021

So viele Worte für nichts und wieder nichts - wie schade!

10. Den Markt mit offenen Händen betreten

 

Alleine hinter der Tür aus Gestrüpp. Nicht einmal die tausend Heiligen wissen davon. Das Licht im Verborgenen haltend, den Spuren der alten Weisen nicht folgend, seine Kalebasse tragend, betritt er den Markt. Auf seinen Stock gestützt, kehrt er heim. Er hängt in Spelunken und an Fischbuden herum, und alle werden zu Buddhas. 

 

Mit nackter Brust und nackten Füßen den Marktplatz betretend, mit Schmutz und Asche beschmiert, und mit einem breiten Strahlen. Keine magischen Kräfte. Und dennoch brechen aus verdorrten Bäumen Blüten hervor.


9. Rückkehr zum Ursprung, zurück zur Quelle

 

Ursprünglich rein und klar, ohne ein Staubkorn.

Das Entstehen und Vergehen jeder Form 

– durchschaut. In Ruhe im  Nicht-Bedingten.

Ohne illusorische Phantome. Was kann da ausgeschmückt werden? Berge grünen, Gewässer blauen. Sitz, und durch - schaue den Wandel der Dinge. 

 

Rückkehr zum Ursprung, zurück zur Quelle – was für eine Verschwendung! Es ist besser, einfach blind und taub zu sein. In der Hütte ist das, was draußen ist, nicht zu sehen. Flüsse fließen nach ihrer eigenen Harmonie, Rosen blühen auf natürliche Weise rot.

 


8. Mensch und Ochse vergessen

 

Menschliches Empfinden abgeworfen, leer sogar von heiligem Streben. Nicht verbleibend, wo der Buddha weilt, Schnell vorüber eilend, wo kein Buddha ist. In keinem von beiden verweilend. Nicht einmal die tausend Augen können dies durchdringen. Hundert Vögel bringen Blumen dar – Wie schade. 

 

Peitsche und Seil, Mensch und Ochse – verschwunden. Weiter azurblauer Himmel, unermesslich. Schneeflocken überstehen nicht die Flammen der Feuerstelle. In diesem wirklich eins seiend mit den alten Meistern.

 


7. Der Ochse vergessen, es bleibt der Mensch

 

Es gibt keine zwei Dharmas, und der Ochse ist symbolisch. Die Falle wird zurück gelassen, wenn der Hase am Strick hängt, das Netz, sobald der Fisch gefangen ist. Wie Gold in der Schlacke

oder der Mond, der hinter den Wolken hervortritt:

 

Ein einzelner Strahl leuchtet, bevor die Welt erscheint. Rittlings auf dem Ochsen, schließlich die Hügel der Heimat. Der Ochse verschwunden, du bist beruhigt. Die Sonne schon hoch am Himmel, doch der Traum dauert an. Seil und Peitsche liegen träge unter dem Strohdach.

 


6. Den Ochsen reitend heimkehren

 

Der Kampf ist vorbei. Verlust - Gewinn sind verschwunden. Bäuerliche Weisen summend,

ein Kinderlied spielend. Rittlings auf dem Ochsen

in den unendlichen Himmel blickend. Selbst wenn er gerufen wird, dreht er sich nicht um. Selbst wenn er gelockt wird, bleibt er nicht stehen.

 

Rittlings auf dem Ochsen, sich gemächlich auf den Heimweg machen. Die Harmonie löst die Abendglut auf. Grenzenloses Empfinden in jedem Schlag, in jedem Vers. In Harmonie miteinander – muss das noch gesagt werden?


5. Den Ochsen zähmen

 

Sobald ein Gedanke aufsteigt, folgt sicher ein weiterer. Wache auf, und alles wird Wahrheit.

Verweile in Unwissenheit, und alles ist falsch.

Dies folgt nicht aus äußeren Bedingungen. Es erhebt sich aus dem Geist. Halte  das Seil gut fest, sei nicht schwankend. 

 

Lass Peitsche und Halfter nicht einen Moment los. Sonst könnte die Bestie – ach! – in den weltlichen Staub entweichen. Kümmere dich richtig um sie, bis sie zart und zärtlich ist und aus eigenem Antrieb folgt, ohne verstrickende Zügel.


4. Den Ochsen fangen

 

Lange in der Wildnis verborgen. Heute endlich gefunden. Schwierig, Schritt zu halten mit dem, was immer wieder entwischt. Sich nach den süßen Graswiesen sehnend. Sich dem Gebrochenwerden verweigernd. Wild wie immer.

Um es zur vollständigen Harmonie zu bringen

Gebrauche die Peitsche! Mit ganzer Kraft 

 

Ergreife die Bestie! Stark und hartnäckig, wie sie ist, lässt sie sich nicht brechen. Mal die höchsten 

Höhen erklimmend, mal in neblige Tiefen absteigend.

 


3. Den Ochsen finden

 

Durch Hören den Eingang gefunden, Durch Einsicht die Quelle entdeckt. Die sechs Sinne zum Ursprung zurück, frei von Hindernissen und Unterscheidung. Jede Handlung geschieht kristallklar aus der Mitte wie Salz sich aufgelöst hat im Wasser oder Leim in der Farbe. Öffne dein Auge: Die Dinge sind nicht voneinander getrennt. 

 

In den Baumwipfeln singt trällernd die Nachtigall. Warmer Sonnenschein, sanfter Wind, die Weiden am Flussufer grünen. Genau hier, letztendlich kein Ausweg – Begegnung unvermeidlich. Majestätischer Kopf und Hörner, die kein Künstler einfangen kann.


2. Bild - Spuren sehen

 

Durch Sutren wird die Bedeutung verstanden. Durch den Blick in die Lehren finden sich Spuren. Es ist klar: verschiedene Gefäße sind alle aus einem Stoff. Alle Dinge sind ein Selbst. Aber ohne die Fähigkeit, richtig und falsch zu unterscheiden, wie Einsicht in Wahr und Falsch gewinnen? Ohne bisher das Tor durchschritten zu haben wurden wenigstens die Spuren gesehen. Überall am Flussufer, unter den Bäumen, Fährten. Im dichten süßen Gras.

 

Ah, was ist das? Wie tief auch immer in den Tiefen der Berge. Nichts kann die zum Himmel gereckte Schnauze verbergen. Seht euch das Bild an. Der Kopf sitzt nun gerade, Körper und Geist sind geeint, die Hand liegt fest am Seil der Disziplin.


1. Bild - Den Ochsen suchen

 

Niemals verloren gegangen - Warum dann suchen? Beim Abwenden vom Erwachen entsteht die Trennung. Staubbedeckt, ist schließlich alles verloren. Die heimatlichen Hügel sind weiter entfernt denn je, auseinanderstrebende Pfade wuchern. Die Flammen von Gewinn und Verlust, das Schwert von Richtig und Falsch.

 

Durch dichtes Gestrüpp waten, suchen, suchen. Die Flüsse schwellen an, die Berge türmen sich, die Wege sind endlos. Erschöpft, verzweifelt, ohne Richtung.

Nur das Dröhnen der Zikaden im Herbstlaub.